29 Mai 2019 | Glosse

Genderei und Korinthenkackerei bei Sprachpanschern

Pardon, verehrte Leser, wir konfrontieren Sie heut mit biekie Grammatik, Sprachstil und aktuelle Sprachpanscherei, die aus Otjindoitjielanda zu uns herüberwehen bis an den Swakop und ans Klein-Windhoek-Rivier. Solch Sprachmorscherei wird -dogmatisch propagiert von einigen, aber nich von allen da drüben. Mach kein´ Fout, wir bei der (All)Gemeinen Zeitung ham uns nochall gegen manch Kokolores der Sprachreformer dort drüben gewehrt, z. B. Schifffahrt mit drei f´kn F! Aber weil wir durchgehend auch Ergüsse der Deutschen Presseagentur gebrauchen, ham wir uns mit manchem abgefunden, aber definitiv nich mit allem!

´s Geht heut nich um Denglisch und pubertäres Schulenglisch etlicher Teutonen, die das die in ihren Äds so laiken. ´s Geht heut echt um Genderei-Sports, mit Auswüchsen der Sprachpanscher zwischen Rhein und Oder. Jong, Wellblechdeutsch is nix dagegen!

Dazu schnell paar neu-alte Vokabeln: Gender - ein strapaziertes Modewort für Geschlecht, ob der männlichen oder weiblichen Seite zugehörig. Mannsen oder Weibsen. Dazu auch das Tu-Wort gendern. Das is die natürliche Geschlechtereinteilung, auch Sexus genannt. So weit so gut.

Aber danach gibt´s noch - uns allen bekannt, wir sind damit von der Wiege her mos groß geworden - das grammatische Geschlecht von Dingen, denen Du nich die Hose runterziehen kannst, um den Sexus festzustellen. Der Tisch, das Bein, die Tüte. Das heißt bei den Linguisten das Genus (Art, Sorte). Vorsicht! Bitte keinen Schreibfehler machen oder die Aussprache verhunzen, denn mit zwei S, bei Genuss, gehört die Vokabel u. A. schon wieder zum Sexus hier oben und nich zum Genus hier unten.

Wer bis hierher noch dabei is, wird den Steinbock heut wohl auch zu Ende lesen. Aber wir verübeln es niemandem, wenn er angeödet hier aussteigt, denn was hiernach kommt, mag nochall dröge sein.

Nach der Rechtschreibereform, Esssaal mit drei bleddy S usw., is die sogenannte Gender-Neusprech und Djender-Neuschreib-Reform gefolgt und weit gediehen. Etliche Soziologen und Historiker benutzen die schon in ihren Sachbeiträgen. Der Leser muss sich mit der sprachlichen Anbiederung abfinden, weil es Schwarz auf Weiß steht. Die Djender-Lobby gibt dem Steinbock hier sofort ´n Anschiss, dass er sich nich gleich mit Leserin, bzw. LeserInnen einen abgebrochen hat. Eins steht fest - und hier sind wir ´mal dran, stur und standhaft zu bleiben: Die Annahme der Djender-Lobby, dass bei Gruppen- und Sammelbezeichnungen wie Leser (Einzahl wie Mehrzahl), Bürger, Verbraucher, Radfahrer, Wähler, Steuerhinterzieher an erster Stelle nur Männer gemeint und Frauen nur „mitgemeint“ seien,is krumm und falsch. Dazu sagt Helmut Glück, Sprachwissenschaftler in Bamberg: „Der Versuch, angeblich männliche Endungen wie -er oder -or durch Binnen-I, Genderstern oder Partizip-Bildungen - Fuß-Gehende statt Fußgänger, Studierende statt Studenten - und permanente Wiederholungen von Geschlechterzuweisungen - Christen und Christinnen, Menschen und Menschinnen - zu ersetzen, macht unsere Sprache grotesk und entfremdet uns von ihr.“ Musst Du nun Heulsuse und Zappelphilipp auch noch durch Binnen-I oder sonstigen Stuss in den Djenderbrei unterrühren?

Hast Du Dich schon ´mal durch einen Fachtext durchgekämpft, in dem Du ständig Wörter mit Binnen-I antriffst? Und jetzt setzen die Stadt Hannover und bald noch ´n Djender-Flecken in Otjindoitjielanda noch eins drauf. Zum Binnen-I führen die jetzt noch einen Genderstern* ein, nich für ´ne Fußnote, sondern im Strudel des Djenderfimmels: Fösrster*in, Putzteufel*in oder in der Anzeige: „… ein*e qualifizierte*r Buchhalter*in gesucht“. Auch mit Unterstrich isses „Jurist_in“ möglich.

Die Hannover galten einmal als Vorbild der deutschen Hochsprache gegenüber dem zischelnden Schwäbisch, dem ordinären Sächsisch, dem derben Bajuwarisch. Sie schtolperten nich über den schpitzen Schtein. I-wo! Sie ss-tolperten nich über den ss-pitzen Ss-tein. Tjeck moi, was die jetzt mit Sexus, Genus, Mannsen und Weibsen anfangen.

Blick zur Seite: ´s gab Engländer unter Queen Viktoria, die ham im 19. Jahrhundert `ne „gereinigte“ Shakespeare-Ausgabe (expurgated edition!) herausgegeben, weil der Bühnenschreiber aus dem gesamten Leben und der Überlieferung geschöpft hat, ohne Selbstzensur, aber mit Bildung. - Dafür is er auch nich leicht zu lesen. - Umgekehrt wollen Djender-Jerries jetzt deutsche Klassiker rannehmen und Djender-Korrekturen anbringen. Na, denn man to´ ! So heißt´s auf Plattdüütsch. Müssen die an der Waterkant nun das „man“ auch noch verdjendern?

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Man muss nicht nur nichts zu sagen haben, sondern vor allem auch noch unfähig sein, dies auszudrücken. Makabrer erster Lehrsatz zeitgemäßer Kommunikation, sagt Max Behland in einem Text genannt „Die schleichende Evolution der Banalität - Deutsch in Wirtschaft und Verwaltung“.

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