15 Juli 2021 | Afrika

„Hamsterkäufe vermeiden“

Unruhen in Südafrika: Vorräteknappheit in Namibia befürchtet

Die gewaltigen Ausschreitungen in Südafrika hinterlassen auch in Namibia tiefe Spuren - die Folgen werden langfristig sein. Während eine Knappheit an Lebensmitteln und sonstigen Verbrauchswaren befürchtet wird, sind Namibier aufgerufen, Hamsterkäufe zu unterlassen.

Von Erwin Leuschner, Windhoek/Swakopmund/Johannesburg

Nahezu alle Verbrauchsartikel und Lebensmittel in jedem namibischen Supermarkt stammen aus Südafrika - seit wenigen Tagen rollt aber kein Lastkraftwagen mit neuen Lieferungen über die Grenze. Die Lieferkette ist zum Erliegen gekommen. „Die langfristigen Folgen sind durchaus schlimmer, als viele begreifen“, sagte gestern ein Manager eines Großhandelswarenladens in Namibia.

Seit mehreren Tagen werden während der gewaltigen Ausschreitungen rund um Johannesburg und der östlichen Provinz KwaZulu-Natal Einkaufzentren, Supermärkte und Lagerhallen geplündert. Einige Fabriken wurden angezündet, was eine Knappheit gewisser Vorräte ausgelöst hat. Experten rechnen damit, dass in Südafrika eine Knappheit an Lebensmitteln, Sprit und Medikamenten eintritt - und Namibia wird davon nicht verschont.

„Farmer (und alle anderen) sind auf eine funktionierende Straßeninfrastruktur angewiesen und wir könnten mit einer Knappheit an gewissen Vorräten (z. B. Lebensmitteln, Saatgut, Futter, Medikamenten, Maschinen, Ausrüstung usw.) rechnen“, teilte der Namibische Landwirtschaftsverband (NAU), gestern auf AZ-Nachfrage mit. Das genaue Ausmaß ist aber noch unklar. „Plünderungen haben einen Dominoeffekt und wirken sich auf die Wirtschaft, die Gesundheit und das Wohlergehen der Südafrikaner und der umliegenden Regionen aus. Sie haben das Potenzial, die Armut und Arbeitslosigkeit zu erhöhen“, so NAU.

Zurzeit wird rund 70 Prozent aller Importware aus Südafrika mittels Fernstraßen nach Namibia gebracht. Die AZ hat mit mehreren Transportunternehmen gesprochen, die allesamt ihre Lastkraftwagen aus Sicherheitsgründen geparkt haben. „Viele Firmen wollen erst in der kommenden Woche wieder den Transport aufnehmen, wenn sich die Lage entspannt hat“, sagte ein Lieferant gestern der AZ, der daher mit einem gewaltigen Rückstand an Importware rechnet.

Laut einem Unternehmer im Einzelhandel haben viele Fabriken und Hersteller von Produkten in Südafrika die Produktion vorläufig aus Sicherheitsgründen eingestellt. Er rechnet ebenfalls mit einer Lebensmittelknappheit und nennt akut Zucker. Er ruft Namibier dennoch auf, Hamsterkäufe zu unterlassen. Der Inhaber einer anderen Supermarktkette fügte hinzu: „Wir müssen eine Panikmache unter allen Umständen vermeiden, derweil wir versuchen, die Situation zu bewältigen.“

Mit einer Spritknappheit wird aber nicht gerechnet. Laut Andreas Simon, Pressesprecher im hiesigen Energieministerium importiert Namibia den Großteil seines Treibstoffs aus anderen Ländern und nicht nur aus Südafrika. „Außerdem reicht unser Spritlager aus, um das Land mehrere Monate lang zu versorgen“, sagte er.

Auch die Tourismusbranche macht sich Sorgen über die Situation in Südafrika. „Unruhen sind immer ein Grund zur Sorge“, sagte Gitta Paetzold vom Gastgewerbeverband (HAN). Romeo Muyunda, Pressesprecher im Umweltministerium fügte hinzu: „Die gewaltsamen Proteste sind bedauerlich, denn Südafrika ist einer der wichtigsten Tourismusmärkte“.

