25 August 2021 | Kultur & Unterhaltung

Hitlers „Gottbegnadete" - Ausstellung zu Kunsteinfluss nach dem Krieg

Der vermeintliche Neuanfang nach 1945 ist auch in der Kultur an vielen Stellen kaum mehr als schöner Schein. Sehr intensiv sind häufig die Verflechtungen zwischen Nazi-Zeit und Nachkriegsdeutschland. Eine Ausstellung in Berlin zeigt, wie eng.

Berlin (dpa) - Zum Beispiel Willy Meller. Der Bildhauer trat 1937 in die NSDAP ein. Für die Nazis schuf der Künstler etwa das Relief eines Reichsadlers auf dem Gelände des Olympiastadions in Berlin. Auch für die junge Bundesrepublik war Meller aktiv. Wieder ein Vogel. Diesmal, 1952 gerade mal sieben Jahre nach Befreiung und Kriegsende, war es ein Bundesadler - für das Palais Schaumburg in Bonn, Regierungszentrale des Bundeskanzleramtes. Das Deutsche Historische Museum zeigt mit der Ausstellung „Die Liste der "Gottbegnadeten". Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik" solche Kontinuität auch im Bereich der bildenden Kunst. Die beeindruckende Präsentation im Pei-Bau des Museums ist von Freitag an bis zum 5. Dezember zu sehen.

Viele der Künstler haben keine großen Namen. Josef Wackerle - unter den Nazis schwer beschäftigter Monumentalplastiker - schmückte 1951 für Siemens ein Verwaltungsgebäude. Von Adolf Wamper stammen zwei Büsten in der „Führerloge" der Deutschen Oper in Berlin, von 1948 an leitete er die Werkgruppe Plastik der als progressiv geltenden Folkwangschule in Essen. Paul Mathias Padua porträtierte erst Mussolini, dann Franz Josef Strauß.

Alle diese Künstler waren Lieblinge der Nazis. Im Auftrag von Adolf Hitler stellte Propaganda-Chef Joseph Goebbels 1944 die Liste der „Gottbegnadeten" zusammen. Im Kern erfasst waren 378 Künstler, darunter 114 Bildhauer und Maler. Sie galten als „unabkömmlich" und blieben damit etwa von Einsätzen an den Kriegsfronten verschont.

Zu gendern gibt es da nichts. Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums, wies am Mittwoch zur Präsentation auf die rein männliche Besetzung des besonders geschützten Kreises hin. Die Ausstellung von Kurator Wolfgang Brauneis zeigt anhand von Originalwerken, Dokumentationen und biografischen Stationen vor allem, wie die Künstler nach 1945 die künstlerische Entwicklung der neuen Republik beeinflussten.

Selbst an Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus sind Arbeiten zu finden. Mit Hans Breker - auch sein bekannterer Bruder Arno ist ein Beispiel der Ausstellung - ist ein Bildhauer dabei, der im NS-Staat, in der DDR und der BRD wirkte - und eine Karl-Marx-Büste für Moskau schuf.

Nach den Worten von Gross geht es nicht etwa um Architekten, die vielleicht eine Autobahn nach dem Krieg gebaut hätten, „sondern es geht eben um Kunstwerke und damit um die Frage, inwieweit man mit dem Zeigen und Sehen solcher Kunstwerke etwas von dem Selbstverständnis übernimmt, das sie zum Ausdruck bringen."

Der NS-Staat habe die Künstler und ihre Arbeiten zum „Werkzeug der Indoktrinierung" gemacht, sagte Gross. Die Ausstellungsmacher wollen „keine Regel anbieten, wie man mit diesem Erbe umgeht". Wohl aber eine „Grundlage für das Nachdenken" liefern, sollte sich eine öffentliche Diskussion bieten.

Das macht das Deutsche Historische Museum bereits mit der noch bis zum 9. Januar laufenden Ausstellung „documenta. Politik und Kunst". Das als künstlerischer Neubeginn gedachte Kunstspektakel in Kassel wurde in den ersten Ausgaben entscheidend beeinflusst von Werner Haftmann, auch er mit intensiver NS-Vergangenheit belastet.

Den Einfluss und die aktuelle Präsenz von Arbeiten der einstmals „Gottbegnadeten" zeigt das Museum sehr plastisch am Ende der neuen Ausstellung. An einer Wand sind mehr als 300 ihrer Werke aufgelistet aus der Zeit vor oder nach Kriegsende, die noch immer im mehr oder weniger öffentlichen Raum in Deutschland und Österreich zu finden sind. Gegenüber werden Fotos der Arbeiten im Wechsel kurz eingeblendet. Die Menge bekommt hier eine zeitliche Dimension: „Da sitzen Sie eine halbe Stunde davor", sagte Gross.

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