07 Februar 2019 | Sport

Geldnot bremst Rallye-Hoffnungen

Mögliche Rückkehr der Dakar nach Afrika - Organisatoren suchen neues Zuhause

Die Organisatoren der Rallye Dakar möchten Namibia zum Teil eines Drei-Länder-Kontingents machen, durch das die legendäre Rallye endlich wieder in Afrika gefahren werden soll. Finanzielle Engpässe können dem Vorhaben ein jähes Ende bereiten. Der Motorsport-Verband verliert aber nicht die Hoffnung.

Von S. Noechel und A. Graig

Windhoek

Der Namibische Motorsport Verband (NMSF) teilte mit, das die Möglichkeit bestehe, die legendäre Rallye Dakar in 2020 wieder nach Afrika zurückzubringen und die Strecke teils durch die Weiten Namibias führen zu lassen. Daniel Tjongarero, Präsident des NMSF, bestätigte, dass die Organisatoren eine Drei-Länder-Rallye auf afrikanischem Boden anstreben.

„Die Dakar-Organisatoren haben uns angesprochen, worauf wir ein vorläufiges Treffen mit ihnen, verschiedenen Interessengruppen und den relevanten Ministerien abgehalten haben“, so Tjongarero. „Der Namibische Motorsport-Verband würde eine solche Initiative unterstützen und wäre sehr daran interessiert, ein solches Event in Namibia auszutragen“, versicherte er weiter.

In diesem Jahr war Peru das einzige Gastgeberland für die 41. Auflage des Dakar-Rennens, das vom 6. bis 17. Januar stattfand. Mit einer Distanz von 359 Kilometern und zehn extrem harten Etappen zählte die diesjährige Rallye zu den anspruchsvollsten aller Zeiten. Beim Zieleinlauf in der Haupstadt Lima sicherte sich Nasser Al-Attiyah (Toyota) aus Katar seinen insgesamt dritten Gesamtsieg. Auf dem Motorrad triumphierte der Australier Toby Price (KTM). Bei den Quadbikern dominierte Nicolás Cavigliasso aus Argentinien. Der Chilene Franciso López war nach seiner sechsjährigen Abwesenheit auf dem Dune-Buggy (SxS) nicht zu schlagen. Bei den Trucks holte sich Eduard Nikolaev aus Russland seinen vierten Dakar-Titel.

Historische Dakar

Der Ursprung der Rallye Dakar liegt allerdings nicht in Südamerika. Der Wettbewerb begann im Jahr 1977, als Thierry Sabine sich während der Abidjan-Nizza-Rallye auf dem Motorrad in der libyschen Wüste Ténéré verirrte. Er wurde in seiner Notlage glücklicherweise aus dem ewigen Sand gerettet und kehrte danach nach Frankreich zurück, wo er sich vornahm, seine Begeisterung für die Sandwüste mit so vielen Menschen wie nur möglich zu teilen. Er schlug eine Route vor, welche in Europa starten und über Algier und Agadez bis in den Zielort Dakar führen sollte. Am 26. Dezember 1978 kammen 182 Fahrzeuge auf dem „Place du Trocadéro“ zusammen, um zu der 10.000 Kilometer langen Reise in den Senegal aufzubrechen.

Im Laufe weniger Jahre stieg das öffentliche Interesse an dem Event enorm an. 1983 führte die Strecke wieder durch die Ténéré-Wüste, wobei das erste größere Chaos in der Geschichte der Rallye passierte. 40 Fahrer verloren die Orientierung und verirrten sich in den Weiten des Sandes.

1986 starb der Gründer Thierry Sabine bei einem Hubschrauberabsturz, sein Rennen wurde jedoch fortgesetzt. 1992 wurde die Spezial-Rallye „Paris to Cape Town“, welche durch zehn Länder - von der Nord- zur Südspitze Afrikas - führte. 1995 startete das Rennen erstmals nicht in Paris, sondern im spanischen Grenada. Die Deutsche Jutta Kleinschmidt war die erste Frau, die in 2001 die Gesamtwertung gewann. In 2008 wurde der Wettbewerb wegen terroristischer Bedrohungen in Mauretanien abgesagt. Erst im Jahr 2009, bei der 31. Auflage, fand die Rallye Dakar erstmals auf südamerikanischen Boden statt.

Hoffnung für Namibia

Nach elf Jahren in Südamerika überlegen die Organisatoren nun, dass Rennen wieder nach Afrika zurückzubringen. Der Rallye-Direktor Etienne Lavigne verriet in diesem Zuge, dass sein Team bereits im Mai 2018 begonnen hatte, die Möglichkeit zu prüfen, ob ein solches Vorhaben umsetzbar wäre.

Die Schwierigkeiten, eine angemessene Route für die Ausgabe 2019 zu finden, veranlasste der Rallyeveranstalter ASO, Gespräche mit verschiedenen afrikanischen Nationen aufzunehmen. Im vergangenen Jahr konnten sich Länder wie Chile, Ecuador und Bolivien nicht mit den Organisatoren einigen, sodass Peru zuletzt als alleiniger Gastgeber für die Rallye übrig blieb. „Bis 2016/17 blieb der Wunsch der südamerikanischen Länder, die Rallye dort zu veranstalten, doch heutzutage herrschen in Argentinien, Chile und Peru wirtschaftliche Bedingungen, die es schwierig machen, die politischen Absichten der Regierungen zu abzuschätzen“, sagte Lavigne gegenüber dem Rennsport-Portal „motorsport.com“.

Bereits im vergangenen Jahr betonte Lavigne, dass man damit begonnen habe, Kontakte mit anderen Ländern wie Algerien, Angola und Namibia aufzubauen. Die letzte Rallye durch Algerien fand 1993 statt, wobei im Vorjahr im Rahmen der „Paris to Cape Town“-Rallye auch durch Angola und Namibia gefahren wurde.

Wirtschaftliche Umstände stehen bei der namibischen Entscheidung, als Gastgeber für die Rallye zur Verfügung zu stehen, im Vordergrund. „Die Kosten im Zusammenhang mit der Durchführung einer solch riesigen Veranstaltung sind gigantisch hoch. Ohne die entsprechende finanzielle Unterstützung würde es institutionell, unternehmerisch oder anderweitig eine riesige Herausforderung für uns werden“, erklärte Tjongarero. Derzeit müssten viele Verhandlungen mit den Ministerien, beispielsweise dem Ministerium für Umwelt und Tourismus und dem Finanzministerium, stattfinden, um die notwendige Unterstützung und Genehmigungen für dieses Event zu erhalten. Auf die Frage, ob Namibia neben dem Geld auch die Fähigkeiten hat, die nötig wären, um die Rallye erfolgreich auszurichten, antwortete Tjongarero selbstbewusst: „Ja, Namibia könnte das auf jeden Fall.“

Eine weitere gute Nachricht für namibische Rallye-Begeisterten ist: Der NMSF verfügt wieder über eine internationale Registrierung und darf Rallyes veranstalten. „Das bedeutet, dass Teilnehmer, die ab 2019 an einer nationalen Rallye-Meisterschaft teilnehmen, nun zum nationalen Meister gekürt werden können. Die erste Rallye im Jahr 2019 soll am 9. Februar in Gobabis stattfinden“, kündigte Tjongarero an.

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