14 Februar 2020 | Leserpost

Es muss etwas geschehen

Betr.: Besitz von neun Stoßzähnen (AZ 3.2.20) / Natur ist Namibias Zugpferd (AZ 6.2.20)

Lieber Herr Steffen, lieber Herr von Alten,

wir hören immer wieder von der Regierung, wie erfolgreich sie Wilderei in den Parks und im privaten Farmgebiet mit Spezialeinheiten oder normaler Polizei bekämpft. Vor Weihnachten verkündete Shifeta den Rückgang der Nashornwilderei. Prompt einige Zeit danach wurde sein Lob über effektive Bekämpfung von der ernüchternden Realität im Land eingeholt. Die Übeltäter, die Arbeitslosen und ihre chinesischen Abnehmer, die von den desolaten gesellschaftlichen Verhältnissen in Namibia leben, wechseln einfach den Ort, vom staatlichen ins private Gebiet und umgekehrt.

„Weitere Viehdiebe werden in Erongo-Region gefaßt,“ titelt die AZ-Seite. Was die Farmer zwischen Otjiwarongo und Hochfeld neben der Dürre jährlich verlieren, geht in die Millionen. Namibias Wirtschaftszweig beträgt samt Fischerei nur noch 20% am Steuerertrag des Landes. Nummer Eins ist Tourismus. Wird jemand im Besitz von Stoßzähnen gestellt, bekommt er vom Gericht eine Geldstrafe und macht weiter. Der Staat, der mit Elfenbein Handel treiben will, hat wieder sein Lager um weiteren Wert erhöht. Im Land, wo wenig produziert wird, außer Kinder, muss die Umwelt geschützt, Nationalparks vernünftig verwaltet und die Infrastruktur ausgebaut werden, sagt der Minister.

Wir müssen uns als attraktives Reiseziel anbieten und dazu die Parkinfrastruktur anheben. Wir müssen, denn die Mittel des Staates sind beschränkt um auf private Unterstützung zurückgreifen können. Wir müssen in den Parks zur Arbeitsbeschaffung Konzessionen für die lokale Bevölkerung ermöglichen.

Wir müssen, weil seit drei Jahrzehnten die Einparteienregierung in ihrer Herrlichkeit andere auffordert, anzupacken, anstatt ihre eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Die Hoffnung ist gesunken und die Investoren bleiben aus, außer China.

Was ist geschehen, nicht was soll geschehen, muß es heißen.

Deutschland baut Tierschützern Behausungen. Farmer reparieren den Zaun des Etoscha-Nationalparks. Wieviel Jahre hat Dirk Heinrich im Feld recherchiert und leidendes Wild in Drahtschlingen fotografiert. Mit diesen Beweisstücken lag ich dem Ministerium, dem Mr. Boois (Vorgänger von Shikopo) zwei Jahre auf der Pelle. Er meinte, alles sei in Ordnung in den Parks, no complaints. Ich habe ihm gesagt, er solle einmal von seinem Tisch aufstehen und sich zum Tatort aufmachen und es nicht bei telefonischen Anfragen aus Windhoek belassen. Oh ja, sie haben Recht! Die amtlichen Zahlen des Ministeriums, genauso wie die der Polizei über Wilderei, sind reine Schönfärberei und widerspiegeln höchstens wie sehr die Posteninhaber wegschauen, denn die Partei sorgt für sie und sie wählen sie. Zur Ferienzeit, wenn auch das Parlament sich gänzlich zur Ruhe und Entspannung begeben hat, wird eingebrochen, gestohlen und gewildert, was das Zeug hält. Selbst die Polizei ist mit dabei und die steigende Zahl der Freunde und Familienangehörigen der Angestellten in den Restcamps will versorgt werden. Alles unter den Augen der Obrigkeit. Denn die Benachteiligung der Vergangenheit muß ja zu Lebzeiten seinen Ausgleich haben.

Es wird noch lange dauern, bis verantwortlicher Umgang mit den Ressourcen, seien es Baumstämme, Fischbestände, Schuppentiere, Löwen, Sandgruben, Grundwasser oder Abfälle zur Normalität wird.


Mit freundlichen Grüßen

Bernd Seefeldt

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