01 März 2012 | Land & Leute

Frauenpower in Okahandja

Sie nennen sich Mrs Nunda, Samba, Meme Kandido, Luisa, Antonia und Magdalena Joseph und sind seit vielen Jahren im Geschäft. Alte Hasen sozusagen. "Was sollen wir auch anderes machen, das hier können wir am besten!", so Mrs Nunda, die im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum als Holzmarkthändlerin begehen wird, auf die Frage, ob jenseits ihrer Arbeit auf dem Holzmarkt in Okahandja noch weitere berufliche Perspektiven liegen.

Unspektakulär fing es damals für jede Einzelne der kleinen Gruppe an, die sich an einem heißen staubigen Samstagnachmittag unter einem Schattenbaum nahe der Hauptstraße versammelt hat. Es war die Suche nach einer einträglichen Arbeit, die "Brot auf den Tisch bringt", die die Frauen zur Eröffnung eines eigenen kleinen Ladengeschäfts auf dem Gelände von TransNamib, der namibischen Eisenbahngesellschaft, gebracht hat. Aufregend und auch ein bisschen mit Angst verbunden, sei es am Anfang gewesen. Auf den ersten Kundenkontakt war Mrs Nunda eigentlich nicht vorbereitet. Insbesondere die Verhandlungen über den Verkaufspreis seien so eine Sache für sich gewesen. Aber nach zwei Monaten Anlauf- und Selbstlernphase hätte dann alles geklappt und das kleine Geschäft begann zu florieren.
Meme Kandido hatte zunächst einen kleinen Laden für traditionelle Kleidung in Okahandja. Nachdem dieser aber nicht den erhofften Profit abgeworfen hatte, verkaufte sie Kassetten an der Tankstelle, die dem Holzmarkt gegenüber liegt. Dort sah sie die Holzhändlerinnen und beschloss, auch ein kleines Bretterbudengeschäft zu eröffnen. Für sie ein ganz organischer und stimmiger Werdegang. "Die ersten Jahre waren wirtschaftlich gesehen hervorragend", da sind sich alle sechs Damen einig. Insbesondere Touristen aus Deutschland haben den Wert der Holzarbeiten geschätzt und faire Preise gezahlt. Bis heute sind sie die beliebtesten Kunden, auch weil sie das ganze Jahr über das Land bereisen. Sie kaufen gerne hochwertige Waren aus Edelhölzern wie Eisen- und Ebenholz. Italiener und Franzosen dagegen sind harte Verhandlungspartner, die die Preise mitunter unter die Grenze der Wirtschaftlichkeit der kleinen Betriebe treiben. Mittlerweile sind die Frauen dazu übergegangen, ihnen eher die günstigeren Olivenholzwaren anzubieten. Australier wiederum haben dagegen eine Vorliebe für Steinwaren, an Holztieren seien sie kaum interessiert.

Sie kennen sie gut, die Vorzüge der einzelnen Kundengruppen wie auch ihr saisonales Reiseverhalten. Dementsprechend stücken sie ihre Läden aus. Die Bestellungen laufen denkbar einfach ab. Fliegende Händler, die zwischen dem Norden Namibias und Okahandja verkehren, nehmen die Warenliste mit einer dementsprechend zu leistenden Anzahlung auf und liefern innerhalb kürzester Zeit. Bevor die Ware in den aus rohen Brettern und Wellblech gefertigten "Verkaufsraum" kommt, muss sie allerdings noch mit Schmiergelpapier und Politur auf Hochglanz gebracht werden. Wichtig sei eine gute Auswahl im Laden. Ist zu wenig Ware im Angebot, laufen die meisten Kunden achtlos daran vorbei, lautet die einhellige Meinung.

Sie sind gut organisiert, die Holzmarktverkäufer und -verkäuferinnen. Alles in allem gibt es 120 Händler, manche haben gleich zwei Geschäfte auf dem Gelände. Ein Vorstand mit zwei Vorsitzenden und einem Schatzmeister, die jährlich während der Jahreshauptversammlung neu gewählt werden, überwachen die gemeinsamen Verantwortlichkeiten wie die monatliche Pacht an TransNamib oder die Wasserzahlungen an die Stadt.

Schätzungsweise zehn bis zwölf Personen muss eine Händlerin im Durchschnitt mit ihrer Arbeit ernähren. Dies wird zunehmend schwieriger. Seit 2006 so sind sich die Händlerinnen einig, laufen die Geschäfte deutlich schlechter, und sie machen vor allem die weltweite Wirtschaftskrise dafür verantwortlich. Bis zu 40% weniger Umsatz steht am Monatsende in den Büchern. Die Ausgaben dagegen bleiben gleich oder steigen sogar, egal ob Lebensmittel oder Schulgebühren für die Kinder, der Lebensunterhalt ist immer schwieriger verdient. Namibia sei zu teuer, das hören sie als Gründe für das Wegbleiben der Touristen. Sowohl Unterkunft als auch Transport sei für das Gros der Touristen kaum mehr zu bezahlen.

Doch unterkriegen lässt sich keiner der Frauen. Nicht mal nach dem großen Brand im September 2010 als innerhalb einer Viertelstunde der komplette Holzmarkt samt seiner imposanten reetgedeckten Verkaufshallen auf Grund eines Funkenfluges bis auf den letzten Elefanten abgebrannt ist. Immer noch bestürzt berichten die Frauen von diesem Tag, der sie eigentlich die Existenz gekostet hat. Sie waren mitten in einer Versammlung, alle Läden waren geschlossen, als sie mit einem Mal durch ein Feuer, das jenseits der Straße an einem Wohnhaus wütete, alarmiert wurden. Starker Wind machte die Löschversuche der Feuerwehr fast unmöglich. Eine Feuerwalze, angetrieben durch den Wind, griff auf die kleinen Ladengeschäfte über. Die Politur wirkte als zusätzlicher Brandbeschleuniger und so war am Ende nur noch ein Haufen Schutt und Asche übrig, wo kurze Zeit zuvor noch prachtvolle Elefanten und Giraffen standen. Ein verkohlter Torso am Straßenrand sowie etliche Fotografien in den kleinen Läden erinnern noch an den Tag im September. Versichert war keiner von ihnen.
Nicht alle Händler hätten danach einen Neuanfang gewagt. Zu schwierig war oftmals der finanzielle Weg zurück ins Geschäft. Aus Geld-, Sachspenden und privater Geldleihe, ging es irgendwie weiter und wieder vorwärts. Das Angebot der französischen Botschaft, ihnen Geld auf offiziellem Weg zu leihen, konnte niemand annehmen. Zu groß waren die Anforderungen an Sicherheit, die keiner vorweisen konnte.

Mittlerweile sind die Läden wieder gut gefüllt. Mit kleinen und großen afrikanischen Holztieren und -figuren, Masken aus Oliven- und Ebenholz, Schildkröten aus Jade und Schalen aus Seifenstein. Insbesondere die kleineren Tiere seien beliebte Mitbringsel, manch großes Nashorn oder Giraffe entwickelt sich aber im Lauf der Jahre auch schon mal zum Ladenhüter, geben die Frauen lachend zu.

Ja, und Konkurrentinnen seien sie alle. Aber auch Freundinnen und Kolleginnen. Und Konkurrenz, so sind sie sich alle am Ende einig, belebt bekanntlich das Geschäft.

Simone Schickner

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