14 Februar 2020 | Geschichte

Finnische Missionare - 150 Jahre in Namibia

Die ersten Missionare sind vor 150 Jahren in den Norden Namibias angekommen.

Die vergangenen 150 Jahre waren stets mehr als ein finnischer Missionar im Norden, bis der letzte Missionar, Sakari Löytty, Ende vergangenen Jahres nach Windhoek gezogen ist. Die ersten sechs Missionare sind auf Einladung König Shikongo shKalulus ins Land gekommen. Die Rheinische Missionsgesellschaft hat seit 1850 im südlichen und zentralen Land gearbeitet.

Von Tanja Bause

Laut dem Missionar Sakari Löytty hat der deutsche Missionar Karl-Hugo Hahn verschiedene Reisen in den Norden unternommen. „Er konnte Otjiherero sprechen und daher mit dem König kommunizieren. Der König wusste von den Veränderungen und Entwicklungen, die die deutschen Missionare in anderen Landesteilen vorgenommen hatten, und deshalb wollte er ebenfalls Missionare willkommen heißen. Außerdem war sich König shKalulu bewusst, dass die Missionare auch Entwicklungen wie Bildung, Ochsenkarren und feste Häuser mitbrachten“, erklärt Löytty

Die deutschen Missionare waren jedoch in anderen Landesteilen beschäftigt und konnten deshalb nicht auch noch in den Norden gehen. Die finnische Missionsgesellschaft (FMS) wurde 1859 gegründet.

„Hahn war in Helsinki, als die ersten finnischen Missionare ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Er erzählte ihnen von der Einladung des Königs shKalulu. Die ersten sechs Missionare und zwei Maurer reisten nach Deutschland, um für ihren Einsatz im südlichen Afrika von den Deutschen zu lernen. Anschließend fuhren sie mit dem Schiff zuerst nach Kapstadt und von dort nach Walvis Bay. Dann ging es nach Otjimbingwe zur deutschen Missionsstation. Dort lebten sie ein Jahr, um die Sprache und Kultur der Ovambo zu lernen.“ Das geschah über das sprachverwandte Otjiherero.

Mit einem Ochsenkarren ging es über Omaruru nach Omandongo, der heutigen Oshikoto-Region, wo sie am 9. Juli 1870 ankamen.

Die finnischen Missionare befolgten die Strategie ihrer deutschen Mitstreiter. Sie verbreiteten nicht nur das Wort Gottes, sondern begannen ihre Häuser zu errichten und Gärten anzulegen, um sich selbst zu versorgen.

Erste Anlaufstelle: Omandongo

Einer der bekanntesten Missionare auf Omandongo war Martti Rautanen. Die Einwohner nannten ihn Nakambale, was soviel bedeutet wie „jemand mit einem Körbchen“. Das kam daher, dass Rautenen ständig mit einem Hut umherlief, den die Einwohner für einen Korb hielten.

An dem Platz, an dem die ersten Missionare sich niedergelassen hatten, um mit ihrer Arbeit zu beginnen, steht heute ein großes Kreuz sowie eine bronzene Statue von Rautanen, der nur noch Nakambale genannt wurde. Er starb am 19. Oktober 1926 in Olukonda und wurde dort auch beerdigt.

„Die Missionare waren derart beschäftigt, Schulen und Häuser zu bauen, die Einwohner zu unterrichten und ihre Gärten zu bestellen, dass sie kaum Zeit hatten, das Wort Gottes zu predigen. Das bedeutet, dass die ersten sechs Einwohner 13 Jahre, nachdem die Missionaren angekommen waren, getauft wurden.“

Christian Iitope, ein Geschäftsmann und Sekretär der Missionare in der östlichen Diozöse, möchte Omandongo weiter entwickeln. „Wir möchten den Platz, der den Anfang unseres Christentums ist, in eine Touristen- Attraktion entwickeln. Wir möchten eine richtige Kapelle bauen, so dass wir nicht mehr in der Wellblech-Kirche Gottesdienst halten müssen. Wir wollen außerdem Campingplätze und sanitäre Anlagen bauen.“

Sehenswert: Das Nakambale-Museum

Das Nakambale-Museum liegt bei der ehemaligen finnischen Missionsstation in Olukonda bei Ondangwa.

Es wurde nach dem ersten finnischen Missionar auf Olukonda benannt. Nakambale hatte 1889 zuerst die Kirche und vier Jahre später sein Haus gebaut. Beide Gebäude stehen noch und wurden 1992 durch die namibische Regierung zum Nationalen Erbe erklärt.

