09 April 2019 | Meinung & Kommentare

Gebrauch wird zur Norm

Die Medien spürten früh im „Jahr der Abrechnung“ was es heißt sich angeblich zu verhören, als der namibische Präsident sich scheinbar doch nicht so ausgedrückt hatte, wie es im Fernsehen, Radio und den Zeitungen wiedergeben worden war - demnach hatte sich der Präsident jedenfalls nie in das Geschehen der Windhoeker Stadtverwaltung einmischen wollen…

In ähnlicher Weise war der Parlamentspräsident Peter Katjavivi „missverstanden“ worden als er sich über die Beschwerde der Opposition äußerte, dass sie im Parlament oft übergangen werde. So wie man es halt seit Jahren kennt, wenn die Regierung und ihre Abteilungen kritisiert werden. Das Institut für öffentliche Politforschung (IPPR) kann davon ein Lied singen.

Als diese Tage die Geschäftsstrategie der staatlichen Hafenbehörde Namport durch einen Volkswirt als fehlerhaft eingeschätzt wurde, indem er gezielt aus amtlichen Quellen zitierte und analysierte, reagierte dieser Betrieb wie von den oberen Etagen gelernt: Alles dementieren und als Quatsch abtun - die Gegendarstellung braucht nicht unbedingt aus zusammenhängenden Fakten und Zahlen bestehen.

Indessen hat der Landreformminister erstmals die Vergabe der Farm Okongava an eine Bergbaufirma bestätigt, nachdem dies seit Juni 2017 wiederholt von den Medien und Lokaleinwohnern mit „Anspruch auf Ahnenland“ hinterfragt worden war (auch in der AZ). Denn rein zufällig ist des Ministers Cousin ein wesentlicher Teilhaber des hauptsächlich betroffenen Bergbauunternehmens.

Wenn diese Vorgänge zur andauernden Praxis werden, gleichen sie einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung, denn die Schnittbürger verstehen nicht, warum der Staat nicht offen und ehrlich mit Themen umgeht. Die Landeseinwohner sehen sich nur immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt und erkennen eine Regierung, die gar nicht einsieht, warum sie sich für irgendeinen ihrer Schritte rechtfertigen sollte.

So werden Verschwörungstheorien geboren und jedes Dementi der Regierung als Teil eines „geheimen Handelns“ angesehen.

Frank Steffen

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