16 Dezember 2002 | Sport

Fallen gehört dazu: Motocrosser im Training

Zwölf Jungs zwischen sieben und 15 ohne Angst vor Staub und blauen Flecken. Drei Tage lang lernten namibische Nachwuchs-Moto-Crosser bei ihrem großen Idol Tyla Rattray.

Es ist 9 Uhr morgens. Noch ist es nicht gnadenlos heiß auf der Gallina-Rennbahn, 18 Kilometer nördlich von Windhoek. Ein leichter Wind weht über die Piste. "Es ist Moto Cross und fallen gehört dazu", sagt Animal Wiese, setzt seinen Helm auf und wirft sein Motorrad an und fährt los. Animal Wiese ist zwölf Jahre alt. Vor drei Jahren stieg er zum ersten Mal auf den Sattel.


Seit Freitag ist er mit zwölf anderen Jungs auf der Gallina-Rennbahn. Sie sind alle nur aus einem Grund gekommen. Die Jungs wollen den großen Grand Prix-Fahrer Tyla Rattray sehen. Rattray ist Südafrikaner, fährt aber seit einiger Zeit Moto Cross in Europa und das ziemlich erfolgreich.


Jetzt ist er hier in Namibia und will die jungen Wilden lehren, was der alte Haase schon kann. Alt ist gut, Rattray feierte vor kurzem auch erst seinen 17. Geburtstag. Eine einmalige Gelegenheit für die jungen Motocrosser von den Besten der Branche zu lernen, auch wenn es nur drei Tage sind. "Ich hatte vier Stunden Zeit, um diesen Kurs zu organisieren", sagt Windhoek Moto Cross Club-Vorstandsmitglied Horst Schnelle. Auf den Weg zur Strecke erklärt er: "Montag hatte ich gehört, dass er nach Namibia kommt. Dienstag war Feiertag und Mittwoch musste alles geregelt werden, Geld, Flugtickets und so." Schnelle hat in kürzester Zeit Windhoeker Firmen als Sponsoren und viel Geld für den Kurs aufgetrieben und das alles nur, weil "ich es versprochen habe", scherzt Schnelle.


Dann geht es durch die kurze Unterführung auf die Rennstrecke. Die jungen Fahrer haben ihre heißen Öfen bereits bestiegen und die ersten Meter zurückgelegt. Das Dröhnen der Motoren ist zu hören, auch wenn es weit weg scheint. Ein leichter Wind weht. Immer wieder wird Staub in die Luft gewirbelt. Schwaden ziehen durch den knallblauen Himmel und legen sich in jede Ritze.


Dort steht Rattray. Sonnenbrille, kurze Hose und ein gelbes Hemd. Er gestikuliert, er zeigt und erklärt. Die Kleinen fahren, stoppen kurz bei ihm und dann geht es weiter. Alle Tipps werden sofort befolgt. Verstehen kann die Anweisungen kein Außenstehender. Motocrosser haben ihre eigene Sprache, die sie selbst beim lautesten Motorengeräusch noch zur Verständigung nutzen können. Insider unter sich.


"Ich bin zum ersten Mal in Namibia, aber ich liebe es hier. Nächstes Jahr komme ich bestimmt wieder ", meint Tayla Rattray, der gerade mal 17-jährige Kursleiter in der Pause. Die Kursteilnehmer rollen einer nach dem anderen in kleine Ställe, ähnlich den Boxengassen in der Formel eins, unter der Haupttribüne. Hier gibt es Schatten. Es wird gescherzt und eine kalte Cola getrunken. Es riecht nach Maschinenöl. Die zwölf Kids nehmen ihre Helme ab, die Haare sind klatschnass, die Gesichter staubverschmiert.


Rattray ist beeindruckt von den Jungs. Sie würden zuhören und tun, was er sagt, erklärt er. "Man kann schon eine Verbesserung von gestern auf heute sehen" sagt er zufrieden und fügt hinzu "hoffentlich schaffen sie es im MX-Sport".


