21 Dezember 2001 | Lokales

Gedanken zum Jahreswechsel

An Silvester ist es wieder angebracht, dass man nicht nur das Glas erhebt und sagt: Ein gutes neues Jahr! Wir wünschen uns allen selbstverständlich ein friedliches Jahr. Und dennoch wird immer deutlicher, dass wir uns neu rüsten müssen gegen neue Störungen des Friedens.

Im Rückblick richtet der Blick sich immer wieder auf die Katastrophe am 11. September. Es ist viel von Erschütterung gesprochen worden. Aber war es wirklich erschütternd? Oder war es nur aufregend? Wenn es erschütternd gewesen wäre, so hätten die Menschen spontan die Frage gestellt: Was muss ich tun, dass die an diesem 11. September offenbar gewordene Achtungslosigkeit gegenüber Menschenleben nicht weiter um sich greift? Kann ich überhaupt etwas tun?


Einige Menschen werden sagen: Ich muss doch etwas tun können! Aber was? Ob wir unseren Blick auf Simbabwe, Eritrea oder Jugoslawien richten, die unmenschlichen Handlungen die dort begangen worden sind, hat Wenige aufgeregt. Es waren oft viel mehr Menschen, die der Kaltblütigkeit zum Opfer gefallen sind als in den USA. Robert Mugabes Verhalten und die Leben, die dort vernichtet wurden, hat uns schon etwas mehr bewegt. Aber doch nur, weil es eine gewisse Furcht hervorruft, es könnte bei uns auch so kommen.


Wenn wir diese Dinge - oder andere gleichartige - anschauen wird eine Gemeinsamkeit deutlich: Es sind alles Kämpfe um Macht und Besitz. Sie haben zum Teil grausame und doch nicht genügend erschütternde Spuren hinterlassen. Sind wir mit der Brutalität der Geschehnisse schon einverstanden?


Die Welt spricht von biologischen und chemischen Kampfmitteln und weiss noch kaum etwas von den im Einsatz befindlichen elektronischen. Der Krieg wird ins Unsichtbare verschoben. Viele Medien werden benutzt um das Volk einzuschläfern. Ein Nicht-Denken wird verursacht. Und dabei ist gerade das Denken die vornehmste menschliche Eigenschaft. Wenn man auf das Christentum hinschaut, erlebt man nichts mehr von der geistigen Macht, die es einst hatte. Die Menschen sprechen immer öfter von der Ohnmacht des Christentums. Immer mehr Menschen nehmen Abstand vom Christentum. "Es sagt mir nichts mehr", sagen die Menschen immer öfter. Was ist da vor sich gegangen? Die "Macht" der Kirchen und manchmal auch ihr protzender Aufwand täuschen über die Ohnmacht und den Verfall der Christlichkeit der Christen hinweg. Es gibt es viel mehr Abkehr vom Christentum.


Die einzige "Religionsform", die sich derzeit ausbreitet, ist der Islam. Die Kraft, die sich in den Reihen der Bekenner des Islams entwickelt - der Fanatismus ist nur eine Form davon und wirklich nicht die edelste - ist der selbstverständlichen intensiv betriebenen religiösen Übung zu verdanken. Die fünfmalige Wendung der Gläubigen nach Mekka ist eine Willensübung und -schulung, die sehr stark macht und außerdem gemeinschaftsbildend ist.


Die Europäer haben in den letzten drei Jahrhunderten viel Wachheit entwickelt, die heute außerordentlich bedroht ist durch Technik und Zivilisationsfortschritte des täglichen Lebens. Die Christen haben in diesem Entwicklungsprozess sehr viel von ihrer ursprünglichen Willenskraft und geistigen Stärke eingebüßt, die darauf aufmerksam macht, wenn jemand oder etwas den Willen für Ungutes oder sogar Unmenschliches in Anspruch nehmen will.


Wenn einer der führenden Amerikaner in aller Öffentlichkeit schreibt, man könne mit 20 Prozent der Menschheit das notwendige Wirtschaftsleben der Menschheit betreiben und 80 Prozent der Menschheit müsse man in den Halbschlaf versenken, so ist das doch im Grunde ein Aufruf an die Christenheit, sich des Wortes Jesu Christi zu erinnern: "Wachet und Betet". Fragen wir uns mit aller Stärke: Wie ist es mit unserer Wachheit bestellt und wie stark ist unser Gebet?


Wenn diese Dinge menschlich bleiben sollen, müssen wir uns auf unser Christentum und wie wir es leben wollen ganz neu besinnen. Man kann da aber auch nur sagen: Wachet und betet! Wir dürfen uns nicht hinnehmen lassen von Menschen und Mächten, die ein solches im Inneren begründetes Wachsein unterlaufen und ausnutzen. Es gibt nur eine Macht, die den Menschen Erkenntnis- und Glaubenssicherheit gibt. Diese Macht ist wie ein Kompass, der uns sicher unseren Weg weist einerseits, und wie ein starker Zielgeber ist andererseits. Von ihm redet Johannes in seinem Evangelium, wenn er sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben".


Der Apostel Paulus redet davon in seinem Galaterbrief (3:20). Er sagt: Der Christus müsse in uns wohnen, dann hätten wir die nötige Stärke, immer im Sinne Gottes zu leben und zu handeln. Ohne ihn in uns sind wir schwach. Wenn wir das verstehen lernen, bemerken wir, dass die Probleme, die mit Krieg und Frieden zusammenhängen, nur aus diesem einen Punkt gelöst werden können. Aber sie müssen gelöst werden, sonst haben wir bald keine menschliche Freiheit mehr.


Klaus Raschen, Pfarrer der Christengemeinschaft Windhoek

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