07 April 2021 | Natur & Umwelt

Fracking birgt Erdbebengefahr

Erschütterung bei Khorixas rückt Ölsuche im Kavango ins Visier

Ähnlich dem verzeichneten Erdbeben im Nordwesten Namibias am vergangenen Wochenende, verzeichnet das Land bereits seit Jahren gelegentliche Erschütterungen infolge tektonischer Erdbewegungen - so auch Botswana. Fachkräfte berufen sich auf aktuelle Vorkommnisse in Amerika, bei denen die Ölförderung durch den Fracking-Prozess bereits zu Erdbeben geführt hat.

Von Frank Steffen, Windhoek

Das Erdbeben, das am vergangenen Osterwochenende laut Richterskala 97 Kilometer nordwestlich von Khorixas eine Stärke von 5,6 erreichte (AZ berichtete), ist auch im Fall der Ölsuche der kanadischen Gas- und Ölexplorationsgesellschaft Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) in den namibischen Kavango-Regionen und dem damit verbundenen Okavango-Flussdelta in Botswana, ein weiterer Grund zur Sorge. Kawe liegt etwa 570 Kilometer nordöstlich von Khorixas.

In einer unabhängigen Studie wurde bei der „Science & Technology Conference 2019“ in Botswana die Frage gestellt: „Rifting in the Kalahari?“ (Grabenbrüche in der Kalahari?). Fachkräfte beschäftigten sich mit der Tatsache, dass das Okavango-Delta beziehungsweise das Kalahari-Becken ein erhöhtes Vorkommen von seismischen Ereignissen (im Vergleich zu benachbarten Regionen) verzeichnet hatte. „Eine Reihe früherer Studien argumentieren, dass die Region zum Teil mit dem ‚East African Rift System‘ (Ostafrikanischen Graben, EARS) verbunden ist. Das würde die kontinuierlichen Erschütterungen und Erdbeben in der Okavango-Delta-Region (ODR) erklären“, hieß es anfangs.

Kavango nicht entlang Graben

Nachdem man allerdings 21 seismische Vermessungsstationen in Botswana errichtet hatte, gelangten Experten nach fünf Jahren zu dem Schluss, dass die ODR nicht wie angenommen auf einer Rift-Zone liegt. Allerdings werde eine „unterirdische, schräg-verlagerte Spannungsstruktur“ angezeigt, welche die Erschütterungen verursache.

Bekannt ist, dass Erdbeben, welcher Art auch immer, Erdreich verschieben und Sedimentlagen neugestalten. Somit meinte die Umweltfachkraft Jan Arkert nun: „Es gibt eine Reihe von geologischen Verwerfungen (tektonische Bruchstellen) in der Ost-Kavango-Region. Sollten Öl und Gas in die Produktionsphase übergehen, könnten diese Gesteinsrisse mobilisiert werden und das sehr empfindliche Gleichgewicht des Deltas beeinträchtigen. Die Verwerfungen reagieren oft empfindlich auf die chemisch-basierten Bohrlösungen, die als Teil des Prozesses der ‚Deep Well Injections‘ tief in die Erde gepresst werden. In Oklahoma hat dies zu zahlreichen Erdbeben geführt.“

Dies könne Experten zufolge insbesondere zur Verschmutzung des Grundwassers führen, eine Befürchtung, die ohnehin bereits mehrfach geäußert worden war.

Internationale Kritik

Neu sind diese Risiken im Grunde nicht. Das renommierte National-Geographic-Magazin veröffentlichte bereits am 28. Oktober 2020 einen sehr detaillierten und kritischen Bericht über die zu jener Zeit noch bevorstehende Ölsuche. Die Umweltfachkraft Jeffrey Barbee und seine Koautorin Laurel Neme brachten einen weiteren Bericht dazu am 28. Januar und eine weitere verschärfte Kritik am 12. März dieses Jahres. Dem folgte ein ebenso kritischer Beitrag seitens des Okavango-Kenners, Dr. Steve Boyes; er ist der Gründer des Okavango-Wilderness-Projektes.

Seitdem häufen sich die kritischen Berichte, während die einzigen auffindbaren Berichte, die sich positiv zu dem Vorhaben äußern, in der Tat nur in Bergbau- und Investorenberichten niederschlagen. Der ausdrücklich gestellten Frage seitens der AZ, ob ReconAfrica das Fracking kategorisch ausschließen würde, wich Pressesprecherin Claire Preece in der Vergangenheit wiederholt aus. Auf die Einschätzung, dass diese grundsätzliche Frage „80 Prozent Ihres Problems“ sei, reagierte sie resigniert: „Das scheint mir so.“

Vergeudete Geldanlage

Die amerikanische Internetseite „The Hill“, zeigte sich unter der Rubrik „Changing America“ bereits am 16. Dezember 2020 äußerst kritisch und dem folgten weitere internationale Verlage und Organisationen. In der vergangenen Woche brachte indessen das Fernsehunternehmen Sky einen weiteren Bericht dazu, nachdem das Thema bereits seit einiger Zeit in deutschen Medien für Aufsehen sorgt, gerade weil die Entwicklungsagentur GIZ maßgeblich zur Entwicklung des fünf Länder umspannenden Naturparks „Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area“ (KAZA TFCA) beigetragen hatte - die Kavango-Regionen sind Teil dieses Naturschutzgebietes, in dem die größten verbliebenen Elefantenherden Afrikas zu finden sind.

Bereits am 22. März hatten sich Demonstranten vor dem namibischen Hochkommissariat in London versammelt und die mit der Vergabe von Ölbohrlizenzen verbundenen Risiken erneut beleuchtet. Am Osterwochenende trat die namibische Aktivistin Ina-Maria Shikongo der Windhoeker Filiale von Fridays for Future (FFFW) im Fernsehprogramm des BBC World News auf und an demselben Tag veröffentlichte die Internetseite „africanews“ einen kritischen Artikel über die Ölsuche in den Kavango-Regionen (inklusive des Okavango-Flussdeltas) unter der Überschrift „Oil drill threatens Namibia's unspoiled landscape“.

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