27 Juli 2021 | Politik

Gewalt gegen Kinder

Namibia im Vergleich - Handlungsbedarf trotz Erfolg

In einer Studie zum Thema Handlungskompetenzen afrikanischer Regierungen zur Beendigung von Gewalt gegen Kinder schneidet Namibia in vielen Bereichen recht gut ab. Dennoch gibt es weiteren Handlungsbedarf, besonders was die soziale Wohlfahrt für Kinder angeht.

Von Steffi Balzar, Windhoek

Die Afrikanische Partnerschaft zur Beendigung von Gewalt gegen Kinder (African Partnership to End Violence against Children, APEVAC) - einer Initiative des Forums für Kinderrichtlinien in Afrika (African Child Policy Forum, ACPF) - veröffentlichte kürzlich eine Studie zum Thema „National capacity to address violence against children.“ Demnach leiden afrikanische Kinder weiterhin unter weit verbreiteter physischer, psychischer und sexueller Gewalt. Das Hauptziel der Datenerhebung war es laut APEVAC, die Fähigkeit von zehn afrikanischen Regierungen zu untersuchen, umfassende Maßnahmen zur Beendigung von Gewalt gegen Kinder zu planen und umzusetzen, sowie die Effektivität der Koordination mit den relevanten Interessengruppen zu bewerten.

Bei der Auswahl der Länder, unter denen sich auch Namibia befand, sei die regionale Repräsentation und die Rangfolge des ACPF-Index für Kinderfreundlichkeit (CFI) 2018 berücksichtigt worden. Namibia wurde in dessen Rahmen auf Platz neun von 52 eingestuft. „Das politische Umfeld in den zehn Untersuchungsländern war sehr unterschiedlich“, hieß es ferner. Ägypten, Malawi, Mauritius, Namibia und Uganda wurden im Gegensatz zu Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Nigeria und Sudan im Allgemeinen als friedliche Länder eingestuft, mit minimalem Risiko bewaffneter Konflikte innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen, die Kinder der Entführung und Zwangsrekrutierung in bewaffnete Gruppen sowie physischer und sexueller Gewalt aussetzen würden.

Von den zehn bewerteten Ländern haben laut Studie nur Namibia, sowie Burkina Faso, Ägypten und Uganda eine Strategie oder bestimmte Richtlinien zum Schutz von Kindern und/oder zur Beendigung der Gewalt gegen Kinder. In Namibias Fall handelt es sich dabei um die National Agenda for children (2018-2022). In sieben der zehn Ländern gäbe es zudem ein Gesetz zum Schutz von Kindern vor verschiedenen Formen von Missbrauch, Gewalt, Misshandlung und Ausbeutung (in Namibia den Child Care and Protection Act von 2015). In Namibia, Malawi und Uganda ist es laut Erhebung zudem gesetzlich geregelt, dass Fachkräfte, einschließlich Gesundheitspersonal, Lehrer, Sozialarbeiter und Strafverfolgungsbeamte, dazu verpflichtet sind, angebliche oder bestätigte Fälle des Kindesmissbrauchs den Behörden zu melden.

„In dem Bereich der Kinderarbeit waren für Namibia und Mauritius keine Daten verfügbar“, so der Bericht ferner, allerdings würden auch nur sechs der zehn Untersuchungsländer die Konventionen der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) einhalten, die das Mindestalter für die Beschäftigung von Kindern auf 15 Jahre festlegen. „In einigen der anderen Länder, wie beispielsweise Namibia, liegt das Mindestbeschäftigungsalter mit 14 Jahren unter dem internationalen Standard.“ Positiv zu vermerken sei jedoch, dass alle zehn Länder das Mindestalter für die Aufnahme einer gefährlichen Arbeit auf 18 Jahre festgelegt hätten. In Namibia und Nigeria seien Kinder zudem bereits mit sieben Jahren strafmündig, der Hälfte des international empfohlenen Alters.

Die soziale Wohlfahrt hat für die namibische Regierung laut Bericht jedoch keine hohe Priorität. „Das Ministerium für Geschlechtergleichstellung erhielt im Finanzjahr 2017/18 circa 2,1 Prozent des gesamten Staatshaushalts und nur 1,6 Prozent des Etats des Ministeriums flossen in Kinderzuschüsse.“ Ferner gebe es bei einem ungefähren Verhältnis von einem Sozialarbeiter pro 11 000 Namibiern eine unzureichende Personalabdeckung.

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