19 August 2011 | Wirtschaft

Großinvestition mit Zukunft: Geflügel aus namibischer Aufzucht

Das gesamte Areal wurde in zwei Bereiche eingeteilt. Die Zuchtfarm besteht aus sechs Zuchthäusern mit einer Größe von jeweils ca. 1300 Quadratmetern, zwölf Legebatterien (jeweils 1530 m"), die sich noch im Bau befinden, und einem 3000-m"-Bruthaus mit einer maximalen Brutkapazität von wöchentlich 500000 Hühnern. Auf dem zweiten Teil der Farm befindet sich die Geflügelmast. Diese besteht aus 35 Mastställen, die mit einer Größe von jeweils 2250 Quadratmeter für 50000 Hühner Platz bieten und auf sieben Standorte verteilt sind. Neben den Ställen befindet sich hier auch das Schlachthaus nach internationalem Standard mit einer Tierkörperverwertungs- und Wasseraufbereitungsanlage. Außerdem werden auf der gesamten Farm auch mehrere Angestelltenwohnungen, Büros, Kantinen etc. sowie ein Futterproduktionszweig der Schwesterfirma Futtermeister errichtet.

Finanziert wird das Projekt zu 65 Prozent aus namibischen Geldern: ein Kredit in Höhe von 186,5 Millionen Namibia-Dollar der Bank Windhoek, eine 150-Millionen-N$-Investition der Muttergruppe Namib Mills Investments sowie eine Investition der Industriellen Entwicklungsgesellschaft des südlichen Afrikas (IDC) im Wert von 150 Millionen.

"Wir halten uns auf der gesamten Farm an den europäischen Standard", erklärte Hühnerfarm-Geschäftsführer Gys White. Derzeit werden auf der Baustelle des Geflügelprojektes ca. 350 Angestellte beschäftigt. Nach Fertigstellung soll die Farm allerdings 450 permanente Arbeiter beschäftigen, wodurch laut Statistik rund 1800 Namibier profitieren werden. "Sobald wir mit der Produktion beginnen, werden die Arbeiter jeden Tag mit einem Bus zur Arbeit und zurück in die Stadt transportiert. Außerdem erhalten alle jeden Tag frische Wäsche", so White. Dies sei vor allem auf die strengen Hygienevorschriften zurückzuführen. Alle Angestellten müssten mehrmals am Tag duschen und verschiedene Overalls tragen, um die Hygienevorschriften einzuhalten. "Die Zuchtanlage steht immer unter Quarantäne", erklärte White im AZ-Gespräch.

Mit diesen Bestimmungen wolle man auch die Gefahr der Vogelgrippe eindämmen. "Namibia ist aber, was diese Krankheit angeht, eines der sichersten Länder weltweit und die Grippe-Gefahr ist hierzulande minimal", versicherte Namib-Mills-Chef Koos Ferreira. Außerdem seien die einzelnen Standorte der Geflügelproduktion immer einen bis 1,5 Kilometer voneinander entfernt, um im Falle eines Grippeausbruches die verschieden Gebäude vom Betrieb zu isolieren. Ferner werde auch eine Anlage errichtet, bei der alle Fahrzeuge, die auf das Gelände fahren oder es verlassen, mit Desinfektionsmittel besprüht werden. "Ebenso herrschen in all unseren Legehäusern, Mastställen und Zuchthäusern kontrollierte Bedingungen. Wir regulieren die Temperatur, die Feuchtigkeit und den Sauerstoffgehalt. So erhalten wir die Quarantäne und optimieren die Produktion", erklärte White.

Das Schlachthaus, zurzeit nur ein Stahlgerüst mit zementiertem Fundament, soll ebenso Weltklasse-Standard entsprechen. Wöchentlich sollen hier 250000 Hühner geschlachtet werden, was dem gesamten namibischen Bedarf entspreche. Der Gefrierraum besitze eine Kapazität von 10000 Tonnen Hühnerfleisch. Außerdem schließe die Schlachtabteilung eine Tierkörperverwertungs- und Wasseraufbereitungsanlage ein. "Wir verwenden knapp 50 Prozent unseres Wassers wieder. Jeglicher Ausschuss wie Federn, Blut und Fleischreste wird zu Hundefutter eingekocht", erläuterte der Namib-Poultry-Chef.

Namib Poultry Industries ist neben Namib Mills und dem Futterproduzenten Futtermeister (Voermeester) die neueste Tochterfirma der Gruppe Namib Mills Investments (NMI). Eigentlich sollte bereits im Jahr 2005 mit der Geflügelfarm begonnen werden. "Doch wir hatten Probleme mit der Finanzierung und den Partnern", erklärte der Geschäftsführer von Namib Mills, Koos Ferreira. Außerdem habe sich der globale Ausbruch der Vogelgrippe negativ ausgewirkt. So wurde das Projekt erst im Jahr 2009 erneut in Angriff genommen. Mit dem Bau wurde auf der Farm Klein-Okapuka begonnen, aus Platzgründen kaufte die Gruppe ein weiteres Grundstück, ein Teil der angrenzenden Farm Teufelsbach.

Auf der Farm entsteht auch ein neuer Zweig des namibischen Unternehmens Futtermeister mit einem Aufwand von 65 Millionen Namibia-Dollar, um auch der Geflügelfarm mehr Wert zu verleihen. "Wir spezialisierten uns bisher auf die Futterproduktion für Wiederkäuer", erklärte der Futtermeister-Geschäftsführer André Snyman. Derzeit wird eine neue Futtermühle nördlich auf der Farm errichtet, die pro Monat 10000 Tonnen Nahrung produzieren und so den gesamten Futterbedarf der Hühnerzucht (11000 Tonnen/Jahr), -Mast (36000 Tonnen/Jahr) und Schweineindustrie (9000 Tonnen/Jahr) decken soll. So wird ein profitabler Kreislauf geschlossen: Der Ausschuss von Namib Mills wird bei Futtermeister zu Hühnernahrung für Namib Poultry verarbeitet.

Außerdem werde diese Entwicklung zusammen mit anderen Dienstleistern 600 neue Arbeitsplätze schaffen. "Es werden auch viele kleinere Unternehmen folgen, denn frisches Hühnerfleisch, das lokal produziert wird, hat unglaubliches Potenzial", stellt Margareth Gustavo, Marketing-Managerin von Namib Mills, in Aussicht.

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