18 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Forscher schlagen Alarm: Korallenriffe in verheerendem Zustand

Eine Folge des Klimawandels ist die Zerstörung von Korallenriffen. Ab Montag tauschen sich 1200 internationale Wissenschaftler dazu aus. Sie sehen auch die Politik in der Verantwortung.

Bremen (dpa) - Für die Situation der weltweiten Korallenriffe findet Christian Wild von der Universität Bremen deutliche Worte: „Der Zustand ist verheerend. Und die neuesten Studien deuten darauf hin, dass er noch schlechter wird." 30 Prozent aller Korallenriffe seien bereits verloren, 40 Prozent massiv bedroht. Rund 1200 Forschende aus 80 Nationen tauschen sich ab Montag für fünf Tage auf einem Online-Kongress auch darüber aus, wie die Zerstörung dieser wertvollen Ökosysteme aufgehalten werden kann. Der Biologe Wild hat das „14. International Coral Reef Symposium (ICRS) 2021 virtual" mit seinem Team organisiert, es ist die weltweit größte Korallenriffkonferenz.

Eigentlich hätte die alle vier Jahre stattfindende Tagung bereits im letzten Jahr mit 3000 Teilnehmenden in Bremen und damit erstmals in Europa abgehalten werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Plan zunichte gemacht. Nun gibt es eine kleinere virtuelle Ausgabe, im Juli 2022 wollen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem in einer Präsenz-Veranstaltung in der Hansestadt treffen. Begleitend zu beiden Symposien zeigt das Übersee-Museum noch bis zum 10. Juli 2022 die Ausstellung „Korallenriffe - vielfältig. verletzlich. verloren?"

Dass nun gleich zwei Kongresse kurz hintereinander angesetzt werden, zeigt auch die Dringlichkeit, die die Forschenden bei dem Thema sehen. «Das kommende Jahrzehnt ist wahrscheinlich die letzte Chance für politische Entscheidungsträger, einen weltweiten Kollaps der Korallenriffe zu verhindern», betont Wild. Daher erstellten die Experten ein Positionspapier, das am Dienstag vorgestellt werden soll. Darin werden konkrete Handlungsempfehlungen aufgeführt. „Wir hoffen, dass die Politik reagiert und die Botschaften aufgreifen wird", sagt Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen und Mitautor des Strategiepapiers.

Ursachen für die Zerstörung der Korallenriffe seien vor allem die Überfischung und die Verschmutzung der Meere sowie der Klimawandel. Der Klimawandel lasse die Meerestemperaturen steigen, was wiederum zur berüchtigten Korallenbleiche führe. „Deutschland ist kein Korallenriffland, trägt aber mit zum Klimawandel bei", sagt Ferse. Daher sieht er auch bei der Bundesregierung einen Handlungsbedarf.

Hoffnung setzen die Forschenden aber auch auf neue Ansätze bei der Restauration von zerstörten Korallenriffen, die von Nesseltieren gebildet werden. Bisher wurden für die Aufforstung vor allem Teile von intakten Korallenriffen abgeschlagen, um sie an zerstörten Riffen neu anzubringen. „Korallen haben eine außergewöhnliche Fähigkeit der Regeneration", sagt Wild.

In Versuchsprojekten würden nun auch Spermien und Eizellen der Nesseltiere eingesammelt, entstandene Larven würden dann auf künstliche Strukturen aufgebracht. „Der Vorteil ist, dass man neue Korallenriffe erhält, ohne etwas zu zerstören", betont Wild. Um die farbenfrohen Unterwasser-Ökosysteme in einer Größenordnung von Tausenden Quadratkilometern zu restaurieren, seien jedoch weitere Investitionen in die Forschung notwendig, betont Wissenschaftler Ferse. „Dazu sind wir im Moment nicht in der Lage."

Gleiche Nachricht

 

Studie über den Wert des Avis-Damms

vor 3 tagen - 30 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Die Namibia Nature Foundation und Greenspace führen eine Studie über den Wert des Avis-Damms für seine Besucher durch. Damit die Studie ein Erfolg wird, brauchen...

Raumstation in Rente? Russland, die USA und die Zukunft...

vor 3 tagen - 29 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Moskau/Washington (dpa) - Wenn der deutsche Astronaut Matthias Maurer im Herbst zur Internationalen Raumstation fliegt, dann ist die Zukunft der ISS ungewisser denn je. Russland...

Wassersektor ist unterfinanziert

vor 4 tagen - 29 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Von Y. Nel, E. Hattingh und K. MoserWindhoekWährend sich die Wasserversorgung in vielen Regionen Namibias nach den vergangenen Dürrejahren wieder erholt hat, leidet das Land...

Vielversprechende Zahlen

vor 4 tagen - 29 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Von Elvira Hattingh und Steffi Balzar, Windhoek Namibia exportierte im vergangenen Jahr über 80000 Tonnen Holzkohle nach Europa und gehört nun zusammen mit Ländern wie...

Vielversprechende Zahlen

vor 4 tagen - 28 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Namibia exportierte im vergangenen Jahr über 80000 Tonnen Holzkohle nach Europa und gehört nun zusammen mit Ländern wie der Ukraine und Kuba zu den größten...

Elefanten- und Nashornwilderei nimmt über die Jahre ab

vor 6 tagen - 27 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (cr) - Der Pressesprecher des Umweltministeriums, Romeo Muyunda, gab gestern die neusten Zahlen der Nashorn- und Elfenbeinwilderei bekannt. Demnach habe sich die Sicherheit der...

Kommunale Hegegebiete: Fortschritt trotz weniger Einnahmen als im Vorjahr

vor 6 tagen - 27 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (Nampa/sb) • Kommunale Hegegebiete in der Sambesi-Region haben im Finanzjahr 2020/21 über 14,4 Millionen Namibia-Dollar erwirtschaftet. Im Jahr davor lagen die Einnahmen bei 25...

Ordentliche Umweltverträglichkeitsstudie

1 woche her - 26 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Seit 1978 wird schutzwürdiges Welterbe in die Liste des Welterbe-Komitees aufgenommen. Die erweiterte 44. Sitzung des Welterbe-Komitees der UNESCO findet seit...

Die Angst um das Riff

1 woche her - 26 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Von Carola Frentzen, dpaSydney Wer am Great Barrier Reef vor der australischen Nordostküste taucht oder schnorchelt, kann sich der Faszination dieser einzigartigen Unterwasserwelt nicht entziehen....

ReconAfrica: Namibia soll profitieren

1 woche her - 23 Juli 2021 | Natur & Umwelt

Von Ogone Tlhage und Frank Steffen, Windhoek Der Geschäftsführer des kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmens Reconnaissance Africa (ReconAfrica), Scot Evans, erklärte auf der Internetdarbietung „Evening Review“:...