05 September 2019 | Glosse

Etwas Hoffnung für und aus Tsôaxhaobmund

Wer auch immer, Swakopmunder Stadtrat, Ästhetik-Komitee, Bürger, die ham´s geschafft, die grobe Geschmacksverirrung aus dem Design des Luxuskomplexes an der Stelle des verhökerten Hallenbads zu entfernen. Sie sind den Gammel-Phallus losgeworden, den Entwickler, Investoren und Architekten den Swakopmundern zumuten wollten.

Aber eins ham se in der jüngsten Stilanpassung noch nich geschafft. Der beabsichtigte Luxusklotz an der Mole is immer noch mindestens zwei Stockwerke zu hoch. Die sollten auch gekappt werden, um im rechten Größenverhältnis zu den Flats im Hintergrund und vor allem zur Molenfront des Strand-Hotels zu stehen. Dass sich besserer Geschmack im Weglassen des Kitsch-Leuchtturms offenbart, bringt etwas Hoffnung für Swakopmund, macht aber den Schildbürgerstreich nich wett, den die braven Bürger sich mit dem faulen Kompromiss geleistet ham, als se sich vom Entwickler über den Tisch ham ziehen lassen. Bitte um Pardon für die Wiederholung dieses abgedroschenen Themas, aber das gibt einfach keine Ruhe. Die Schildbürger von Tsôaxhaobmund ham ein Hallenbad der olympischen Größe, ein Erbe der Vorväter – Ancestral heritage – gegen ein halb so großes Planschbecken eingetauscht … Diese heroische Tat sollte auch am Heldengedenktag gefeiert werden. Der Tach is mos gerade vorbei.

Zum Thema der Helden. Mehrere hochpatriotische Instanzen ham sich beschwert, dass die Oppositionsparteien, bzw. ihre Führer sich nich beim diesjährigen Heldengedenktag der Braven und Bravourösen in Otjiwarongo ham sehen lassen. Dabei gibt es neun oppositionelle Parteien, ganz egal ob es sich um Ein-Mann-Parteien oder Flenterxhattparteien handelt. Die Nörgler sollen sich trösten. Bis zum Jahresende begehen wir wenigstens noch einen politischen Feiertag, an dem jedes Polit-Thema behandelt werden kann. Und im neuen Jahr ham wir erneut sechs politische Feiertage. Da können wir wieder stief Themen, Phrasen und Klischees dreschen.



Zoff und Streitsucht

Zum Frühlingsanfang muss es wohl am längeren Tageslicht liegen und nich am Wahljahr, in dem die Wahlkampagnen noch nich merklich begonnen ham, dass bei verschiedenen Instanzen wieder – denn das is mos nich neu – Zoff und Zank ausgebrochen sind. Ende August ging´s wieder einmal um das Heilige Ahnenfeuer in Okahandja, bei dem Jahrzehnte jeweils der Herero-Volkstag gefeiert wurde, manchmal sogar mit geladenen Sprechern der Ovandoitjie, die aber brav die Amtssprache Otjiingirisa gesprochen ham. Diesmal musste die Opolifi ausgerechnet am Wochenende des Heldengedenkens wieder in Okahandja eingreifen, um Handgreiflichkeiten, die schon in Schlägerei ausgeartet waren, zwischen zwei Herero-Fraktionen zu entschärfen. Chef Tjinaani Maharero stand mit seinen Anhängern auf der einen und die Anhänger von Ombara Reinhard Vekuii Rukoro, der Chef der traditionellen Herero-Behörde, standen auf der anderen Seite, denn jeder beansprucht der Grals- bzw. Feuerhüter zu sein. Also fanden die traditionellen Grabesrituale und Prozessionen nich statt. Rukoro is mit seinen Anhängern ohnehin schon auf ein Juni-Datum ausgewichen, ohne die Dominanz des Augustdatums aufzugeben.

Einige Synodale der Evang.-Luth. Kirche in der Republik Namibia (ELCRN), vormals Rheinische Missionskirche, sind laut der Nachrichtenagentur in diesen Tagen auch mit Fäusten gegeneinander losgegangen, denn da geht´s um die Nachfolge des Kirchenhäuptlings, des Bischofs, wozu sich zwei Aspiranten gemeldet ham, jeder mit beträchtlichem Anhang. Ob das wohl im Namen Christi passiert is? Auf den Koppeln der Soldaten im 1. Weltkrieg stand „Gott mit uns“. Den möchte jede Seiten vereinnahmen. Aber der Hakiebusch blüht und kratzt weiter.

Aus Namibia immer ´was Neues.

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