Museumführerin Matti Namandje erklärt: „Der König hatte Nakambale eingeladen, deshalb baute der Missionar sein Haus in der Nähe des Königs, um so von ihm besser beschützt zu werden.“

„Im Studierzimmer hatte Nakambale die Bibel aus dem Finnischen in Oshindonga übersetzt. Auch hat er ein oshindonga-deutsches Wörterbuch entwickelt. Bei ihm zuhause wurde nicht finnisch, sondern deutsch gesprochen. 1872 heiratete er die Deutsche Frieda Kleinschmidt, Tochter des Missionars Franz Kleinschmidt.“ 1885 begann Nakambale mit der Übersetzung der Bibel, und 1903 wurde das Neue Testament veröffentlicht. Die Übersetztung des Alten Testaments folgte 1920. Dieses wurde erst 1954 gedruckt. „Nakambale hat die gedruckte Fassung dieser Übersetzung nie gesehen. Seine Tochter Johanna nahm diese Bibel in Empfang.“ Das Ehepaar Rautanen hatten zusammen neun Kinder, von denen allerdings nur drei überlebten, da die meisten an Malaria starben.

Rautanen arbeitete über 50 Jahre als Missionar im Norden des Landes. 1925 hat er die ersten sieben einheimischen Pastoren eingesegnet. Nicht weit vom Museum befindet sich die Kirche, vor der einer der Ochsenwagen steht, mit dem die Missionare 150 Jahre zuvor angekommen waren. Der Ochsenwagen wurde in der damaligen Zeit von 22 Ochsen gezogen. Ein Trek von Omaruru nach Omandongo dauerte einen Monat.

Mit Hingabe aufgebaut

Die finnischen Missionare sind von Omandongo aus weiter ins Land gezogen. 1872 haben sie dann eine Missionsstation auf Oniipa errichtet. Dr. Selma Rainio war eine der ersten 13 Ärztinnen, die damals in Finnland ausgebildet wurden. Im Alter von 35 Jahren kam sie am 14. Dezember 1908 in Oniipa an. Rainio behandelte täglich zwischen 40 und 50 Patienten. 1909 hatte sie einen Bauplan für ein Hospital mit Krankenzimmern sowie Unterkünfte für die Helfer entworfen und an die FMS geschickt. Sechs Monate später wurde der Plan genehmigt.

1911 wurde das Krankenhaus in Betrieb genommen. Lucia Hafeni ist Kuratorin des Onandjokwe-Krankenhausmuseums, dem ehemaligen Krankenhaus in dem Rainio wirkte. Das Krankenhaus wurde nach der Gänseart „Oondjokwe“ genannt. Diese schwarzen Gänse kamen in dieser Zeit auf dem Krankenhausgelände zuhauf vor.

1912 beschloss Dr. Rainio, eine Klinik für ambulante Patienten zu errichten. Aufgrund ihrer vorherigen Erfahrung fragte sie die Kirche erst gar nicht um Erlaubnis. Auch ließ sie nicht zu, dass ein Missionar die Bauaufsicht übernahm. Sie und ihre Haushälterin Selma Santalahti haben selbst gebaut.

„Dr. Rainio hat später öfters voller Stolz darauf hin gewiesen, dass diese Klinik von Frauen gebaut wurde.“ 1938 wurde der Operationssaal mit Narkoseapparaten und Sterilisierungsausrüstung, Klimaanlage sowie einem Operationstisch aufgerüstet. „1930 wurden die ersten Krankenschwestern aus Onandjokwe von Dr. Rainio ausgebildet.“

Ein Großbrand hatte 1958 40 der damals 70 bestehenden Gebäude vernichtet. In den Ruinen des Krankenhauses stieß man auf ein Stück angebranntes Holz. Pastor Julius Mtuleni betrachtete sich dieses Stück genauer und konnte eine große Ähnlichkeit mit Flügeln feststellen. So entstand der „Engel von Onandjokwe“. Heute hängt dieser Engel im Museum, um es zu beschützen.

„Viele Mütter schenkten als Dankeschön Dr. Rainio Hühner und Ziegen und als Ehrenbezeugung nannten sie ihre Töchter nach der Ärztin Selma“. Dieser Name ist heute noch gängig. Dr. Rainio wurde von den Einwohnern Kuku gwaNandjokwe genannt, was soviel bedeutet wie Onandjokwes Großmutter. Am 5. Januar 1939 starb diese Ärztin, die Unglaubliches geleistet hat, in Onandjokwe.

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