10 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Farmer müssen umdenken und teilen

Viehzuchtverband will nachhaltige Lösungen finden und zur Änderung beitragen

Der Präsident des namibischen Viehzuchtverbands fordert unter Beifall sämtliche Verbandsmitglieder und Farmer zur Zusammenarbeit auf regionaler und nationaler Ebene auf, damit ein Schlüssel zur fairen Verteilung der Ressourcen und des Wohltands gefunden werden kann - im eigenen Interesse sowie dessen Namibias.

Von Frank Steffen, Windhoek

Gestern fand die Jahreshauptversammlung des namibischen Viehzuchtverbands LPO in Windhoek unter der Leitung des Verbands-Vorsitzenden Piet Gouws und seinen beiden Beisitzern Harald Marggraff (Betriebsleiter des Namibischen Landwirtschaftsverbands NAU) und JC de Klerk (Exekutivmitglied des Verbands) statt. Dabei kam auch Ryno van der Merwe als Präsident dieses Verbands sowie als Präsident des NAU-Dachverbands zu Wort und machte keinen Hehl aus der Tatsache, dass die fünftägige zweite Landkonferenz der Vorwoche für ihn und seine Kollegen eine seelische Belastung war.

„Es ist wahnsinnig schwer in allen Dingen der Unredlichkeit oder des Eigennutzes beschuldigt zu werden und dabei teilweise regelrecht beschimpft zu werden. Als verschwindende Minderheit mussten wir uns gegenüber einer politisch-emotional aufgeputschten Menge verantworten, die keine Argumente entgegennahm“, erklärte der Farmer. Die „radikalen Ankündigungen der Ex-Präsidenten“, die notfalls eine Verfassungsänderung vorschlugen, damit den Farmern das Land weggenommen werden könne, hätten zu großer Sorge geführt. Diesbezüglich lobte van der Merwe die Staatsanwälte, die einem solchen Argument sofort einen Riegel vorgeschoben hätten. Doch: „Immer wieder wurden wir von Teilnehmern ermahnt, dass wir die Regierung nicht in die Ecke drücken sollen.“ Dabei sei zu beachten, dass nachmaßen die Konferenz fortgeschritten sei, doch einige Teilnehmer einsahen, dass die politisch geladenen Emotionen nicht mit den Realitäten der namibischen Wirtschaftslage und schon gar nicht mit den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Landwirtschaftssektor in Einklang gebracht werden können.

Laut van der Merwe habe er keinen Falls den Mut verloren, zumal Präsident Hage Geingob eindeutig erklärt habe, dass die Regierung nicht ohne Weiteres an Artikel 16 der Verfassung, der sich mit dem Recht auf Landbesitz befasst, rütteln werde. „Natürlich brauchte ich jetzt erst einmal neue Puste, aber ich wiederhole, was ich bei bereits der Landkonferenz sagte: ‚Ich bin in diesem Land geboren und gehöre hierher, genau wie alle anderen - ich werde nicht verschwinden.‘ Und die Worte des Präsidenten haben mich beruhigt, denn er versicherte uns, dass wir als Weiße genauso viel Rechte haben wie jeder andere Namibier“, berichtete van der Merwe.

Gleichzeitig warnte er alle Verbandsmitglieder, dass der Präsident tatsächlich ihre Hilfe brauche, wenn er die große Einkommenskluft zwischen Arm und Reich zumindest annähernd schließen wolle. „Noch liegt es an uns, wie wir eine Änderung herbeiführen und dabei braucht jetzt nicht jeder seinen Arbeitern ein paar Hektar abzugeben. Es geht um verbesserte Lebensumstände und einem redlichen Beitrag zur Nahrungsmittelbank, die die Regierung auf die Beine stellen möchte - wir müssen umdenken und teilen“, forderte der Verbandspräsident, der bereits morgen, während des NAU-Kongresses, die ersten Entschlüsse vornehmen möchte. Deswegen erwarte er Ideen und Pläne, denn es bleibe nicht viel Zeit.

Er wolle zur Änderung beitragen, bräuchte dafür aber die Hilfe seiner Kollegen. „Ich weiß, dass wir bereits viel getan haben, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass dies bisher nicht von der breiten Masse erkannt wird. Und es hilft auch nicht zu behaupten, dass wir bereits durch Dürre und Viehverluste, Raubüberfälle und Wilderei sowie Ernteausfälle genügend beitragen. Die Realität verlangt mehr von uns und ich denke unsere Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft“, betonte van der Merwe.

