28 Oktober 2020 | Politik

„Erschöpfung des Naturkapitals“

IPPR hält Regierung für schwindende Naturressourcen verantwortlich

Das Institut für öffentliche Politforschung IPPR veröffentlichte in diesem Monat einen Bericht mit dem Titel „Depleting Natural Capital“. Darin erklärt das Institut, wie Namibia seit 2015 seinen Wildtierbestand sowie Wälder und Sand, durch mangelnde Verwaltung und Misswirtschaft eingebüßt beziehungsweise verloren hat.

Von Frank Steffen, Windhoek

„Die Wilderei, illegales Abforsten und Waldernte sowie gesetzwidriger Sandabbau prägen Namibias Kampf um die Erhaltung seiner natürlichen Ressourcen angesichts des Klimawandels, der als Bedrohung zunehmend an Bedeutung gewinnt und dabei die Nachhaltigkeit des von Dürren gebeutelten Landes, das von wachsenden Wüsten umgeben ist, gefährdet“, heißt es in der Einleitung eines IPPR-Berichts, der sich mit der „Erschöpfung des Naturkapitals“ befasst.

Der seit etwa 2015 eskalierende Schaden und Schwund des sogenannten Naturkapitals sei einem Versagen seitens der Regierung sowie ihrer Abteilungen und Instanzen zuzuschreiben, da diese wiederholt nicht den Erwartungen gerecht werden oder einfach ihre Pflicht versäumen, resümiert der Autor des Berichts, Frederico Links. Dies stehe im Widerspruch zu dem allgemeinen Eindruck, dass Namibia eine einzigartige Erfolgsgeschichte in Sachen Naturschutz sei. Die Studie habe eindeutig ergeben, dass der natürliche Reichtum des Landes allmählich und kontinuierlich abnehme und diejenigen, die mit der Obhut beauftragt seien, ihrem Auftrag nicht nachkämen.

Der Bericht befasst sich mit dem Zeitraum 2015 bis 2019/2020, der durch die Umweltzerstörung sowie die Verminderung des Wildbestands und weiterer natürlicher Ressourcen geprägt sei - basierend auf einer ressourcenbedingten Korruption.

Wilderei sei in Namibia immer ein Problem gewesen, doch habe das Wildern von hochwertigen Wildtieren wie Elefanten, Nashörnern und Schuppentiere seit 2015 maßgeblich zugenommen. Dabei nimmt der Autor die kumulierten Verluste in Acht und nicht die unlängst vom Minister für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), Pohamba Shifeta, verkündeten Zahlen, die eine Zunahme bis ins Jahr 2017 einräumten, aber wesentliche Verbesserungen ab dem Jahr 2018 aufgezeigt hatten.

Links schreibt dagegen, dass die „hohe Wilderei-Rate von Nashörnern und Pangolinen bis 2020 weiterhin besorgniserregend“ sei. Er räumt allerdings Teilerfolge seit 2018 ein, die durch starke Zusammenarbeit und Koordination mit der Kommunalbevölkerung und privaten Naturschutzinitiativen zustande gekommen seien. Doch moniert er die seit Jahren ausbleibende Verabschiedung der Gesetze für a) die Erhaltung von Schutzgebieten sowie den Wildtierschutz, und b) der nationalen Strategie zum Schutz von Wildtieren und der dazugehörenden Strafverfolgung - das spreche Bände über das Engagement seitens der namibischen Regierung. Zunehmende Festnahmen sind laut Links ein Hinweis darauf, dass die Wilderei momentan Karriere macht.

Indessen bestehe kein Zweifel daran, dass die Forstabteilung, die seit März 2020 dem MEFT untersteht, davor aber Teil des Landwirtschaftsministeriums war, ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt habe. In den vergangenen Jahrzenten habe dies zu einem Verlust von „Millionen von Hektar“ an Waldbestand geführt. Forstbeamte hätten bestehende Verordnungen missachtet und rücksichtslos Genehmigungen für einen Kahlschlag ausgestellt. Der nachlässige Ansatz bei der Durchsetzung des Forstgesetzes von 2001, habe dazu beigetragen, dass Namibia zu einem Umschlagplatz für den illegalen und grenzüberschreitenden Handel mit afrikanischem Holz geworden sei. Dies sei auch der fehlenden regulatorischen Koordination und Kommunikation zwischen den Ministerien zuzuschreiben gewesen - ein Versagen der Regierung bei der Waldbewirtschaftung.

Ähnlich verhalte es sich beim illegalen Sandabbau im Norden des Landes. Kommunalgebiete, Lebensräume für Wild sowie Siedlungsgebiete seien ernsthaft im Norden beschädigt worden. Das MEFT befinde sich scheinbar manchmal in einem Zwiespalt, da es versuche die Umwelt zu schützen und dabei gegen Armut, Gier und Unwissenheit vorgehen müsse. Die bestehende Unsicherheit sei spürbar und habe zur Zunahme dieser Unregelmäßigkeiten beigetragen.

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