18 September 2019 | Leserpost

Fehlende Transparenz und Offenheit

Betr.: Holzkohleproduktion im Kontext (AZ, 13.9.2019)

So, nun versucht die NCA also mal wieder, Diskrepanzen in den veröffentlichten Zahlen zu erklären. Letztes Jahr um diese Zeit wurde z.B. für 2018 eine Jahresproduktion von rund 80000 Tonnen angegeben - für rund 600 Produzenten. Ich habe mir daraufhin die Zahlen der FSC-Statistiken angesehen und herausgefunden, dass allein etwa sechs bis sieben Holzkohleproduzenten diese 80000 Tonnen als Umsatz angegeben haben. Und was werden wohl die anderen ca. 590 Produzenten geliefert haben?

Die Produktionsrate betreff Umwandlung von Holz zu Holzkohle, liegt im Durchschnitt unter 20%. Nun kommt die Information, dass man „meistens“ nur über die Holzkohle berichtet, die über den Verband geliefert wird. Wenn das stimmt, müssen die tatsächlichen, umweltschädlichen Emissionen noch weitaus höher sein, als bisher angenommen.

Aber, wenn man über namibische Holzkohleproduktion berichtet, muss ALLE produzierte Holzkohle erfasst sein. Aus den regelmäßig veröffentlichten Zahlen muss also abgeleitet werden können, dass die Industrie, die den bei Weitem größten, negativen Einfluss auf die Umwelt in Namibia hat, nicht nur gewaltige Emissionen erzeugt, sondern obendrein nicht transparent geführt wird.

In der Tat, es gibt sie tatsächlich, die Büros der Forstverwaltung. Richtig, es gibt auch strenge Vorschriften. ABER: Das Forestry Office in Outjo z.B. hat kein Auto, um die vorgeschriebenen (strengen) Kontrollen durchzuführen sowie hin und wieder keinen Strom für den Computer. Harvesting Permits werden ganz einfach im Büro ausgestellt und unterliegen keiner Kontrolle.

Aber selbst wenn die Beamten ein Auto haben, dauert es Jahre, bis die gegen Vergehen vorgehen. Auf einer bekannten Farm wurde mehr als zwei Jahre lang mit 80 bis 100 Kilns produziert - und zwar ohne Zulassungspermit. Es hagelte Beschwerden seitens der Lodges, Gästefarmen, usw. im Forstbüro. Erst als dass Ministerium eingeschaltet wurde, wurde etwas getan, aber es dauerte immer noch länger als ein Jahr, bevor irgendetwas passierte.

In einem anderen Fall wurde ein Jahr lang in Abständen von ca. 10 Metern, entlang eines Riviers jeder Baum abgeschlagen. Viele Menschen haben protestiert - passiert ist nichts.

Auch das FSC kann nachweislich ausgetrickst werden und wird es wohl auch. Die NCA behauptet, man habe eine Prüfung hinsichtlich der gefährlichen Emissionen ausgeführt. Auf Nachfrage nach dem Ergebnis wird dieses Ergebnis als “Top Secret” eingestuft.

Ein weiterer Holzkohlenexperte hat angeblich ein Retortensystem entwickelt, mit einem wesentlich geringeren Ausstoß an gefährlichen Emissionen. Wenn man so argumentiert, muss man das geprüft haben. Auf Nachfrage gibt es die Auskunft, man habe dies nicht geprüft - das habe die NCA getan (die das wiederum bestreitet).

Dann wird groß verkündet, man habe die Emissionen getestet und weitere Prüfungen durchgeführt. Wie sah dieser Test aus? Man hat ein paar Holzscheite ein Jahr lang trocknen lassen und dann im Labor getestet. Ein Test an den Kilns wurde -nach mittlerweile 25 Jahren - nicht durchgeführt. Wen will man hier für dumm verkaufen? Und im Übrigen wurden trotz diesem wackligen Test mehr als 100 verschiedene, schädliche Emissionen festgestellt. Man weiß genau, wie die Öffentlichkeit reagieren wird, wenn die Ergebnisse bekannt würden.

Entbuschung (De-bushing) ist notwendig, das ist keine Frage. Aber die heutige technische Methode ist bedenklich und gefährlich. Ein beliebtes Argument ist, dass jeder Baum/Busch ca. 60 Liter Wasser pro Jahr verbraucht und wenn man den Busch kappt, werden wir kurz über lang nicht nur in einer Savanne leben, sondern bis zu den Knien im Wasser stehen. Man sieht aber darüber hinweg, dass unsere Eindringer-Büsche nach dem Kappen sehr schnell nachwachsen - oder verschweigt man etwa den Einsatz von „Chemikalien“?

Das gilt insbesondere für den Mopane, der nach dem Kappen der Bäume (nicht Büsche) gleich wieder jede Menge neue Triebe bildet, richtig zur Verbuschung beiträgt und auch weiterhin Wasser verbraucht.

Es gibt Unternehmen, die in Europa die Holzkohle aus Namibia als „retortenproduziert“ anbieten und verkaufen.

Wir hatten in letzter Zeit mehrfach das Vorrecht, mit deutschen Touristen über die sehr negative Umweltentwicklung zu sprechen. Früher war es leicht möglich, die Schuld für die aktuelle Umweltverschmutzung auf Veldbrände zu schieben. Heute geht das nicht mehr, aus Mangel an brennbarem Gras. Und es wird vermutlich nicht allzu lange mehr dauern, bis z.B. in Deutschland über die Art der Holzkohleproduktion in Namibia berichtet wird.

Rolf Wagner, Outjo

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