30 Juli 2018 | Meinung & Kommentare

Fatale Folgen des Phlegmas

Von Beihilfe zum Mord war die Rede. Von unterlassener Hilfeleistung. Warum hat die Polizei vergangene Woche nicht den Tod einer jungen Frau verhindert, die ihren Ex-Freund und Mörder kurz zuvor angezeigt hatte?

Wer in Namibia eine Uniform trägt, dem kann die tägliche Gewalt an Frauen und Kindern nicht verborgen bleiben. Dem muss bewusst sein, dass häuslicher Gewalt fast immer eine Kränkung des Täters vorausgeht. Der sollte wissen, dass Männer, die ihre Partner als Privatbesitz betrachten, vor allem eines nicht ertragen können: Zurückweisung.

Und dem sollte klar sein, dass das Motiv von Beziehungstaten meist verletzte Eitelkeit besitzergreifender Männer ist. Weil sich die Freundin mit einem Fremden unterhalten, weil sie eigenmächtig das Haus verlassen, weil sie den Gehorsam verweigert hat. Dem müsste also aus trauriger Erfahrung bekannt sein, dass es für Frauen fatale Folgen haben kann, die Beziehung mit eifersüchtigen Chauvinisten zu beenden, wie es das jüngste Opfer kurz vor ihrem Tod getan hat.

Wer als Polizist mehr als Dienst nach Vorschrift macht, der sollte es also nicht auf die leichte Schulter, sondern verdammt nochmal ernst nehmen, wenn Frauen gegen ihren übergriffigen Mann oder rachsüchtigen Ex-Partner Anzeige erstatten. Der sollte sie vor dem Täter schützen und diesen auf Grundlage der Anzeige festnehmen.

Dass dies im aktuellen Fall wie so oft zuvor nicht geschehen ist, hat nun ein weiteres Opfer mit dem Leben bezahlt. Weil Polizisten abgewartet und nicht eingegriffen haben. Weil sie sicher waren, es werde kaum so schlimm wie geschildert sein. Weil sie die Darstellung der Frau als Übertreibung abgetan und geglaubt haben, die Dinge würden sich von selbst einrenken, der Mann wieder zur Besinnung kommen. Weil sie erneut unterschätz haben, wozu Männer hierzulande fähig sind, für die Frauen Freiwild sind und Gleichberechtigung ein Fremdwort ist.

Und wenn sie weiter nichts tun, wird auch das Töten und Sterben nicht enden.

Marc Springer

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