09 April 2020 | Politik

Hospital-Bau verzögert sich

Gouverneur und Regionalratsmitglied liefern sich Wortgefecht

In Walvis Bay soll dank einer großangelegten Initiative des Privatsektors in Rekordzeit ein Feldlazarett mit 150 Betten und einer neuen Sauerstofferzeugungsanlage in Betrieb genommen werden. Jetzt ist der Bau infolge von Querelen zwischen zwei Regionalpolitikern, um zwei Wochen verzögert worden.

Von Erwin Leuschner

Swakopmund/Walvis Bay

Heftige Anschuldigungen, Vorwürfe der politischen Sabotage sowie persönlichen Demütigung: Dies sind die Inhalte eines schriftlichen Wortgefechts, dass seit Wochen zwischen dem nunmehr Ex-Gouverneur der Erongo-Region, Cleophas Mutjavikua, und dem Regionalratsmitglied Knowledge Ipinge tobt. Ipinge wurde zu Jahresbeginn als Regionalratsvertreter für den Wahlkreis Walvis Bay (Stadt) eingeschworen, nachdem er sich als unabhängiger Kandidat registriert und die Nachwahl gewonnen hatte (AZ berichtete). Mu­tjavikua wurde indessen am Dienstag unerwartet von Präsident Hage Geingob abgesetzt beziehungsweise durch Neville André ersetzt.

Die Querelen zwischen den beiden Politkern haben während der aktuellen Coronakrise ein neues Niveau erreicht, welches sich nachteilig auf den Bau eines neuen Feldlazaretts in der Hafenstadt auswirkt – die Bauarbeiten stehen seit rund zwei Wochen vollkommen still. Das Feldlazarett, das aus zusammengesetzten Containern besteht, wird neben dem örtlichen Staatskrankenhaus gebaut. Es soll mit 150 Krankenbetten und eine Sauerstofferzeugungsanlage zwecks Behandlung von COVID-19-Patienten ausgestattet werden. Vor zwei Wochen hatte Ipinge den ersten Spatenstich ausgeführt.



140000 Corona-Fälle

Der Schriftverkehr zwischen den Politikern liegt der AZ vor. Demnach hat Ipinge, der Teil des regionalen Ausschusses für die Katastrophenrisikoverwaltung ist, es bereits im März als „entmutigend“ bezeichnet, dass Mu­tjavikua dem neuen Feldlazarett mit „Widerstand begegne“. Ipinge beschreibt die neue Einrichtung als ausschlaggebend. Es werde davon ausgegangen, dass etwa „140000 Personen“ in der Erongo-Region an dem Virus erkranken würden. In einem weiteren Schreiben am vergangenen Sonntag, erhob Ipinge schwere Vorwürfe gegen Mutjavikua, der demnach Ipinges „Bemühungen im Kampf gegen COVID-19 untergräbt und sabotiert“. „Durch Ihr Ego und Ihren Drang, jede Situation politisieren zu wollen, hat jede Logik ihren Sinn verloren“, schreibt Ipinge. Ferner sei Mutjavikua „wie ein Frosch auf- und abgesprungen“, derweil er (Ipinge) den Kampf gegen Covid-19 aufnehme und koordiniere.



Waffenstillstand

In einem vier Seiten langen Schreiben reagiert Mutjavikua nicht nur auf die Vorwürfe, sondern erhebt Vorwürfe seinerseits. Er ruft Ipinge zu einem „Waffenstillstand“ auf, sonst werde er die „verzerrten Behauptungen“ der Zentralregierung melden. „Wir müssen zusammenarbeiten und nicht von Kleinigkeiten aufhalten lassen“, so Mutjavikua. Ipinge reagierte schriftlich und warf Mutjavikua vor, sein öffentliches Amt mit einer „Diktatur“ zu verwechseln, die ihm erlaube „unsinnige Befehle zu bellen“.

„Der Bau wird nächste Woche fortgesetzt und die Sauerstoffanlage wird in wenigen Tagen erwartet“, sagte indessen Matthias Braune, Geschäftsführer der Erongo Medical Group. „Das Krankenhaus wird aber nicht nur für Walvis Bay gebaut, sondern ist für die gesamte Region gedacht“, ergänzte er. Die Erongo Medical Group, die das Welwitschia-Privatkrankenhaus betreibt, ist die treibende Kraft hinter dem Krankenhausbau – Braune bezog diesbezügliche Hilfe von vielen Privatfirmen. Das Hospital sollte ursprünglich binnen drei Wochen in Betrieb sein.

Mutjavikua hatte bei einer Pressekonferenz vor zwei Wochen angekündigt, dass „kein neues Krankenhaus in der Region gebaut“ werde; stattdessen sollten die bestehenden Einrichtungen in den Staatskrankenhäusern Swakopmunds und Walvis Bays, für Covid-19-Patienten ausgebaut werden. Genau in dieser Zeit war aber der Spatenstich für das neue Feldlazarett ausgeführt worden. Laut einer zuverlässigen Auskunft an die AZ, verfügt das Staatskrankenhaus in Walvis Bay bereits seit Jahren nicht mehr über Sauerstoff. Dort wurde allerdings der inzwischen marode Tuberkulose-Raum kurzerhand für die Behandlung von Covid-19-Patienten umfunktioniert – es fehlt aber an sämtlicher Ausrüstung.

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