08 November 2018 | Verkehr & Transport

Flughafen für Prüfung „bereit”

Hunderte Millionen N$ teurer Ausbau soll Ende 2019 abgeschlossen sein

Der Hosea-Kutako-Flughafen ist für die bevorstehende Sicherheitsprüfung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation gerüstet, sagen die staatlichen Betreiber und sprechen von großen Fortschritten. Der notgedrungene Ausbau für 245 Millionen N$ soll Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Der internationale Hosea-Kutako-Flughafen befindet sich in einem „unzumutbaren“ Zustand, sagte gestern der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Namibia Airports Company (NAC), Leake Hangala. Die staatliche Flughafengesellschaft hatte gestern in Windhoek über den Ausbau des Flughafens und die bevorstehende Sicherheitsprüfung der Internationalen Zivilluftfahrorganisation (ICAO) informiert.

Ein „Missverständnis“?

Gleich zu Beginn wollte Hangala allerdings ein „Missverständnis“ aus der Welt räumen: „Es besteht keine Verbindung zwischen der bevorstehenden ICAO-Prüfung (Security Audit) und der Herabstufung irgendeines Flughafens“, so der Vorsitzende; eine Herabstufung könne infolge eines sogenannten Safety Audit erfolgen, die Anfang 2020 stattfinde. Die vom 18. bis 28 November stattfindende Inspektion beruhe lediglich auf neueingeführten ICAO-Vorgaben, die am 16. November in Kraft treten. „Namibia wird das erste Land sein, dass anhand dieser neuen Richtlinien geprüft wird“, so Hangala. „Diese Prüfung ist ein fortlaufender Vorgang, um ein nachhaltiges, sicheres und funktionierendes System beim Hosea-Kutako-Flughafen zu ermöglichen.“

Die Internationalen Zivilluftfahrorganisation hatte bei ihren vorigen Besuchen erhebliche Mängel festgestellt, die es zu beheben galt. Anschließend hatten jüngst der Tourismusdachverband (FENATA), der Flugzeugeigentümer- und Pilotenvereinigung (AOPA) und andere Interessenträger Alarm geschlagen: Trotz einer bevorstehenden ICAO-Inspektion habe sich beim Hosea-Kutako-Flughafen „nichts getan“, was den namibischen Flugverkehr aufs Spiel setze. Anschließend folgten auch Krisensitzungen des ständigen Parlamentsausschusses für Auswärtiges, Verteidigung und Sicherheit (AZ berichtete). Daraus entsprang ein Bericht, der Ende Oktober abgesegnet wurde. Darin wird – entgegen der Aussage von Hangala – ausdrücklich betont, dass die „Schwachstellen“ beim Hosea-Kutako-Flughafen vor der Prüfung im November behoben werden müssen – um „die ICAO-Richtlinien zu erfüllen und eine Herabstufung zu verhindern“.

Reihe von Mängeln

Hangala betonte gestern erneut, dass der Flughafen Mitte der 1980er für 250000 Fluggäste im Jahr errichtet worden sei – mittlerweile seien es aber jährlich eine Million Passagiere: „Die Infrastruktur hat ihre Grenze erreicht und um der wachsenden Nachfrage und den strengeren Richtlinien gerecht zu werden, muss dringend ausgebaut werden.“ Der Finanzaufwand belaufe sich auf 245 Millionen N$, wovon NAC rund 95 Mio. N$ zur Verfügung stelle – den Rest finanziere der Staat. „Es wurden hiesige Architekten mit dem Entwurf beauftragt, der hoffentlich vor Ende des Jahres fertig ist, damit im März mit den Arbeiten begonnen werden kann und der Ausbau im Oktober 2019 abgeschlossen ist“, so der NAC-Aufsichtsrat. Der Vorsitzende bestätigte den Medien, dass die Regierung das Vorhaben von den Regeln des öffentlichen Auftragswesens befreit habe, um den Ausbau zu beschleunigen.

In dem Parlamentsbericht werden grobe Mängel aufgezählt. Beispielsweise fehle es an Koordination unter den privaten und polizeilichen Sicherheitskräften; es herrsche ein Personalmangel; es seien nicht genug Schalter, Abtastvorrichtungen und Gepäckbänder vorhanden, was lange Warteschlangen verursache; der Flughafen verfüge über keine angemessene Videoüberwachung; Sprengstofferkennungssystemen seien ohne Begründung entfernt worden; die Ventilation und sanitären Anlagen des Gebäudes seien nicht ausreichend; und der Parkplatz sei zu nah am Flughafen. Und ICAO hatte auch die mangelnde Trennung kontrollierter und nicht kontrollierter Fluggäste kritisiert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende erklärte gestern aber, NAC habe bereits viele der Probleme behoben: „Wir haben unsere Bereitschaft für Notfälle verbessert und die Hauptkontrollstelle für Passagiere umgestaltet, um ICAO-Vorlagen zu erfüllen und beispielsweise Sprengstoff-Stichproben unter den Flugästen durchzuführen“, so Hangala. Ferner seien weitere zusätzliche Kontrollgeräte installiert und zusätzliche Beamte (Immigration und Polizei) angestellt worden. Zudem seien Möglichkeiten geschaffen worden, um die Abfertigung gewisser Fluggäste (Senioren, Familien mit Kindern, usw.) zu beschleunigen. „Und ab morgen (heute) werden Vorfeldbusse die Passagiere transportieren, während in der Abflughalle bereits mehr Platz für Schalter, Kotrollstellen und wartende Gäste geschaffen wurde“, erklärte der Vorsitzende weiter.

Indes werde demnächst eine Videoüberwachung installiert. Außerdem will sich NAC den Gepäckbändern und dem Lüftungssystem widmen. Zudem sollen die Abfertigungs-, Abflugs- und Ankunftshalle modernisiert und erweitert werden. „Auch das als Terminal 1 bekannte, alte Flughafengebäude wird künftig zur Abfertigung von Fluggästen genutzt“, so Hangala.

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