12 Oktober 2018 | Lokales

Ernst Tatschek: Elektriker, Abenteurer und Hundeliebhaber

In der Zeit zwischen dem 20. und 21. September 2018 hat sich der Österreicher Ernst Haimo Tatschek (75) in Swakopmund das Leben genommen. War es ein Selbstmord? „Nein, er hat den Freitod gewählt“, sagte sein guter Bekannter Michael Zacharias jetzt im Gespräch mit der AZ.

Tatschek wurde am 26. September 1942 in Kärnten in Österreich geboren. Sein Vater war ein hochdekorierter Soldat im Krieg, aber sein Leitbild war der Großvater. Tatschek wuchs bei seiner Mutter auf und hatte scheinbar schon als junger Mensch die Tendenz, selbständig und vor allem unabhängig sein zu wollen.

Das offenbarte sich vor allem in seiner Teenagerzeit, als er nach Marrakech in Marokko ausriss. „Er hat mir erzählt, dass er dort nach einigen Monaten als Vagabund festgenommen wurde“, erzählt Zacharias. Er sei dann zurück in die Heimat gekehrt und habe seine Ausbildung als Elektriker erfolgreich absolviert. Zunächst beschäftigte ihn Siemens in ihrer Münchener Niederlassung, wo er als Elektriker tätig war, bevor er ab 1967 in Köln arbeitete.

Im Jahr 1971 reiste Tatschek dann mit dem Schiff nach Namibia und war anfangs als Elektriker in Windhoek angestellt. 1975 zog er um nach Swakopmund, wo er sich selbständig machte und unter anderen auch an der Rössing-Mine Arbeiten verrichtete. 1981 gründete der die Firma Swakop Lighting, welche sich neben dem heutigen Kücki's Pub und Grill befand. Es war das erste und auch das einzige Lampengeschäft in Swakopmund.

Wenige Jahre später kaufte Tatschek das im Jahr 1905 erbaute Haus von Peter Haller, gelegen in der Estorff-Straße. Vielen Swakopmunder Einwohnern ist das Haus mit den beiden „Dachlöwen“ bekannt – seine beiden Hunde Wastel und Mausi waren ständig auf dem Dach zu sehen. Dort hat er 37 Jahre lang, also bis kurz vor seinem Tod, nicht nur gewohnt, sondern führte er von dort aus Swakop Lighting, spezialisierte sich aber zunehmend auf den Verkauf von verschiedensten Lampensorten und -Entwürfen. Am 6. September 2018 öffnete er die Türen von Swakop Lighting ein letztes Mal.

Obwohl Tatschek eher introvertiert war und selten in der Öffentlichkeit erschien, war er im Küstenort sehr bekannt. Er war abenteuerlustig und besaß ein Flugzeug, wofür er auch den nötigen Flugschein als Pilot geschafft hatte. Als ausgebildeter Taucher verrichtete er Ende der 70er Jahre im Hafen von Walvis Bay Taucharbeit und arbeitete Unterwasser an Schiffen. Darüber hinaus war er sportlich engagiert und nahm mehrfach als Radler an dem bekannten Cape-Argus-Radrennen teil. Er war auch ein leidenschaftlicher Segler und kaufte sich im Jahr 1997 die 18 Tonnen schwere Yacht „Okongwati“, die bis vor kurzem noch im Walvis Bay Yacht Club auf Reede lag. Außerdem war er begeisterter Fotograf, Künstler und Musiker; er spielte gleich mehrere Instrumente, wozu unter anderen Klavier und Schifferklavier zählten.

Vor einigen Jahren wurde Tatschek mit Krebs diagnostiziert. „Er hatte mir gesagt, dass er den Freitod wählen würde, bevor er zum Pflegefall wird“, berichtet Zacharias nun. Genaus das hat er auch getan. Er nahm sich in seiner Wohnung mit einem Revolver das Leben und hinterließ einen Abschiedsbrief. Ernst Tatschek hinterlässt seine Tochter Claudia und Enkelin Tamara.



Erwin Leuschner

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