01 März 2012 | Freizeit

Fahrer der Lüfte - mit dem Ballon über Namibia

Mein Wecker läutet. Noch halb im Tiefschlaf schau ich auf die Uhr: Es ist 4.35 Uhr und stockfinster. Fünfzehn Minuten später stehe ich warm gekleidet mit Jeans und Jacke vor der Tür. Nach einer schnellen Tasse Ricoffy fahre ich langsam im Allradwagen auf der Schotterstraße Richtung Brandberg. Kaum zu glauben, fast die ganze Ortschaft Uis fährt im Konvoi dorthin: Heute werden wir Ballons sehen - viele Ballons.

Es war in der Küstenregion Erongo, im Damaraland, wo das erste Brandberg-Ballon-Festival über fünf Tage veranstaltet wurde. Dort bei Uis, wo wenige Häuser und hohe Abraumhalden als Überbleibsel von dem einstig gewaltigen Tagebau zeugen. Dort wo einst die größte Zinnmine der Welt das begehrte Metall förderte, hat das erste Heißluftballonfestival und das zweite seiner Art in Afrika stastt gefunden. "Es soll das einzige Ballonfestival auf dem Kontinent sein, das jährlich v3ransteltet wird", strahlt Heißluftballonpilot und Event-Organisator Ralf Matthaei und fügt dann hinzu: "Die Kulisse hier ist einzigartig." Zu dem Festival kamen zwölf Teams aus England, Deutschland, Norwegen, Südafrika und Namibia.

Die Idee für eine solche Veranstaltung hatte Matthaei schon lange. Die Bedingungen in Uis sind für Namibia ideal. Es gibt keinen Küstennebel, weniger Wind und keine Stromleitungen. "Hier können wir die absolute Freiheit der Lüfte genießen", so Matthaei. Deshalb habe es auch großes internationales Interesse von Seiten der Piloten gegeben. "Es ist einfach unglaublich. Hier in Namibia kann im Prinzip überall gelandet werden, ohne auf Stromleitungen und befahrene Straßen zu achten. Das hat allerdings den Nachteil, dass es auch schwieriger ist, den Ballon nach der Landung mit dem Fahrzeug zu erreichen", äußert sich ein Ballonfahrer aus Deutschland begeistert.
Ballonpiloten sind ohne Frage keine Langschläfer. Jeder Tag beginnt früh - sehr früh. Uis haben wir lange hinter uns gelassen und sind Richtung Brandberg gefahren. Nach unserer 30-minütigen Fahrt im Dunkeln halten die rund 60 Fahrzeuge. Heute wird nahe der Brandberg-White-Lady-Lodge gestartet. Die ersten Sonnenstrahlen erleuchten das Brandberg-Massiv, das vor uns in die Höhe ragt. Das honiggelbe Gras übersät die Fläche, Bäume oder Büsche sieht man keine. Die Zuschauer nehmen auf einem Hügel Platz. Einige machen es sich mit ihrem Klappstuhl gemütlich. Aus der Thermoskanne wird noch Kaffee verteilt.

Matthaei lässt einen mit Helium gefüllten Luftballon an einer langen Leine steigen. Daran ist ein Messgerät befestigt, das die Windrichtung anzeigt. "Das wichtigste ist die Sicherheit", sagt der Organisator. Deshalb gab es für alle Piloten am frühen Morgen ein Briefing, bei dem Windstärke, -Richtung und sonstige Wetterbedingung im Detail besprochen wurden. An jenem Morgen gibt es nur Zirrus-Wolkenfetzen, Vorboten einer Warmwetterfront. Der Himmel ist sonst klar.
Auf dem Startplatz werden die stabilen Körbe aufgestellt. Der noch zusammengefaltete große Ballon wird von Piloten und Helfern ausgerollt. Alle Zuschauer sammeln sich um einen Ballon und schauen begeistert den Experten bei ihrer Arbeit zu. "Schei...e", sagt Matthaei, als er eine Hand voll Sand fallen lässt. "Der Wind ist zu stark, wir müssen noch ein wenig warten." Die verschiedenen Ballonpiloten testen in der Zwischenzeit ihre Brenner. 3000-PS spuckt jeder mit einer meterhohen Flamme aus. Aus der Ferne klingt ein Brenner wie Darth Vader beim Atmen. Dies ist aber kein Star-Wars-Film.