Der junge Tommy Gous ist begeistert. In der Pause sitzt er neben Rattray und schwärmt nur so von ihm: "Er ist sehr freundlich und zwingt uns zu gar nichts. Er lässt uns erst fahren, dann stoppt er uns und zeigt uns in Ruhe die Fehler". So ungeniert schwärmen kann Tommy deshalb, weil er seine leidenschaftliche Begeisterung auf deutsch formuliert - sein großes Vorbild versteht aber kein Deutsch.


Auch dem elf-jährigen Kai Pritzen gefällt der Kurs, "ganz besonders die Geschwindigkeit und das in der Luft sein", sei klasse. Auch wenn hier der junge Nachwchs am Start ist, Sprünge und Geschwindigkeit sind und bleiben Teil vom Moto Cross.


Während die meisten im Schatten sitzen, bastelt Dieter Klosta am Motorrad seines Sohnes Frank rum. Viel Geld hat er bereits in den Sport gesteckt, so auch für diesen Kurs. Mit einem Schraubenschlüssel in der Hand und ölverschmierten Händen meint er: "Jeder Cent hat sich gelohnt. Mein Sohn ist sehr begeistert. In Zukunft bin auch ich dabei."


Nach 20 Minuten ist die Pause vorbei. Die Helme werden wieder aufgesetzt und die Maschinen angeschmissen.


Ein Riesenlärm: Es knattert, donnert, knallt. Je kleiner die Maschinen, desto giftiger klingt das Motorengeräusch. Die Jungs müssen sich anschreien, wenn sie sich etwas sagen wollen. Mit viel Getöse geht es zu einem anderen Streckenabschnitt. Dort reihen sie sich nebeneinander auf. Rattray steht auf dem "Tabel-Top" - eine Sprungschanze - einige Meter von den Fahrern entfernt. Mit ihm zwei Väter und Horst Schnelle. Rattray gibt das Zeichen und einer der Jungs fährt los. Schnell legt er den Abschnitt zurück. Legt sich scharf in die Kurve und fährt dann den "Table-Top" hoch zu Rattray.


Rattray stoppt ihm, schreit ihn an: "Du musst vorne auf den Benzintank sitzen, wenn Du in die Kurve gehst." Es ist einfach zu laut für eine Anweisung in Zimmerlautstärke.


Nach Klosta ist Alex Howard dran. Auch er ist schnell unterwegs. Doch dann legt sich der Junge zu forsch in die Kurve und kann seine Maschine nicht mehr halten. Besorgte Blicke der Väter. Einer rennt sofort hin. Howard reißt sich verärgert die Schutzbrille vom Helm. Nichts passiert, zeigt seine Mine. "Ein blöder Fehler. Das ist so typisch", raunt Alex. Rattray weiß sofort, was Howard falsch gemacht hat: "Alex hat nicht weit genug in der Kurve vorausgeschaut".


So geht das jetzt weiter. Einer nach dem anderen ist dran. Jeder bekommt einen kleinen Tipp von Rattray.


Der 17-jährige Grand Prix-Fahrer möchte, dass die Jungs stehend durch die Kurve fahren. Erst im letzten Teil der Kurve dürfen sie sich setzten. "So sind sie viel schneller", erklärt er. Kleine Tipps, scheinbar unwichtige Details, die aber eine große Wirkung haben.


Erst als Rattray das Gefühl hat, dass jeder die lange Kurve gemeistert hat, geht es weiter zum nächsten Abschnitt.


Es wird immer wärmer. Mehr und mehr Staub wird aufgewirbelt. Ein ganz seltener Anblick: Fakkie Gous, einer der ganz Großen im namibischen Moto-Cross-Sport zieht mit einem riesigen Wasserschlauch um die Strecke. Er bewässert die Streckenabschnitte, damit der Staub nicht überhand gewinnt.


Die Jungs sind geduldig. Sie warten, hören zu und fahren dann los. Versuchen, Rattrays Vorschläge in Taten umzusetzen.


Der Lärm wird jetzt ohrenbetäubend. Denn nach der letzten Übung vor der Mittagspause dürfen die Jungs nochmal kräftig am Gashahn drehen. "Sie dürfen sich jetzt austoben", meint Schnelle.


