23 Juni 2021 | Gesundheit

Gerangel um Sauerstoff

Medikament Ivermectin darf nun unter strengen Auflagen verschrieben werden

Landesweit suchen verzweifelte COVID-19-Erkrankte Sauerstoff - und einen Platz im Krankenhaus. Indes dürfen Mediziner nun das kontroverse Medikament Ivermectin unter strengen Auflagen verschreiben. Namibia erwartet bald weitere Impfstoff-Dosen - es wird eine größere Auswahl geben.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Windhoek

„Wenn Krankenhauspersonal private Ambulanzdienste anruft und Ausrüstung für COVID-19-Patienten fordert, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist.“ Das sagte gestern ein Sanitäter an der zentralen Küste im Gespräch mit der AZ und schilderte den Ernst der Lage. Ein anderer Sanitäter stimmte dem hinzu: „Die Situation ist ziemlich schlimm.“

Beide Sanitäter bevorzugen es, anonym zu bleiben, aber sie sind sich einig: Ambulanzdienste stehen unter gewaltigem Druck. „Wir haben schon mehrfach Patienten zum Krankenhaus gebracht und mussten umkehren, weil es keinen Platz mehr gab“, sagte der Sanitäter. Lediglich schwererkrankte Personen würden noch im Hospital aufgenommen. Angesichts einer „gewaltigen Sauerstoffknappheit“ würden Ambulanzdienste nun versuchen, besonders sparsam mit dem zur Verfügung stehenden Sauerstoff umzugehen, denn „wir wissen nicht, wann wir wieder Sauerstoff bekommen“.

Laut beiden Sanitätern werden sie ständig von „reichen oder hochangesehenen Personen“ angerufen, die verzweifelt Sauerstoff suchen. „Oftmals sagen sie, dass sie viel Geld und daher auf Sauerstoff Anspruch haben, aber sie verstehen nicht, dass Geld keine Rolle spielt. Wir behandeln diejenigen, die Sauerstoff am dringendsten benötigen“, so der Mediziner. „Auch unsere Familienmitglieder sind an dem Coronavirus erkrankt, doch nicht einmal wir schaffen es, für sie einen Platz im Krankenhaus zu sichern.“

Der Swakopmunder Sanitäter Aubrey Oosthuizen ruft indessen COVID-19-Erkrankte auf, die Ruhe zu bewahren und regelmäßig Atmungsübungen durchzuführen. „Weil Einwohner hören, dass Krankenhäuser überfüllt sind, geraten sie in Panik und verschlimmern dadurch die Situation“, sagte er. „Wenn eine Person Schwierigkeiten beim Atmen hat, dann muss sie ein Hospital oder einen Ambulanzdienst anrufen und auf eine Behandlung beharren. Keiner Person darf die Behandlung verweigert werden, wenn es ein Notfall ist“, sagte er.

Sämtliche Sanitäter, mit denen die AZ gesprochen hat, wiederholen zudem, dass es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, dass das Medikament Ivermectin in der Tat effektiv bei der Behandlung von COVID-19 ist. Die Arzneimittelregulierungsbehörde (NMRC) hat am Montag jedoch die Erlaubnis erteilt, dass Ärzte das Medikament nun verschreiben dürften, allerdings müssten sie „persönliche Verantwortung“ für jegliche Konsequenzen tragen. Angesichts mangelnder Information rät die Behörde aber weiterhin davon ab, Ivermectin bei der Behandlung des Coronavirus einzusetzen.

Indessen erwartet Namibia schon bald weiteren Impfstoff. Wie die Schwesterzeitung Republikein berichtet, sollen Ende Juli 40 800 weitere Dosen des ­AstraZeneca-Impfstoffs (von der COVAX-Einrichtung) und zusätzlich 150 000 Dosen des Sinopharm-Impfstoffs eintreffen. Ferner kann schon binnen zwei Wochen eine erste Sendung des aus Russland stammenden Sputnik-Impfstoffs eintreffen - die Quantität ist unbekannt. Im August soll Namibia dann 250 000 Dosen des Johnson&Johnson-Impfstoffs erhalten.

Inzwischen ist die Anzahl der Personen, die wegen COVID-19 auf der Intensivstation liegen, auf ein Rekordhoch von 90 gestiegen. Insgesamt 516 Personen werden im Krankenhaus behandelt. Laut dem jüngsten COVID-19-Update gibt es aktuell 14 092 aktive Virusfälle, die Anzahl Todesopfer liegt bei 1 179. Bis dato haben mehr als 104 000 Namibier die erste Impfung erhalten, knapp 20 000 die zweite.

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