02 Juni 2020 | Landwirtschaft

Farmer nicht aus dem Schneider

Landwirtschaft kämpft mit zunehmenden Kosten und weniger Einnahmen

Laut dem Quartalbericht der NAU war der Regen der vergangenen Saison nicht überall gleichgut. Einige Regionen leiden weiter unter der langjährigen Dürre und Gegenden mit gutem Niederschlag haben sich noch nicht vollends erholt. Erhöhte Inputkosten kombiniert mit unverhältnismäßigen Einnahmen und der COVID-19-Pandemie, setzen Farmer unter Druck.

Von Frank Steffen, Windhoek

Der Namibische Landwirtschaftsverband NAU berichtet in seinem ersten Quartalsbericht-2020, dass die für die Landwirtschaft zutreffende Inflationsrate für die Zeit seit dem Quartalsbericht des Vorjahres, auf 3,1 Prozent berechnet wurde. Der Produktionskostenindex habe in diesem Zeitraum von 106,1 Basispunkten auf 109,4 zugelegt (das Jahr 2017 dient als Grundvergleich). Die zugenommenen Kosten seien hauptsächlich auf die medizinischen Kosten (9,5% teurer als im Jahr zuvor) sowie die Zunahme der Futterkosten (5,3%) und des Treibstoffs (4,6%) zurückzuführen gewesen. Der abnehmende Wechselkurs des Randes habe des Weiteren zur Inflationsrate beigetragen.

Dagegen hätten sich vor allem die Rinderpreise erholt im Vergleich zum Vorjahr. Durchschnittlich hätten die Fleischpreise mit 14,8 Prozent zugenommen. Die Preise für Absatztiere sowie die Schlachtpreise generell, hätten zugenommen. Allerdings habe die in Südafrika teilweise ausgebrochene Maul- und Klauenseuche sich auch nachteilig auf die Absatzpreise ausgewirkt. Die Schafpreise hätten indessen mit 4,9% im vergangenen Jahr nachgelegt.

Effizienz ist gefragt

„Da der Farmer weiterhin teurer für die Inputkosten zahlt und verhältnismäßig gerechnet weniger für das Produkt empfängt, sehen sich Produzenten gezwungen, genau wie in den vergangenen 14 Jahren, diese Differenz durch verbesserte Produktion und Effizienz wieder einzufahren. In der Rinderproduktion handelt es sich um 3,1 Prozent und im Falle der Schafe um 0,7 Prozent pro Jahr“, heißt es in dem Bericht.

In den sieben Jahren 2013 bis 2019 hätten die meisten Gebiete Namibias mindesten fünf Jahre lang weniger als den Durchschnittsniederschlag verzeichnet, welches zur Erschöpfung der natürlichen Weidereserven und zu einer Verringerung der Wasserkapazität im Land geführt habe. Deshalb seien Tierbestände notgedrungen abgebaut worden. Die Vermarktung einer großen Anzahl von Zuchttieren beeinträchtige nun die Fortpflanzungsfähigkeit des namibischen Viehsektors und somit ziehe sich die Wiederaufbauphase der Viehhaltung hin.

Namibia habe zwar Anfang 2020 in den Viehzuchtgebieten gute Regenfälle vermeldet, doch leide der Süden weiterhin an der anhaltenden Dürre. Immerhin sei der landesweite Bann der Dürre gebrochen. Die beginnende Erholung der Herdenbestände habe dazu geführt, dass Farmer ab Juni 2019 etwa 7,1 Mrd. N$ an Schulden aufgenommen hatten, gegenüber dem Stand von 6,3 Mrd. N$ im Vorjahr - dies entspreche einer Zunahme der Verschuldung um 13,1%. Es werde erwartet, dass infolge der bereits vorher bestandenen Verschuldung durch die Dürre, die Erholung der Landwirtschaft drei bis fünf Jahre dauern könnte. „Darüber hinaus wird die Erholung nach der Dürre jetzt durch die COVID-19-Pandemie erschwert, denn jetzt entstehen Unsicherheiten, die eine Reinvestitionen in die Landwirtschaft negativ beeinflussen könnten“ wird in dem Bericht gefolgert.

COVID-19-Auswirkungen

Der Agrarsektor versuche in der Zweit der COVID-19-Pandemie die derzeitige Beschäftigung aufrechtzuerhalten und die vom Markt benötigten Waren und Lebensmittel bereitzustellen. „Bekanntlich beschäftigt und unterhält die Landwirtschaft etwa 70% der namibischen Bevölkerung und unterstützt einen großen Teil der ländlichen Wirtschaft. Die Einstufung dieses Sektors als notwendige Dienstleistung war ein guter Ausgangspunkt. Es kann jedoch noch mehr getan werden, um die Nachhaltigkeit des Sektors über COVID-19 hinaus sicherzustellen“, fordert die NAU.

Die NAU beklagt den Einbruch im Tourismussektor (inklusive der Jagdfarmerei), welcher sich für Farmer als Alternative zur Viehwirtschaft oder dem Ackerbau entwickelt hatte. Der Corona-Virus habe sich aber auch nachteilig auf die Futterkosten der Milchproduzenten ausgewirkt, denn durch das Alkoholverkaufsverbot, hätten Milchfarmer weniger Zugriff auf Treber (Futternebenprodukt im Bierbrauprozess), welcher vorher billiger und regelmäßiger zur Verfügung gestanden habe.

Ebenfalls hart vom COVID-19 getroffen, sei der Handel mit Swakara-Pelzen (Karakul). Nach der anhaltenden Dürre sei im April die Pelzauktion aufgrund des Flugverbots abgeblasen worden. Die Online-Auktion sei weniger erfolgreich gewesen und seien die Restbestände für die September-Auktion aufgehoben worden, doch verursache dies einen Cashflow-Mangel. Der NAU rechne indessen mit einem Einbruch im Fleischhandel, da die hohe Arbeitslosigkeit sowie abgenommene Einkommen der Verbraucher, sich unweigerlich auf die Abnahme der Farmprodukte auswirken werde.

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