14 Juni 2018 | Wirtschaft

Finanznot plagt Arbeitsagentur

Staatsinstanz völlig überfordert: Auf einen Beamten kommen 2800 Jobsuchende

Die Arbeitsagentur wird unterversorgt, womit ein bedeutender Beitrag zur Beschäftigung im Land schwer fällt. Ein Bericht zeigt, dass die staatliche Instanz stark unterbesetzt ist, nur eingeschränkte Dienste anbietet, größere Räumlichkeiten benötigt und sich besser koordinieren muss.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Ein aktueller Bericht zeigt große Mängel im noch recht jungen System der öffentlichen Arbeitsverwaltung (Public Employment Services, PES) Namibias auf. Das kürzlich in Windhoek vorgestellte Dokument, das vom hiesigen Arbeitsministerium sowie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verfasst wurde, enthält auch entsprechende Empfehlungen.

Allerdings reiche das derzeitige Budget von „nicht mehr als 2 Millionen N$“ nicht aus, um die Vorschläge auch umzusetzen, heißt es in dem über 60 Seiten langen Bericht: „Die vorhandenen Mittel erlauben der staatlichen Arbeitsvermittlung nicht, genug Kapazitäten zu schaffen, um sich als bevorzugte Anlaufstelle für Arbeitgeber, Jobsuchende und andere Interessenvertreter zu etablieren.“ Die benötigten Mittel könnten zunächst aus dem Entwicklungsfonds der Sozialversicherungskommission kommen, später evtl. aus Reserven der nationalen Trainingsbehörde (NTA) oder eines Pensionsfonds.

Kapazität reicht nicht aus

Laut dem Bericht haben sich seit dem Start des Systems im Jahr 2014 insgesamt rund 60000 Arbeitssuchende registriert – allein 15000 Personen sollen sich 2016 angemeldet haben, wovon 1371 eine freie Stelle vermittelt worden sei. „Das System steht aber vor erheblichen Kapazitätsschranken“, heißt es. Der Bericht geht von landesweit 24 Sachbearbeitern aus, von denen jeder „im Durchschnitt für 2800 Jobsuchende verantwortlich“ sei. Zum Vergleich: In der EU kämen auf einen Beamten gerademal 200 Personen, in Tunesien 267, in Ägypten 577 und in Marokko 1057.

In dem Arbeitspapier wird vorgeschlagen, eine Analyse durchzuführen, um den Personal- und Ausbildungsbedarf festzustellen. Gleichzeitig sei es auch möglich, bei akuter Personalnot von Praktikanten Gebrauch zu machen. Zusätzlich müsse die Arbeitsvermittlungsstelle in Windhoek „schnellstmöglich in größere Räumlichkeiten umziehen“ – der ehemalige Sitz des Arbeitskommissars sei als kurzfristige Lösung ideal geeignet. „Zusätzlich sollte ein getrennter Informatikbereich eingerichtet werden, der gut ausgerüstet ist und vor allem Jugendlichen Druck- und Kopiermöglichkeiten bereitstellt“, heißt es.

Leistungen ausbauen

„Das Leistungsangebot des Arbeitsamtes ist zu sehr beschränkt und erfüllt nur grundlegende Ansprüche“, heißt es in dem Dokument weiter. So seien die Dienstleistungen nicht auf die Bedürfnisse einzelner Jobsuchender zugeschnitten – speziell was „Unterstützung bei der Arbeitssuche, Arbeitsmarktinformationen, Beratung zur selbständigen Erwerbstätigkeit und Regulierung privater Arbeitsvermittlung“ betreffe. Ebenso sei das Dienstleistungsangebot für Arbeitgeber stark beschränkt. „Trotz lobenswerter Bemühungen, sich mit dem Privatsektor auszutauschen, wurde bis dato noch keine praktikable Privatsektor-Strategie erstellt“, heißt es. So sollte bspw. ein enger Kontakt zu u.a. der Handelskammer und dem Arbeitgeberverband (NEF) gepflegt werden.