Dann Rattrays großer Auftritt. Er zieht sich seine Schutzkleidung an und dreht ein paar Runden auf dem Motorrad von Tommy Gous. Der schaut begeistert zu. Er bewundert das Können des Südafrikaners. "Mein Motorrad fährt er, und wie gut", scheint die Miene des jungen Nachwuchs-Fahrers zu sagen. Mit Leichtigkeit beherrscht Rattray die Maschine. Von Runde zu Runde wird er schneller. Nach der kleinen Kostprobe des "Meisters" finden sich alle wieder unter der Haupttribüne wieder. Stille. Die Motorräder sind verstummt und erst jetzt bemerkt man, wie laut der Donner wirklich war. Die Jungs sitzen zusammen und reden. Zwischen ihnen toben Jok und Sascha, zwei Hunde, die Fakkie Gous gehören. Die Väter rauchen eine Zigarette. Gleich soll der Grill angeschmissen werden. Dann gibt es Mittagessen. Die ersten Mütter treffen ein. Auf der Rennbahn und im Leben sind die jungen Motocrosser nicht allein. Morgen geht es weiter.

Gleiche Nachricht

 

4:1-Sieg gegen Leipzig

vor 11 stunden | Sport

Berlin (dpa) - Borussia Dortmund hat zum fünften Mal den DFB-Pokal gewonnen und Julian Nagelsmann den Titel zum Abschied bei RB Leipzig verwehrt. Der Revierclub...

Grootfontein lässt aufhorchen

vor 2 tagen - 12 Mai 2021 | Sport

Windhoek (omu) - Der Aufsteiger aus der 2. Rugbyliga aus Grootfontein hat mit dem Sieg gegen United am Samstag aufhorchen lassen. Das Team aus der...

Neue Siedlung für die Bewohner von Gereres

vor 3 tagen - 11 Mai 2021 | Verkehr & Transport

Windhoek (NMH/km) - Der Stadtrat von Keetmanshoop hat bestätigt, dass die informelle Siedlung Gereres in den nächsten zwei Jahren ausgebaut und weiterentwickelt werden soll. Laut...

Zahlung an Air Namibia-Mitarbeiter geleistet

vor 3 tagen - 11 Mai 2021 | Verkehr & Transport

Windhoek (NMH/sb) - Der Minister für Öffentliche Unternehmen (MPE), Leon Jooste, bestätigte, dass die Regierung einen Teil der 278 Millionen Namibia-Dollar gezahlt hat, die als...

Cohen Faustballer weiter Top

vor 3 tagen - 11 Mai 2021 | Sport

Windhoek/Swakopmund (omu) – Der Cohen Faustball Club hat nach den Turniersiegen des ersten und zweiten Spieltages der hiesigen Faustballliga nun auch den Hallenpokal gewonnen. Mit...

African Buffalos: Im Herzen Borussia Dortmund

vor 4 tagen - 10 Mai 2021 | Sport

Windhoek (omu) - Es ist der neue Hingucker im Klubhaus des Deutschen Turn- und Sportvereins (DTS) - das Fan-Fenster der hiesigen Anhängerschaft von Borussia Dortmund....

Rettung dank Risiko-Rotation?

1 woche her - 07 Mai 2021 | Sport

Berlin (dpa) - Pal Dardai war auch ein bisschen stolz. Dass er auch „die Eier“ habe, eine derartige Rotation durchzuziehen, ließ der 45 Jahr alte...

Rugbyspieler zügig vakzinieren

1 woche her - 06 Mai 2021 | Sport

Windhoek (omu) - Eduard Mensah, Präsident des namibischen Rugby Verbands (NRU) hat Spieler und Funktionäre der Rugby Premier League dazu aufgefordert, sich impfen zu lassen....

Schalkwyk und Yssel weiter

1 woche her - 06 Mai 2021 | Sport

Windhoek (omu) - Nach dem 6:3 und 6:3 Sieg von Connor van Schalkwyk gegen Batsomi Marobea aus Botswana, ist der unter 18-Jährige neben Lisa Yssel...

Faustball-Hallenturnier 2021

1 woche her - 05 Mai 2021 | Sport

Windhoek (sno) - Am kommenden Samstag findet das alljährliche Faustball-Hallenturnier in den Räumlichkeiten des Swakopmunder Faustball Clubs (SFC) an der namibischen Atlantikküste statt. Da das...