Die Ausschreitungen, besonders in der Provinz KwaZulu-Natal und in Südafrikas größter Hafenstadt Durban, könnten wiederum einen positiven Einfluss auf Namibia haben - besonders für die Hafenbehörde NamPort. Schiffe könnten es künftig bevorzugen, Namibia anstatt Südafrika anzusteuern. „Ob der Walvis Bayer Hafen mehr Schiffe empfängt, werden wir ab Freitag wissen“, sagte NamPort-Sprecherin Tana Pesat gestern. Im gleichen Atemzug kündigte gestern die Reederei Maersk an, alle ihre Depots, Lager und Kühlhäuser in Durban und Johannesburg insgesamt verschlossen zu halten.

Gleiche Nachricht

 

Algerien trauert um Bouteflika

1 woche her - 21 September 2021 | Afrika

Algier Deutsche Presse-Agentur - dpaAlgerien trauert um seinen früheren Staatschef Abdelaziz Bouteflika nach dessen Tod im Alter von 84 Jahren. Der langjährige Präsident starb am...

Bienenschwarm tötet 64 gefährdete Brillenpinguine in Südafrika

1 woche her - 21 September 2021 | Afrika

Kapstadt (dpa) – In der südafrikanischen Touristenmetropole Kapstadt sind 64 Pinguinen wohl von einem Bienenschwarm getötet worden. Das sagte eine Sprecherin der Südafrikanischen Naturschutzbehörde...

Forum zu Nahrungsmittelsystemen in Afrika

1 woche her - 15 September 2021 | Afrika

Von Katharina Moser, WindhoekIn der vergangenen Woche hat das „Afrikanische Forum zur grünen Revolution“ (African Green Revolution Forum, AGRF) stattgefunden, das unter anderem von der...

Mugabe wird exhumiert und neu begraben

vor 2 wochen - 14 September 2021 | Afrika

Windhoek (km) - Ein simbabwisches Gericht hat am Freitag die Entscheidung der niedrigeren Instanz aufrechterhalten, dass der Leichnam des eheamaligen Präsidenten Robert Mugabe exhumiert und...

Namibia verurteilt Putschversuch in Guinea

vor 2 wochen - 09 September 2021 | Afrika

Windhoek (Nampa/km) - Namibia hat den Putschversuch verurteilt, der am Sonntag auf Guinea ausgeübt wurde. Spezialkräfte hatten Präsident Conde verhaftet, die Landesverfassung und die Regierung...

Ein Afghanistan in Afrika?

vor 3 wochen - 07 September 2021 | Afrika

Von Carsten Hoffmann und Ralf E. KrügerBerlin/Johannesburg (dpa) Das Scheitern des Militäreinsatzes in Afghanistan hat in Berlin eine Diskussion über das Engagement der Bundeswehr in...

Die Fluten von Dakar

vor 1 monat - 24 August 2021 | Afrika

Von Katharina Moser, WindhoekSenegal ist von einem Sturm heimgesucht worden, der an einem einzigen Tag so viel Regen gebracht hat, wie sonst in einem ganzen...

Zum 59 Mal: Africa's Women’s Day

vor 1 monat - 02 August 2021 | Afrika

Windhoek (nve) Jährlich wird weltweit am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert, rund um diesen Termin wird mangelnde Gleichstellung in diversen Kontexten thematisiert und darauf...

Nashorn-Wilderei in Südafrika legt wieder zu - 125 Festnahmen

vor 1 monat - 01 August 2021 | Afrika

Johannesburg (dpa) - In Südafrika nimmt die Nashorn-Wilderei wieder zu. Von Januar bis Ende Juni wurden laut Umweltministerin Barbara Creecy insgesamt 249 Rhinozerosse gewildert. „Obwohl...

Namibia lehnt AU-Entscheidung ab

vor 1 monat - 30 Juli 2021 | Afrika

Windhoek (NMH/km) - Namibia hat die Entscheidung der Afrikanischen Union (AU) abgelehnt, Israel Beobachterstatus in der Vereinigung zuzugestehen. Das teilte die Ministerin für internationale Zusammenarbeit,...