08 Februar 2021 | Natur & Umwelt

„Fracking im Okavango ist Wahnsinn!“

Namibischer Widerstand wird von ReconAfrica-Interessenten abgetan

Während in Namibia die Möglichkeit des Frackings von ReconAfrica öffentlich widerlegt wurde, zeigt sich das kanadische Ölförderunternehmen im Internet bullisch und wird Investoren weiterhin das Fracking in Aussicht gestellt. Internationale Umweltschützer und auch namhafte UN-Vertreter teilen nicht die Recon-Africa-Ansichten.

Von Frank Steffen, Windhoek

Die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte und Umwelt, Mary Lawlor, hat sich in den elektronischen Medien zum Gas- und Ölexplorationsvorhaben in den Kavango-Regionen geäußert: „Es ist 2021. Eine Zeit der Klima- und Biodiversitätskrisen. Fracking im Okavango ist Wahnsinn!“ National sowie international nimmt die Kritik zu, doch weder das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), noch das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Landreform (MAWLR) äußern sich dazu. Das Ministerium für Bergbau und Energie (MME) äußert sich indessen nur über seine Regionalvertreter, denn der Interessenkonflikt, der sich durch die Beteiligung des MMEs an diesem scheinbar zweifelhaften Vorhaben in einer ökologisch sensitiven Umgebung offenbart, verspricht politische Nachwirkungen.

Nun hat die internationale Natur- und Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature), die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten einsetzt, einen ersten Appell an die namibische sowie die botswanische Regierung gerichtet.

Im Internet äußern sich ReconAfrica und seine Unterstützer indessen hämisch zu dem namibischen Widerstand. So schreibt „Taurus“ auf der Finanz-Internetseite von Yahoo: „Y'all... this public hearing is a non-issue. We've had those meetings where I live in regards to drilling and some of those meetings had thousands of people in attendance. In some of those meetings, I was THE GUY on stage giving the presentation and taking/answering questions/bullets from the audience. The drilling and seismic all moved forward. Seriously... this is a non-issue. The Namibian Government owns 100% of the surface of the leased land that RECON has. The Namibian Government is on as a 10% partner, and the Namibian Government issues the permits.“ Die Beschwerden werden somit als Lapalie abgetan, da die namibische Regierung Eigentümer des Landes sei.

Das käme einer Enteignung des Kavango-Kommunallandes gleich und erklärt, warum sich ReconAfrica während der Versammlung der vergangenen Woche gar nicht beirren ließ, als die Frage gestellt wurde, wer ihnen die Erlaubnis zum Testbohren erteilt hatte. Normalerweise wird die Landvergabe grundsätzlich über die Kommunalverwaltung verhandelt.

Entgegen der Behauptungen des kanadischen Unternehmens Reconnaissance Africa (ReconAfrica), werden nicht nur die Kavango-Regionen limitiert von drei Bohrlöchern berührt werden. Die gesamte Kavango-Region bis zum östlich-gelegenen Welterbe der Tsodilo Hills und dem danebenliegenden Delta in Botswana wird davon berührt, und so auch das Buschmannland beziehungsweise der Khaudom-Nationalpark, in dem die San bisher traditionellen Gewohnheiten nachleben durften. Das Grundwasserbecken Kavango-Epukiro reicht über die gesamte Omaheke-Region und den größten Teil der Otjozondjupa-Region (AZ berichtete). Vom Karstveld selbst und dem vor drei Jahren entdeckten Super-Aquifer im östlichen Ovamboland ganz zu schweigen. Momentan wird die Bohrschlacke bereits in ein Wasserbecken gepumpt wird, das nicht gemäß internationalen Maßstäben mit Plastikplanen ausgelegt ist. Wenn bei dem Mangel an Qualitätskontrollen auch das Bohrlochgehäuse nicht ordentlich abgedichtet ist, wird unweigerlich Salz- und Brackwasser ins Grundwasser gelangen, kommentiert ein in Namibia ansässiger Geologe.

Inzwischen wurde Freitag bekannt, dass das Bohrgestänge auf 1 000 Meter Tiefe abgebrochen sei. Das sind 700 Meter tiefer, als ReconAfrica knapp vier Tage zuvor bestätigt hatte. Die Maschinen, die dazu benötigt werden, das Gestänge mitsamt Bohrkrone einzufangen und zu ersetzen, war zu jenem Zeitpunkt noch im Walvis Bayer Hafen.

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