31 Juli 2020 | Gesundheit

„Erongo vereint gegen Lockdown“

COVID-19-Patienten werden künftig nur noch 14 Tage lang isoliert

Alle Augen sind heute um 15 Uhr auf Präsident Hage Geingob gerichtet - dann will er den nächsten Schritt im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie ankündigen. Indessen fordern Einwohner der Erongo-Region das Aufheben der Ausgangssperre. Eine entsprechende Petition erfreut sich großer Unterstützung.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/WBY/Windhoek

Landesweit warten die Einwohner gespannt auf die nächsten Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen COVID-19. Darüber will Präsident Hage Geingob heute die Nation aufklären. In der Erongo-Region haben scheinen einige Einwohner die andauernde Ausgangssperre satt zu haben, denn mehr als 4000 Personen aus Swakopmund und Walvis Bay haben eine Petition unterzeichnet, die gestern beim Büro des Gouverneurs der Erongo-Region abgegeben wurde. Die Überschrift der Petition lautet: „Erongo-Region vereint gegen den Lockdown.“

In dem vier Seiten langen Dokument werden zudem mehrere Unstimmigkeiten aufgelistet und Antworten darauf gefordert. Dazu gehören unter anderem die Zuverlässigkeit der COVID-19-Teste, die angeblich ungemäßen und gesundheitsgefährdenden Quarantäneeinrichtungen, und besonders die Bestattung von COVID-19-Todesopfern. „Sogar nach dem Tod wurde dem ersten COVID-19-Opfer die Menschenwürde vorenthalten. Wieso können Verstorbene nicht von ihren Geliebten beerdigt werden? Zumal bestätigt worden ist, dass eine tote Person das Virus nicht übertragen kann?“, heißt es.

In dem Dokument wird ferner die Wirtschaftsmisere in den Vordergrund gestellt, besonders in den Bereichen des Baugewerbes, der Fischerei und im Einzelhandel. Auch die Landwirtschaft wird beachtet: „Farmer waren bereits vorher hart von der Dürre betroffen (...) wie kann es sein, dass Farmer 30 Jahre nach der Unabhängigkeit, nicht unterstützt werden?“

Die Hilfen, die von der Regierung im Rahmen der COVID-19-Maßnahmen angekündigt worden waren, werden in der Petition als „gescheitert“ verurteilt. Konkret werden die versprochenen, doch ausgebliebenen Aus- und Rückzahlungen seitens der Sozialversicherungskommission (SSC) und des Steueramts angesprochen, aber auch die ausgebliebenen Bankdarlehen und Kreditfazilitäten sowie die versprochene, einmalige Zahlung von 750 N$. „Wie kann eine vernünftig-denkende Regierung von ihren Einwohnern erwarten, vier Monate lang mit 750 N$ ohne weiteres Einkommen zu überleben?“, heißt es ferner.

In dem Dokument werden einige Hilfsmaßnahmen für Firmen sowie Einwohner vorgeschlagen. So werden von der Regierung Zahlungsaufschübe für die Mehrwertsteuer (VAT) sowie die Firmensteuer und die Einkommenssteuer (PAYE) gefordert, derweil für Regierungsangestellte eine Gehaltskürzung eingeführt werden müsse. Darüber hinaus soll die Regierung ein umfangreiches Ernährungsprogramm einführen, Einwohner mit Fisch versorgen und mehr Suppenküchen einrichten.

Um den Ernst der wirtschaftlichen Lage infolge des Lockdowns zu beleuchten, wurde unabhängig von der Petition die Initiative „Swakop unites“ ins Leben gerufen. „Das Ziel ist es, bei einem öffentlichen Ankündigungsevent das Verständnis für die Lage und die sozioökonomischen Herausforderungen zu entwickeln“, teilten die Organisatoren mit. So würden am kommenden Samstag einige Swakopmunder Gebäude von 20 bis 21 Uhr in rotem Licht erscheinen, um den „Notfall zu symbolisieren, aber auch Leidenschaft, Energie, Motivation, Mut und Selbstvertrauen zu erregen“.

Unterdessen hat das Gesundheitsministerium das bisherige Standardverfahren geändert und wird künftig COVID-19-Patienten nach 14 Tagen aus Isolationseinrichtungen entlassen. Dies kündigte Vize-Gesundheitsministerin Ester Muinjangue in dieser Woche an und erklärte, dass nahezu 300 Patienten aus der Einrichtung in Henties Bay entlassen würden - sie hätten rund zwei Monate dort verbracht. „Wir haben festgestellt, dass Menschen nach einer gewissen Zeit nicht mehr infektiös sind. Nach einer Erkrankung sind die ersten zehn Tage die wichtigsten, an denen eine Person das Virus übertragen kann.“

Das täglich für 15 Uhr festgelegte COVID-19-Update wurde gestern kurzerhand vom Gesundheitsminister auf 19 Uhr am Abend verlegt.

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