14 September 2020 | Geschichte

Geschichte wird demontiert

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Windhoek
Seit Monaten arbeiten eine Handvoll Personen regelmäßig am Strand in der Swakop-Riviermündung. Mit Schaufel, Hammer und Brechstange demontieren sie die Überbleibsel einer Eisenbahnlinie, die bei Tiefwasser unter Sand und Klippen zum Vorschein kommt. „Das geht schon eine ganze Weile so“, bestätigte der Swakopmunder, Quinton Liebenberg, der AZ.

Auf die Aktivitäten der Arbeiter ist er vor kurzem rein zufällig aufmerksam geworden. Er habe die Arbeiter darauf angesprochen. Die Arbeiter seien demnach von einer Person aus Walvis Bay beauftragt worden, die alten Eisenstücke freizuschaufeln. Besonders die Gleise würden regelmäßig abgeholt. „Für welchen Zweck weiß ich nicht, aber das Metall wird bestimmt weiterverkauft“, sagte Liebenberg. Auf sozialen Netzwerken hat er sich über die Legalität dieser Aktion erkundigt - unter den Einwohnern gehen die Meinungen deutlich auseinander: „Viele erklärten, dass man die Arbeiter in Ruhe lassen soll, da sie dadurch ein Einkommen verdienen und überleben. Das ist auch in Ordnung, aber da steckt doch mehr dahinter, wenn sie angestellt werden“, meinte Liebenberg. Er ist empört, da während der Aktion auch der Natur geschadet wird. „Es werden Klippen auseinander gebrochen, um an die alten Stücke zu gelangen“, sagte er weiter.

„Ich finde dies richtig schade“, sagte unterdessen der Historiker Dr. Andreas Vogt der AZ. Die während des Ersten Weltkrieges einfallenden Unions-Truppen seien wahrscheinlich für den Bau dieser Strecke verantwortlich gewesen - somit würde es sich dann um die Strecke handeln, die 1915 am Strand entlang über die Mündung des Riviers verlegt worden sei. Dass die Gleise die Überreste der Eisenbahnlinie von 1928 seien, deren Brückensäulen heute noch am Strand und im Meer sichtbar sind, scheine dagegen unwahrscheinlich. Die Schwellen der letztgenannten Linie seien aus Beton gewesen, erklärte Vogt, derweil für die Strecke am Strand entlang Holzschwellen benutzt worden seien. Die Eisenbahnlinien seien damals wiederholt von den abkommenden Fluten des Swakop-Riviers weggespült worden, weshalb die Strecke später hinter den Dünengürtel verlegt worden war.

„Diese Gegenstände stellen einen Teil des archäologischen Erbes dar und aufgrund ihres Alters müssen sie gemäß des Gesetzes geschützt werden - unabhängig davon, ob sie bekannt, nicht bekannt, dokumentiert oder nicht dokumentiert sind“, erklärte der Nationale Denkmalrat (NHC) auf Nachfrage der AZ. Dieser Schutz soll verhindern, dass derartige Funde zerstört oder beschädigt würden. Die Öffentlichkeit sei daher aufgefordert, Funde dieser Art der nächstgelegenen Polizei und dem Denkmalrat zu melden.

Obwohl die Gleise bzw. Holzschwellen bereits vor einigen Jahren unter Sand zum Vorschein kamen, war sich der Denkmalrat dessen bisher nicht bewusst. „Der Denkmalrat hat nun das erste Mal darüber gehört und wir werden die Polizei über den Vorfall informieren, damit die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden. Jedes Mitglied der Polizei ist ein Inspektor für Kulturerbe“, hieß es. Der Denkmalrat wolle nun eine Untersuchung einleiten und die archäologische Bedeutung dieses Fundes feststellen.

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