26 April 2018 | Meinung

Hat´s geregnet, musste Passjona fahren

Nach zermürbend heißen Sommermonaten, die den Namen „Regenzeit“ in der Landesmitte und im Süden nur so am Rande gestreift ham, isser toch noch gekommen, der ersehnte Niederschlag, der binnen Tagen das vor sich hin kümmernde Gras zur Blüte getrieben hat. Nach dursttreibender Hitze, die mit Bier kaum zu löschen war, bricht die Saison der Kapweine an.

Und jetzt musste hinausfahrn in die Landschaften, die so manch Künstler schon gemalt, manch Paparazzi einfangen wollte, was aber gar nich so einfach is, weil die Kameralinse selbst im Weitwinkel das Panorama nich einfangen kann. Aber Vorsicht is geboten, beim Fahren vernachlässigter Pads.

Die Gleichung is wie folgt. Nach wahnsinnigen Schütteltouren auf den Schotterpads, die früher regelmäßig, heute aber selten geskrappt werden, kommste toch ans erwünschte Ziel, zur Lodge, die mit anderen um die Gunst der Gruppenreisen sowie der Selbstfahrer wirbt. War das Selbstfahren auf der öffentlichen Schotter- und Sandpad früher schon Teil der Erholung, isses heut ´n Schüttel- und Rattertrip, der Dir jeden Gallenstein zertrümmert, solltest Du von diesen Dingern geplagt werden. Und auf unseren Pads 2018 musste gesunde Nieren ham, denn die brauchste nachher in der Lodge für erlesene Getränke.

Omushamane Oministeli John Mutorwa, der seit vor kurzem das Ressort Öffentliche Arbeiten und Transport leitet, macht uns wenig Hoffnung, dasses mit den Pads in naher Zukunft wieder besser werden könnte. Im Tintenpalast hat er sich gerade vorm Parlament bei der Motivierung für seinen Haushaltsposten bitter beklagt, dasses vorn und hinten nich reiche.

Wenn Du über die Pads des Khomas-Hochland ratterst, über die Pisten zwischen Sesriem und Walvis Bay holperst, wo das Wellblech nich nur die deutsche Sprache (Wellblech-Deutsch!) verhunzt sondern derart ausgefahren is, dass die Geschwindigkeit 60 und das Tempo 80 beide nich hinhauen wollen. Dein Steiß, Karosserie und Reifen kriegen bleddy-well wüst schwer, von den Nerven des Fahrers und die Mitratternden ganz zu schweigen. Und is das Fahrtgespräch noch so anspruchsvoll, die ausgefahrenen Pisten, die aufgef´kkten Pads machen jeden anspruchsvollen Diskurs unmöglich, weil es keine Federung und keinen Schalldämpfer gibt, die das Geschüttel abfangen könnten.

Fast könnte dabei der Blick auf die spät grünenden Weiten 2018 verloren gehen. Jesslaik, Comräd Oministeli Mutorwa, Du musst wrachtach ´nen Plan machen, dass die Pads wenigstens wieder das Niveau des ersten Jahrzehnts nach der Unabhängigkeit erreichen. Wir wollen ja nich mal ´nen Vergleich mit der Zeit vor 1990 ziehen, als Namibias Autostraßen der ersten, zweiten und dritten Ordnung als vorbildlich unter den Staaten dieses Kontinents hervorgehoben wurden. Dieses Lob erhielt unser souveräner Staat noch viele Jahre nach 1990. Aber das is erstmal vorbei. Gäb´s die – in der Regel – hervorragenden Lodges und Gästefarmen nich, die Dich mit Schmaus und Trunk und Ambiente verwöhnen, wär der Tourismus schon huka kaputt.

Die Jäger ham immer wieder gesagt, „der Weg ist das Ziel“, denn bei der Ankunft sei das Schönste schon vorbei. Dagen musses heut´ heißen: „Nach schrecklicher Pad is die Belohnung groß.“ Wir lassen uns das Land toch nich durch Schlamperei in der Instandhaltung der Pads vermiesen!

Und nach dem guten Regen zieht´s so manchen Oukie und manche Tunte hinaus in die besungenen Weiten, wo sich am Horizont die Naukluft schon ´mal – unerhört selten – in Nebelschwaden und -fetzen hüllt, wo´s laufende Gaub-Rivier zum Barfußgang einlädt, wo der Kuiseb braun gewellt nach Westen drängt, vorbei an den Spelunken von Henno Martin und Hermman Korn, und wo ein wüst bissiger Leopard lauert, der anscheinend ´was gegen Touristen aus Übersee hat.

Und vor Übermut nach dem Regen spucken die Leut´ von der Düne noch Bokkie-Knödel ins Abendlicht.

Die sehen wieder Kans für den Alltag.

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