22 Februar 2008 | Kultur & Unterhaltung

Faizel geht "All-in" mit neuem Album

Wenn die bedeutenden ersten drei Karten aufgedeckt werden, unter Pokerspielern auch als Flop bezeichnet, schaut auch Faizel gespannt auf die Tischmitte. Für ein par Sekunden ist es dann ruhig in der sonst so belebten Runde. Nach leisem Schnaufen und ungläubigen Blicken versucht ein gemeiner Amateurpokerspieler dann möglichst schnell eine Taktik aus dem Hut zu zaubern. Faizel ist Pokeramateur und doch schwer lesbar. Seine Sonnenbrille braucht er nicht. Seine Augen scheinen ohnehin immer zu lachen - und der Tisch meist gleich mit. Denn außer den Sekunden stiller Spannung, hat der Musiker genug gute Laune, den Tisch bis tief in die Nacht allein zu unterhalten.

Was in der kenianischen Grundschule mit Schauspiel, Musik und Pantomime anfing, professionalisierte er in Namibia und wurde zu einem der großen Entertainer auf den Bühnen des Landes. Wenn es ums Geschäft geht, um Musik und Show, ist er kein Amateur. Seit sein Album "Dayz go by" im Frühjahr 2005 in den Windhoeker Taxis rauf und runter gespielt wurde, ist der heute 25-Jährige fester Bestandteil der namibischen Musikszene. Durch afrikanische TV-Sender dröhnte sein, wie er selber sagt "sehr afrikanisch klingendes" Album mit Hits wie "Best of Both Worlds" bis in seine alte Heimat Kenia, wo er aufwuchs. "Die Menschen dort kennen die Songs, aber ich fühle mich eben jetzt in Namibia zu Hause und bin nicht Teil der kenianischen Szene".

Faizel kam, nach einem Intermezzo in Uganda, 1998 auf Einladung seines Bruders nach Namibia, um Marketing und Medienwissenschaften an der "University of Namibia" (UNAM) zu studieren. Beim Uni-Radio wurde ihm dann klar wohin die Reise gehen soll. Er wollte rappen, kein DJ mehr sein, seine eigene Musik als MC präsentieren. Bekannte Kwaito-Stars wie The Dogg und Gazza halfen ihm dabei und waren schon auf seiner ersten Platte mit von der Partie.

In diesem Monat kommt nun das neue Video "Ekse" auf die Mattscheibe. "Ekse" ist Afrikaans und heißt soviel wie "ich spreche". Es ist der Vorgeschmack auf sein drittes Album, welches den gleichen Namen trägt und im Juli erscheinen wird. "Die Platte wird ganz anders, als die Leute es vielleicht von mir erwarten. Es geht um mich und das was ich denke". Deswegen bezeichnet er sich auf dem neuen Plattencover auch nicht mehr als Faizel MC, sondern schlicht als Faizel, ohne Show.

Auch das Sound-Gemisch seiner neuen Lieder, aus Raggea, Dancehall und House, wird den Künstler neu definieren. Immer wieder summt er die neuen Songs am Pokertisch - und unterbricht dann kurz: "Ich muss endlich aufhören zu rauchen. Bei den neuen Tracks sing ich viel mehr". Er ist unter die letzten Vier gekommen und geht nun "all in", allerdings mit zweifelhaften Karten. Seinem Namen - Faizel heißt auf Swahili Der Erfolgreiche - wird er mit dem "Semibluff" an diesem Abend nicht gerecht. Für ihn aber kein Problem. Er ist keiner der Ehrgeizlinge die laut fluchen wenn's nicht läuft: "Pokern ist echt ein Spass", meint er abschließend.

Mit dem neuen Album will er diesmal auch "All in" gehen. "Die 13 Songs sind für alle, für Schwarze und Weiße, für Jung und Alt, denn sie behandeln die ganz elementaren zwischenmenschlichen Probleme. Ich spreche damit auch nicht nur die Menschen in Namibia an. Das ist Musik für ganz Afrika. Sogar in Europa können sich die Menschen mit dieser Platte identifizieren". Dann stimmt er einen Titel an, der "Leave another Day" heißt: "Wenn du Drogendealer bist, kannst du trotzdem noch ein guter Lehrer werden; Wenn du eine Prostituierte bist, kannst du noch eine gute Mutter werden...". Sein erklärtes Vorbild ist übrigens Nelson Mandela, dem er auch einen Song widmen wird.

Um sein Album auch in Kenia vorzustellen, will er im Sommer zurück nach Ostafrika fliegen. Während er spricht, verstummt die Runde: "Wenn ich diese Sachen sehe, die dort gerade ablaufen, betrübt mich das sehr. Viele Verwandte sind bereits geflohen. Bekannte sind getötet worden, nur weil die Verantwortlichen sich an die Macht klammern. Aber das ist eben Afrika." Die lachenden Augen sind jetzt verschwunden.

"Doch Menschen können sich ändern."

Beim all-in mit "Ekse" scheint er nicht bluffen zu wollen.

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