Ferner mangele es in der öffentlichen Arbeitsverwaltung auch an „institutioneller und systematischer Koordination“. Gerade in Entwicklungsländern sei eine Partnerschaft mit privaten Arbeitsvermittlerstellen von großer Bedeutung. Gleichzeitig habe das namibische Arbeitsamt enge Beziehungen zu „Schlüssel-Organisationen im öffentlichen Sektor“ vernachlässigt. Ferner sei zu empfehlen, „Partnerschaften mit anderen Dienstleistern im öffentlich, privaten und regierungsunabhängigen Sektor (zu) vertiefen“ und einen besseren Informationsaustausch zu ermöglichen.

Ferner könne sich die Arbeitsagentur so auch dem Missverhältnis zwischen vorhandenem und benötigtem Fachwissen widmen. „Bessere Arbeitsmarktinformationen können Institutionen und Firmen, die eine (Berufs-)Ausbildung anbieten, genauer informieren und gleichzeitig Jobsuchenden bei der Berufswahl helfen“, heißt es in dem Bericht. Ein Vorschlag ist, Partnerschaften mit Schulen, Ausbildungszentren und Universitäten zu schließen, um mithilfe sogenannter Tracer-Studien den Werdegang der Absolventen nachzuvollziehen.

Gleiche Nachricht

 

Export-Schlachthof geplant

vor 22 stunden | Landwirtschaft

Von Frank Steffen, Windhoek/OtjiwarongoDie Fachberaterfirma Quivertree Consulting (QC) wurde vom Schlachtbetrieb „Rooibult Meat Processors“ (RMP) - 6 Kilometer südwestlich von Otjiwarongo auf der Farm Goodhope...

Auszeichnung für besten Gesamtaussteller im Außenbereich

vor 22 stunden | Landwirtschaft

Das namibische Unternehmen AGRA, das auf Landwirtschaft und Viehhaltung spezialisiert ist, wurde auf der diesjährigen Handels- und Landwirtschaftsmesse (Windhoek Show) ausgezeichnet. Den Preis erhielt das...

Namibia trägt zum Klimaschutz bei

vor 1 tag - 15 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Windhoek (ste) - Am internationalen „Tag des Baumes“, der in Namibia seit mehr als 25 Jahren gefeiert wird, pflanzte das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserbau...

Inflation gewinnt weiterhin an Fahrt

vor 1 tag - 15 Oktober 2018 | Wirtschaft

Von Clemens von Alten, WindhoekIm September ist die jährliche Inflationsrate von 4,4 Prozent im August auf 4,8 Prozent im Folgemonat gestiegen – der Höchstwert dieses...

Inflation legt erneut zu

vor 4 tagen - 12 Oktober 2018 | Wirtschaft

Windhoek (cev) – Im September hat in Namibia der Preisdruck aufgrund gestiegener Treibstoffpreise erneut an Fahrt gewonnen. Die jährliche Inflationsrate ist von 4,4 Prozent im...

Farmer sind gefordert

vor 4 tagen - 12 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Von Frank Steffen, Windhoek Die Jahreshauptversammlung des namibischen Landwirtschaftsverbandes NAU, die gestern in Windhoek abgehalten wurde, war inhaltlich teilweise eine Fortsetzung der Jahreshauptversammlung des namibischen...

Privatinvestitionen gefordert

vor 4 tagen - 12 Oktober 2018 | Wirtschaft

Windhoek (nic) – Der Privatsektor muss mehr in die namibische Wirtschaft investieren. Dies brachte Finanzminister Calle Schlettwein gestern bei einer Beratungssitzung zur Verbesserung der hiesigen...

Landwirtschaft im Fokus

vor 5 tagen - 11 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Von Frank Steffen, Windhoek Gestern berieten sich Technokraten aus Regierungskreisen mit den Farmern um die Arbeitsschaffung Wertschöpfung zu verbessern. Der namibische Minister für Landwirtschaft, Wasserbau...

LPO wird von NAU bezuschusst

vor 6 tagen - 10 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Windhoek (ste) • Seit dem Jahr 2016 wurde dem Viehzuchtverband LPO allmählich die finanzielle Unterstützung seitens des Staates entzogen. Die anfangs erwarteten Verluste von mehr...

Farmer müssen umdenken und teilen

vor 6 tagen - 10 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Von Frank Steffen, Windhoek Gestern fand die Jahreshauptversammlung des namibischen Viehzuchtverbands LPO in Windhoek unter der Leitung des Verbands-Vorsitzenden Piet Gouws und seinen beiden Beisitzern...