29 November 2019 | Natur & Umwelt

Freiwilligenarbeit für Namibias Wildpferde

Seit über einem Jahrhundert leben die Wüstenpferde in Garub bei Aus. Sie haben sich gut an die rauen Gegebenheiten vor Ort angepasst, brauchen jedoch ab und zu die Unterstützung menschlicher Gefährten. Eine dieser freiwilligen Helferinnen ist Christine Swiegers.

Von Eva-Marie Born, Lüderitzbucht

Die Population der namibischen Wildpferde ist wieder angestiegen. Mit neun Fohlen, 39 Hengsten und 31 Stuten sind es so viele Tiere wie seit langem nicht mehr. Sie stehen auch weiterhin unter dem Schutz der Regierung, welche sich nun vermehrt um deren Wohlergehen kümmern möchte. Ein entsprechender Managementplan vom Ministerium für Umwelt und Tourismus (MET) wurde bereits veröffentlicht, denn vor allem der Wert der Tiere auch für den Tourismus ist nicht zu unterschätzen.

Seit Jahren bemühen sich im Alltag allerdings auch andere um das Wohlergehen der Herden: die Mitarbeiter der Namib Wild Horses Foundatuion (NWHF). Eine der Freiwilligen ist Christine Swiegers. Sie kommt ursprünglich aus Hamburg und kam zum ersten Mal 1997 für ein Jahr nach Namibia um auf einer Farm im Khomas-Hochland mitzuarbeiten. Auch danach besuchte sie das Land regelmäßig wieder und kam zum ersten Mal 2002 nach Aus um die wilden Pferde zu besuchen. Bei ihrem Aufenthalt übernachtete sie in Klein-Aus Vista und lernte dort Piet Swiegers kennen, ihren heutigen Ehemann. Er und Telane Greyling, welche ebenfalls mit der Beaufsichtigung und der Erforschung der Pferde involviert ist, brachten Christine das erste Mal mit den Tieren in Berührung. „Ich war sofort fasziniert von ihrem Geist, ihrer scheinbar grenzenlosen Freiheit“, sagt Christine. 2006 zog sie dann ganz nach Namibia und arbeitet seitdem Vollzeit in der Klein-Aus Vista Lodge. 2007 heiratete sie Piet. Christine fing an, Telane ab und an mit den Pferden zu helfen und begann im Jahr 2015 eng mit dem NWHF zusammenzuarbeiten. Sie wurde Teil des Dürrefütterungs- Programms.

„Die Dürrefütterung wurde hauptsächlich von Telane und mir durchgeführt, mit gelegentlicher Hilfe von Freunden und anderen Helfern. Die Fütterung wurde dann Anfang 2018 eingestellt, als es anfing zu regnen. Wir alle arbeiten ausschließlich auf freiwilliger Basis, was nicht immer einfach ist, da wir nur eine Unterstützung sind nicht die Hauptentscheidungen treffen, was die Pferde angeht. Sie stellen immer noch eine staatliche Ressource dar.“, so Christine.

Der Ursprung der Namibs ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Offiziell wird angenommen, dass die Pferde ursprünglich vom Gestüt Kubub südöstlich von Aus stammen, wo sie sich in den Wirren des Ersten Weltkriegs auf der Suche nach Wasser und Futter selbstständig machten. Andere Quellen besagen, dass die Tiere während des Ersten Weltkriegs der deutschen Schutztruppe bei deren Rückzug von südafrikanischen Streitkräften verloren gingen und sich dann mit ebenfalls entlaufenen Truppenpferden der Südafrikaner verpaarten.

Rund fünf Personen arbeiten heute gemeinsam für das alltägliche Wohlergehen der Pferde. Außerdem gibt es noch einige NWHF-Mitglieder, die sich eher um die administrativen und strategischen Aufgaben kümmern.

Einen typischen Arbeitstag gibt es für Christine und die anderen nicht. Je nach dem, was ansteht, gibt es mal mehr und mal weniger zu tun. Während des Fütterungsprogramms aufgrund der Dürre und der Beaufsichtigung wegen vermehrter Raubtierangriffe verbrachte sie zwei bis drei Stunden täglich mit der Freiwilligenarbeit. Es musste Gras verladen, ausgefahren und an den verschiedenen Futterstellen verteilt werden. Außerdem wurden die Kondition und die Anzahl der Wüstenpferde überwacht. Nach diversen Hyänen-Angriffen waren die Pfleger oft auch nachts auf den Beinen um die Bewegung der Angreifer und der Pferde für Datensammlungen und vorbeugende Maßnahmen zu überwachen. Dennoch leben die Herden heute hauptsächlich in Frieden mit den anderen Tieren der Wüste, wie Strauße und Antilopen, zusammen.

Momentan fährt Christine nur noch zwei Mal die Woche nach Garub, um zu überprüfen, ob mit den Wildpferden alles in Ordnung ist. Aktuell liegen die Herausforderungen vor allem darin, dass die Population weiter wachsen muss. „Das ist momentan das Wichtigste. Raubtierangriffe sind gerade kein Faktor, könnten aber jederzeit wieder Realität werden. Außerdem brauchen wir mehr Regen. Momentan wächst noch wenig Gras in Garub. Die Pferde sehen in Ordnung aus, aber es kann gut sein, dass wir das Fütterungsprogramm bald wieder starten müssen. Des Weiteren muss der Managementplan vom MET mit der Bildung von Ausschüssen, der Übertragung von Aufgaben und so weiter verwirklicht werden.“, so die Freiwillige. In Zukunft soll dann die weitere Erforschung der Pferde vorangetrieben werden. Auch dies ist Teil des neuen Managementplans. Momentan beschränken sich Forschungen auf die Überwachung der Population und auf Kameras, welche im Gebiet um Garub die Aktivitäten der Pferde aufzeichnen.

Eines der Tiere hat für Christine eine besondere Bedeutung: „Duncan, einer der Hengste, schaffte es, seine neun Stuten unbeschadet durch die Dürreperiode zu bringen ohne auch nur eine zu verlieren. Er ist ein wunderbares Pferd, wunderschön und clever!“, sagt sie. Sie kennt jedes einzelne Tier beim Namen.

„Die Pferde haben unseren vollsten Respekt. Sie haben es mehr als 100 Jahre geschafft, in dieser Gegend zu überleben. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie sich an die Umgebung angepasst haben. Meistens führen sie ein gutes Leben, sie sind frei und können ihre sozialen Gruppen bilden, wie es ihnen beliebt, werden nicht von Menschen in eine bestimmte Richtung gedrängt, wie so viele Nutztiere.“, sagt Christine und ergänzt: „ Nach Jahren der Dürre kamen immer wieder gute Jahre, außerdem ist Garub ein Ort voller Möglichkeiten zu Grasen und der Option, sich frei zu bewegen. Oft liegt leider der Fokus nur auf den schlechten Jahren, in denen hinterfragt wurde, ob die Pferde in dieser Umgebung überhaupt überleben können oder nicht. Wir müssen das große Ganze erkennen und nur dann intervenieren, wenn es wirklich nötig ist. In guten Zeiten haben die Pferde ein Leben, von dem viele domestizierte Tiere nur träumen können. Die Wüste ist harsch, aber es ist ein wunderbarer Ort für die Tiere zu leben: Frei von Krankheiten, mit viel Platz und hochgradig nahrhaftem Gras. Und wenn der Regen kommt, dann kann man nur staunen, wie sich alles innerhalb weniger Wochen entwickelt. Das ist, was es bedeutet mit der Natur zu leben, es so zu nehmen, wie es eben kommt. Ich selber würde an keinem anderen Ort leben wollen!“

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