Heißluftballonpiloten bevorzugen eine Fahrt am frühen Morgen oder am Abend, weil dann die Temperaturen niedriger sind, denn je kälter es ist, desto weniger Gas wird benötigt. Außerdem gibt es in der Früh keine Thermik, die eine Fahrt ungünstig beeinflussen.

Matthaei hat sich entschieden: länger warten, geht jetzt nicht mehr. Nach der kurzen Pause werden die Ballons mit großen Ventilatoren "aufgeblasen". Sobald der Heißluftballon eine bestimmte Größe erreicht hat, werden die Brenner erneut entzündet, die den gigantischen Ballon mit heißer Luft füllen. Die enorme Hitze lässt die begeisterten Zuschauer einen Schritt zurücktreten. Es geht bald los.
In Matthaeis Korb passen acht Passagiere und der Pilot. Die Glücklichen, die heute in die Lüfte steigen, wurden kurz zuvor unterwiesen, wie man sich bei einer Landung zu verhalten hat. Es gibt keinen Sicherheitsgurt, auch keinen Motor. Dennoch ist das Ballonfahren sehr sicher.
Die Passagiere steigen in den Korb, während der Ballon bereits darüber schwebt. Eine Person hält vom Boden aus den Korb fest, um sicherzustellen, dass dieser nicht zu früh abhebt. "Seid ihr bereit? Und los geht's", sagt der Pilot, bevor er ordentlich Gas gibt. Beide Brenner, insgesamt 6000 PS, brüllen auf und der Ballon wird prall. Matthaei zieht an einem Seil und schon startet die Fahrt. Ganz langsam, ganz leise, ohne auch nur ein Geräusch zu machen, steigt der Ballon auf. Die Brenner werden ausgeschaltet und es ist totenstill.

Die anderen Piloten warten nicht lange. Schnell folgen sie Matthaeis Führung und schon bietet sich eine einmalige Aussicht. "Ich habe noch nie so viele Ballons beim Brandberg gesehen", sagt Bazil Calitz vom Brandberg Restcamp und schmunzelt. "Einfach schön", deutet er mit dem Finger auf das Spektakel. Die Fotoapparate klicken auf Hochtouren und alle Zuschauer genießen den Anblick der zwölf Heißluftballons. Piloten können den Heißluftballon nur mit Hilfe verschiedener Winde steuern. Aufgrund der Erhitzung der Ballonluft mit den Brennern werden verschiedene Höhen und damit die Winde erreicht, um in die gewünschte Richtung zu gelangen. Dies ist natürlich Erfahrungssache. "Juhuu", schreit eine Passagierin aus einem Korb. Es ist kurz vor 8 Uhr und das Spektakel am Boden ist vorbei.
Nun beginnt eine neue Herausforderung: Einen gelandeten Heißluftballon aufzusammeln. Das südafrikanische-Team am Boden nimmt eine Route querfeldein, während die anderen auf verschiedenen kleinen Fahrspuren ihr Glück versuchen. Rund eine Stunde nach dem Aufstieg landet der erste Ballon. "Das war richtig lekker", sagt ein Passagier auf gutem Südwester-Deutsch. Jetzt beginnt die Zeremonie des Einpackens. Die zusammengerollte Ballon, wird sorgfältig in die vorgesehene Hülle gesteckt und erscheint zunächst wie ein großer Stoffberg. Alle Gäste werden nun dazu aufgefordert, darauf Platz zu nehmen. Nach einigen Minuten wird der "Berg" von dem Gewicht der Personen auf ein kleineres Maß zusammengedrückt. Jetzt kann der Sack zusammengeschnürt und auf den wartenden Wagen geladen werden. Nun geht es wieder zurück nach Uis, wo ein reichhaltiges Frühstück auf die Frühaufsteher wartet.

