15 Juni 2021 | International

Flaggenmarsch in Jerusalem schürt Sorge vor erneuter Eskalation

Jerusalem (dpa) - Israel bereitet sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf einen geplanten Flaggenmarsch von rund 5000 Nationalisten in der Jerusalemer Altstadt vor. Nach Medienberichten sollen rund 2000 Polizisten im Einsatz sein. Palästinenser empfinden den Marsch, der auch durch das muslimische Viertel der Altstadt führt, als Provokation. Die beiden größten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas haben zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen. Die israelische Armee hat laut einem Bericht der „Jerusalem Post“ zusätzliche Kräfte ins Westjordanland verlegt.
Unterstützer von Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben den Marsch der Nationalisten organisiert. Dieser setzt die neue Regierung von Regierungschef Naftali Bennett von der ultrarechten Jamina-Partei unter Druck. Mit nur einer Stimme Vorsprung war die Acht-Parteien-Regierung am Sonntagabend im Parlament bestätigt worden. Dies bedeutet das vorläufige Ende der Ära von Netanjahu, der seit 2009 durchgehend im Amt war.
Der Marsch schürt die Sorge vor einer erneuten Eskalation der Lage. Der letzte Marsch anlässlich des sogenannten Jerusalem-Tags wurde am 10. Mai wegen Raketenangriffen der im Gazastreifen herrschenden Hamas abgebrochen. Hamas bezeichnete den Angriff auf Jerusalem als eine Reaktion auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem und in dem Viertel Scheich Dscharrah. Die von EU, USA und Israel als Terrororganisation eingestufte islamistische Gruppierung hatte im Fall neuer „Verstöße“ Israels mit neuen Angriffen gedroht.
Während des letzten Gewaltausbruchs zwischen Israel und militanten Palästinenserorganisationen wurden im Mai im Gazastreifen 255 Menschen getötet. In Israel starben 13 Menschen an den Folgen. Israel hatte den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems 1967 erobert. Die Palästinenser sehen ihn als künftige Hauptstadt, Israel beansprucht dagegen ganz Jerusalem als Hauptstadt.
Zunächst war der Flaggenmarsch für vergangenen Donnerstag geplant. Angesichts der explosiven Lage wurde er dann jedoch bis nach der Vereidigung der neuen Regierung verschoben.

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