13 September 2019 | Gesundheit

Herzabteilung macht Fortschritte

Komplexe Eingriffe am Herzen jetzt sicher und erschwinglich in Namibia möglich

Namibische Herzpatienten sind jetzt noch weniger von ausländischen Spezialisten und Krankenhäusern abhängig. Die Herzabteilung des Römisch-Katholischen Krankenhauses in Windhoek ist zu einer von nur sechs Spezialisten-Abteilungen in Afrika geworden, die minimale chirurgische Bypass-Eingriffe sowie Aorten- und Mitralklappen-Ersatz vornehmen können.

Von H. Lamprecht & F. Steffen

Windhoek

Die Herzabteilung des Römisch-Katholischen Krankenhauses in Windhoek hat bereits drei Eingriffe an Patienten ausgeführt, nachdem die Abteilung des renommierten Krankenhauses entsprechend für minimale chirurgische Bypässe sowie das Einsetzen von Aorten- und Mitralklappen zugerüstet und bemannt worden ist. Laut dem Herz und Thorax-Chirurgen, Dr. Henning du Toit, erfreut sich das lokale Fachexperten-Team der Unterstützung seitens der Abteilungen für Herzchirurgie des Groote-Schuur-Krankenhauses sowie der Universität von Kapstadt (UCT).

In einem kurzen Gespräch mit der AZ zeigte sich der Facharzt höchst erfreut über diese Entwicklung: „Dies ist wichtig für das ganze Land, denn hierdurch können Leben gerettet werden!“ Du Toit treibt die hiesige Entwicklung maßgeblich an und hatte vor knapp acht Jahren die örtliche Schließung eines Atrium-Septum-Defekts (ASD) vorgenommen – ASD ist ein Loch in der Herzscheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens. Minimale Herzbypässe werden indessen bereits seit einiger Zeit durchgeführt, aber mit der komplexeren Klappenersatz-Operation wurde erst in diesem Monat begonnen. Nach Angaben von du Toit ist die Erholungszeit für Patienten, die sich diesem Verfahren unterziehen, kürzer, wodurch die Kosten gesenkt werden.

„Mit diesem Verfahren erholt sich der Patient schneller auf der Intensivstation und kann innerhalb von zwei bis drei Tagen bereits aus dem Krankenhaus entlassen werden. Vorher verbrachte man zwei bis drei Tage auf der Intensivstation und sieben bis zehn weitere Tage zur Beobachtung und Genesung im Krankenhaus“, erklärte der Arzt. Das hochtechnische Verfahren sei billiger und die damit verbundenen Risiken geringer, so du Toit.

Künstliche Herzklappen

Damit ist aber nicht genug: Bereits im kommenden Jahr will die Abteilung damit beginnen künstliche Herzklappen einzusetzen (Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, TAVI). Dies ist ein weiterer Schritt zur sogenannten minimalinvasiven Herzchirurgie, welche chirurgische Eingriffe für Patienten und die daraus folgende medizinische Hilfe möglichst sicher und erschwinglich gestalten soll.

„Langsam aber sicher wenden wir uns ab von der allgemein als ‚offene Chirurgie' bekannten Technologie, um den Einsatz von Klappenersatz durch minimale Schnitte in der Leistengegend oder durch kleinere Brustwandschnitte vorzunehmen. Das TAVI-Verfahren wird am Morgen durchgeführt und der Patient kann am nächsten Tag nach Hause gehen - der Patient verbringt also nur einen Tag im Krankenhaus”, erklärte du Toit. Der Eingriff dauere etwa eine Stunde und jeder Patient werde einzeln beurteilt, um sicher zu stellen, ob- und dass die neuere Art der Operation für den betroffenen Patienten geeignet ist.

Die Herzstation des Römisch-Katholischen Krankenhauses wurde 2009 offiziell eröffnet und seitdem hat das Team von Spezialisten nahezu 8000 Angiogramme und mehr als 1000 Operationen am offenen Herzen durchgeführt. Das Team besteht aus Chirurgen, Intensivmedizinern, Kardiologen, Physiotherapeuten und Medizintechnikern. Die Abteilung wird unter anderem von kompetentem und erfahrenem Pflegepersonal aus der Intensivstation und den Operationssälen unterstützt, wodurch die peri-operative Behandlung sehr sicher sein soll. Die Mehrheit der Mitarbeiter ist seit 2009 in der Herzabteilung beschäftigt. Laut du Toit darf sich die Abteilung weltweit mit den besten Abteilungen dieser Art messen, was die Sterblichkeits- und Komplikationsrate anbetrifft.

Dieselben Ärzte, die auch in der Herzabteilung des Windhoeker Zentralkrankenhauses tätig sind, arbeiten in der Abteilung des Römisch-Katholischen Krankenhauses und wird die Abteilung laut du Toit gut von der Krankenhausleitung sowie dem Gesundheitsministerium unterstützt.

Die Herzchirurgie ist ein selbständiges Fachgebiet, das sich mit dem Spezialgebiet Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie aus der Chirurgie entwickelt hat. Sie befasst sich mit der operativen Behandlung von angeborenen und erworbenen Krankheiten und Verletzungen des Herzens und der herznahen Gefäße. Es ist damit ein der Kardiologie und Gefäßchi­rurgie nahestehendes Fach, in dem Transplantationen natürlich eine große Rolle spielen, doch befassen sich die häufigsten Operationen mit Koronararterien-Bypässen und Eingriffen an den Herzklappen.

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