Ärgerlich reagierte van der Merwe indessen auf einzelne Mitglieder oder Farmer, die mit einschlägigen Aussagen und Kommentaren in den elektronischen Medien alles zu Nichte machen würden, was die restliche Farmergemeinschaft mühevoll aufbaue. „Diese teilweise rassistischen und ungerechtfertigten Bemerkungen und Meinungen erscheinen unweigerlich im Netz und dann akzeptieren gerade solche Leute wie die emotionsgeladenen Landkonferenz-Teilnehmer, dass dies die Meinung aller Farmer ist - da wird dann kein Unterschied getroffen!“ erregte sich van der Merwe und forderte die Mitglieder auf, solche Personen zu outen und eines Besseren zu belehren.

Gleiche Nachricht

 

Weide-Disput: Polizeieinsatz bei Wilhelmstal

1 woche her - 15 August 2019 | Landwirtschaft

Angesichts der beispiellosen Dürre werden Farmer in der Erongo-Region von den Behörden zu mehr Kooperation aufgerufen. Hintergrund dieses Appells ist ein Weide-Disput bei Wilhelmstal, der...

Alternative in der Landwirtschaft

1 woche her - 15 August 2019 | Landwirtschaft

Von Frank SteffenWindhoek/OtjiwaBevor die zweite Messe für Biomassen-Technologie, die am 9. August 2019 auf dem Farmgelände der Otjiwa Safari Lodge, südlich von Otjiwarongo begann, wurde...

Wiederaufbau nach der Dürre

1 woche her - 15 August 2019 | Landwirtschaft

Windhoek (ste) - Die Erholung der namibischen Landwirtschaft nach der derzeitigen, anhaltenden Dürrekatastrophe ist die größte Herausforderung, der sich der Agrarsektor in den nächsten...

Zehntausende Rinder in Gefahr

1 woche her - 15 August 2019 | Landwirtschaft

Von Clemens von AltenWindhoekInfolge des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche (MKS) gilt seit Montag für die gesamte Sambesi-Region ein Transportverbot – nicht nur für Paarhufer...

MKS-Ausbruch: Sambesi unter Quarantäne

1 woche her - 14 August 2019 | Landwirtschaft

Windhoek/Katima Mulilo (cev) – Das Veterinäramt hat einen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche bestätigt und die Sambesi-Region abgeriegelt: „Jeglicher Transport von Paarhufern ist ab sofort...

Tiergesundheit-Erklärungen verlangt

vor 2 wochen - 06 August 2019 | Landwirtschaft

Windhoek (ste) - Der namibische Fleischrat fordert alle Viehproduzenten auf, dringend ihre sechsmonatlichen Tiergesundheits-Erklärungen im Büro des Fleischrates abzugeben. Die Resonanz auf eine vorige Aufforderung...

Biomassen-Technologie-Expo auf Otjiwa

vor 2 wochen - 06 August 2019 | Landwirtschaft

Von Frank Steffen, Windhoek Um das Bewusstsein für Technologien zur Gewinnung und Verarbeitung von Biomasse zu fördern, veranstaltet die Namibia Biomass Industry Group (N-BiG) zusammen...

Nicht-registrierte Futtermittel

vor 3 wochen - 02 August 2019 | Landwirtschaft

Der Fleischrat weist alle Farmer erneut darauf hin, dass nur registrierte Tierfutterprodukte als Viehfutter verwendet werden dürfen. Dies steht gleichermaßen im Einklang mit dem Gesetz...

Registration beim Fleischrat

vor 3 wochen - 01 August 2019 | Landwirtschaft

Windhoek (ste) - Der namibische Fleischrat hat die verpflichtete, jährliche Registrierung der Viehproduzenten auf alle fünf Jahre geändert. Diese Änderung sei auf die außergewöhnlich hohen...

Dürrehilfe: Zentralbank spendet fünf Millionen Namibia-Dollar

vor 3 wochen - 01 August 2019 | Landwirtschaft

Die namibische Zentralbank (Bank of Namibia, BoN) hat dem Notfallfonds des Büros der Premierministerin eine Dürrespende in Höhe von fünf Millionen Namibia-Dollar überreicht. „Die anhaltende...