31 Januar 2008 | Glosse

Hof(f)manns Erzählungen

Jong, jetzt is da Trabbel! Milde gesagt. Die Enn-Bie-Sßie kann nicht über ihren eigenen Streik berichten. "Die NBC dudelt Musicke auf allen Kanälen", kam die Nachricht am Dienstagmorgen sofort von Kollegen. Gestern Morgen ging der NBC auch da die Puste aus. Für die Dudelmusicke fehlten Titel. Schweigen ist Gold oder die große Chance für die Konkurrenz One Africa TV und für die übrigen Rosinensender. Es fehlt aber nicht an Vertrauen. Die Enn-Bie-Sßie worried auch mitten im Streik um ihr Image und spielt ihre Jingles. Hör gut zu! "National Radio - the power of sound." Und dann Stille. "Here, there and everywhere." Wie bitte, wo?." Wie bitte, wo? "Be on the move, be in the groove" - und dann bewegt sich f'kol. Denkt daran, wenn in irgendeinem Staat geputscht wird, besetzen die Putschisten zuerst den Radio- und Fernsehsender. Irgendwann wollten die Südafrikaner die Südwester auch mit ihrem Funk berieseln und haben uns daher vor über 40 Jahren die SAUK (Suidafrikaanse Uitsaaikorporasie) beschert. Es wurde die SWAUK daraus. Da kamen die ersten einheimischen Sprachprogramme. Für die Wellblechdeutschen hat die SAUK dann vier, fünfmal die Woche täglich viereinhalb Minuten lokale Nachrichten angeboten. In derselben Epoche hat die SAUK Sonntag morgens in Namibia regelmäßig ein etwa Zweieinhalb-Stunden-Programm mit indischer Musik und indischer Kultur ausgestrahlt. Hätte die SAUK ein Programm für Kirgisen gehabt, hätte sie das auch ausgestrahlt. Die SWAUK hat dann moi langsam begriffen, dass eine Funkanstalt die einheimische Bevölkerung mit Afrikaans bis Silozi zu bedienen hat. Der letzte Chef der SWAUK (Suidwes-Afrikaanse Uitsaaikorporasie) aus der WAM-Klasse (White Afrikaner Male) war Mynheer Piet Venter. Der war nochall leutselig und hat Wasserski am Von Bach-Damm gelaikt. Alle hohen SWAUK-Posten waren mit WAMs besetzt. Zu Beginn der neuen Ära mit der Namiba Broadcasting Corporation hat sich der NBC-Vorstand Sir Nahum Gorelick aus einer weißen Minderheit ans Ruder geholt. Nahum hatte 'ne roffe Zeit, denn nun wurden fast alle Posten neu besetzt, möglichst mit Comräds und Kommissweibern, die struggle credentials hatten. Jeder Oministeli wollte sich jetzt im Kassie sehen. Die Donors (nicht donders!) haben sich die Klinke in die Hand gegeben und gewetteifert, wie sie der Enn-Bie-Sßie helfen und was sie ihr alles geben könnten. Zu der Zeit hat die NBC, befreit vom Apartheidsimage, bei elektronischen Medienwettbewerben in Afrika wrachtach noch Auszeichnungen erhalten. Nahum war dann vinnach verbraucht. Es kam Omutengwa Daniel Tjongarero ans Ruder. Danny haben die Poliesmanne vor 1990 öfter eingesperrt. Er ist trotzdem oder gerade deshalb bei der SWAPO geblieben, obwohl ihn seine Genossen Heimkehrer, die sich heute noch an die obersten Posten klammern, eher mittelmäßig behandelt haben. Er hatte keinen Bammel vor mittelmäßigen, wichtig-tuenden Parteigenossen und war von allen NBC-Chefs politisch am besten ausgestattet, sich gegen dumme Einmischung zu wehren. Seine Nieren und nicht die Partei haben ihm den Garaus gemacht. Sein Nachfolger wurde Dokta Omushamane Ben Mulongeni, der sich im Exil vom Balkan Gelehrtheit geholt hat. Bei ihm war die NBC mittlerweile wüst verschuldet. Da hat die Partei den beredten Botschafter Omushamane Gerry Munyama geholt, der jetzt nationaler Zahlmeister für alle namibische Staatsrentner geworden ist, nachdem die NBC ihn wegen eines vermuteten kräftigen Griffs in die Funk-Kasse wieder hat gehen lassen.
Zur Zeit des Streiks ist nun der kommunikative Omutengwa Boppa Vezera Kandetu der NBC-Baas. Was gegen ihn zählt ist, dass er nicht vom Executive Tribe und auch kein ehemaliger Exilant ist. Politische Treue und berufliche Kompetenz helfen da wenig. - Boppa! Im NBC-Jingle tönen manchmal ganz dämliche Binsenwahrheiten, Ratschläge - "be in the move, be in the groove ..."

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