"Beim nächsten Mal werden wir auch für Tagesaktivitäten sorgen", sagt Matthaei. Nachdem alle Heißluftballons gegen 10 Uhr landeten, war in Uis nicht viel los. Manche Besucher nutzen das kühle Nass des großen Schwimmbades des Brandberg Restcamps aus, um sich von den hohen Uis-Temperaturen zu erfrischen, während andere sich entspannten oder eine Tagestour zu einer umliegenden Attraktion machten. Horst Schnelle von F&H Promotions hatte im Dorfzentrum ein Festzelt aufgebaut. Mit der Besucherzahl am Samstag war er zufrieden. "Langfristig möchten wir mit diesem Event etwas ganz Besonderes aufbauen", sagt Schnelle. "Dieses Mal mussten wir vieles noch testen und Erfahrungen sammeln. Jetzt wissen wir aber, wo Spielraum für Verbesserungen ist", sagt Matthaei. Die positiven Rückmeldungen der Besucher und die rege Beteiligung der Piloten bestätigen aber schon jetzt den Erfolg des Festivals: "Es war eine einmalige spektakuläre Sache. Die Teams sind alle zufrieden. Im großen und ganzen lief alles reibungslos und es gab keinen Unfall", so der Heißluftballonpilot.
Ganz allein hat Matthaei das Festival allerdings nicht auf die Beine gestellt. Unterstützung bekam er von Astrid Gerhardt, amtierende deutsche Meisterin im Heißluftballonfahren und Trägerin von drei Gasballon-Weltrekorden. Sie fährt seit über zehn Jahren Ballon und hat schon an Heißluftballonfestivals in über 20 Ländern teilgenommen. "Es ist die Begeisterung von allen gewesen, die dieses Festival auch zu etwas Besonderem gemacht haben", sagt sie.
Am Samstagmorgen stand Zielwerfen auf dem Programm. Dazu mussten die Ballonfahrern aus luftiger Höhe mit einer farbigen Markierung ein bestimmtes Ziel treffen. Die Piloten hatten ein großes Kreuz auf dem Flugfeld sowie den Brandberg-Camp-Swimmingpool zur Auswahl. Um den Gästen noch etwas mehr zu bieten, fuhr Astrid Gerhardt extra in die entgegengesetzte Richtung zu der Abraumdüne bei Uis, wo viele Besucher dem Schauspiel beiwohnten.

"Ich wollte den Leuten die Gelegenheit geben, einen Ballon aus der Nähe zu sehen", sagt sie und fügt hinzu: "Leider konnte ich dort nicht landen, das wäre doch toll gewesen?"
Der mit großer Aufregung erwartete Nightglow am Samstagabend, bei dem die Heißluftballons am Boden befestigt werden und in atemberaubenden Farben aufleuchten sollten, fand allerdings wegen der schlechten Windbedingungen nicht statt. Stattdessen bekamen die Besucher eine einmalige Licht-Show zu sehen, bei der die Piloten ihre Brenner im Takt zu verschiedenen Liedern anfeuerten. Am Sonntag sorgten Fallschirmspringer für Unterhaltung.

"Im kommenden Jahr wird das Festival noch größer sein", freut sich Matthaei jetzt schon.
"Leider sind wenig Südafrikaner in diesem Jahr gekommen", sagte die Pilotin Felicity Clegg, die in dem Nachbarland kommerziell Heißluftballon fährt. "Aber wenn ich meinen Freunden sage, wie viel Spaß wir hier hatten, dann werden die im nächsten Jahr auch bestimmt alle kommen", sagt sie und fügt abschließend hinzu: "Das Festival war einfach brillant."

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