15 Oktober 2020 | Meinung & Kommentare

Gewalt ist nicht die Antwort

Gewalt mit Gewalt bekämpfen. Das bleibt bisher die einzige Antwort der namibischen Regierung auf die aus dem Ruder geratene Gewaltspirale. Der gemeinsame Einsatz der Polizei und des Militärs wird weiterhin befürwortet.

Ob es der Oberbefehlshaber der Armee oder gar der Verteidigungsminister wahrhaben wollen oder nicht, so unterscheidet sich schon die Grundausbildung eines Soldaten von der des Polizisten. Es geht hier nicht um Disziplin, sondern um den antrainierten Arbeitsablauf. Als Wachtmeister oder Ordnungshüter besitzen Polizisten eine Mindestkenntnis und ein Verständnis für die Gesetzgebung des Landes. Als Friedenshüter werden sie dahingehend ausgebildet, möglichst ohne Gewaltanwendung Ordnung zu bewahren.

Ein Soldat geht dagegen in dem Moment mit rücksichtsloser Gewalt vor, wo die Konfrontation physisch ausartet und er sich oder sein Land verteidigen muss - dabei wird davon ausgegangen, dass sein Gegner ebenfalls Soldat oder im schlimmeren Fall ein Söldner ist.

Diese Gewaltanwendung wurde in Namibia zur Genüge beobachtet. Zivilisten wurden geschlagen und gezwungen unsinnige Leibesübungen zum Vergnügen der Sicherheitskräfte zu verrichten. Je länger dies andauerte, je mehr erfreuten sich die Polizisten an den scheinbar „erfreulichen Resultaten“. Sie übernahmen diese Art der Ordnungshütung und die Verrohung färbt erwartungsgemäß auf die Öffentlichkeit ab.

Indem sich die Premierministerin nun weiterhin auf den gemeinsamen Einsatz von Polizei und Militär bei der Bekämpfung von Delikten sowie Kriminalität (inklusive der geschlechtsspezifischen Gewalt) beruft, setzt sie den bereits eingeschlagenen Weg fort, ohne zu erkennen, dass diese Einsätze mit größter Wahrscheinlichkeit sogar zu der landesweit zunehmenden Gewaltanwendung beigetragen haben.

Sie sollte alles dran setzen eine bessere Lösung zu finden, angefangen bei der dauerhaften Erziehung und einer Sensibilisierungskampagne, die den Respekt gegenüber Schwestern und Müttern sowie Freundinnen und Frauen in den Vordergrund rückt.

Frank Steffen

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