13 September 2010 | Lokales

Erhalt von Deutsch "fraglich"

Windhoek - "Ob man in zehn, 20 oder 30 Jahren hier noch Deutsch als Muttersprache spricht, ist fraglich", sagte AGDS-Vorsitzender bei der Veranstaltung am Samstag in Windhoek. Dabei zieht er die Beobachtungen des Linguisten Prof. Ulrich Ammon von der Universität Duisburg-Essen heran und fühlt sich durch seine eigenen Erfahrungen bestätigt.

Ammon habe die Ansicht geäußert, dass "die Zukunft der deutschen Sprache als Muttersprache der Deutsch-Namibier gefährdet ist" und dafür mehrere Argumente genannt. So würden sich die Deutschsprachigen immer "weniger an Veranstaltungen beteiligen, die zum Erhalt der deutschen Sprache beitragen" (z.B. von Schulvereinen, Rundfunk, Kirchengemeinden und anderen Organisationen). Dies haben AGDS und Deutscher Kulturrat (DKR) erst am Wochenende wieder erlebt, als zu den Jahreshauptversammlungen beider Organisation kein Quorum (beschlussfähige Mitgliederzahl) erreicht wurde. Überdies würden sich die Deutschsprachigen "aus der Verantwortung um den Erhalt der deutschen Sprache zurückziehen". Es fehlten Führungskräfte in Schul- und Sportvereinen sowie anderen Körperschaften; auch hier bilden AGDS und DKR keine Ausnahme.

Darüber hinaus gebe es nur wenige Deutschsprachige, die ein politisches Amt bekleiden, "das zu einer Einflussnahme auf politische Entscheidungen führen könnte, z.B. die Schulsprachenpolitik", führte Esslinger aus. Und nicht zuletzt werde "Deutsch in der Schule aufgrund der Beschränkung als Unterrichtssprache in staatlichen Schulen auf die ersten drei Schuljahre und aufgrund von Lehrermangel und unzureichendem Lehrernachwuchs nicht ausreichend gefördert". Esslinger nannte den Mangel an Deutschlehrern "besorgniserregend" und ergänzte: "Wir werden in Zukunft nicht mehr gewährleisten können, dass unsere Kinder von fachlich kompetenten und pädagogisch erfahrenen deutschsprachigen Lehrkräften unterrichtet werden."

DSW-Schulleiter Peter Schlenther bezeichnete die Ammon-These als "befremdlich", zumal dieser noch nie kleine Schulen besucht habe. "Solche Aussagen höre ich schon seit 40 Jahren. Wir sollten nicht darüber jaulen, was ein Professor sagt, sondern mit großem Engagement weitermachen. Nur so schaffen wir es, die deutsche Sprache auf diesem Niveau zu erhalten", führte er aus und verwahrte sich gegen eine "Bettelkultur". DKR-Vorsitzender Eckhart Mueller nannte es hingegen "verletzend", dass solche Sprachexperten das Engagement der Deutschsprachigen "nicht genügend würdigen".

Der AGDS-Chef zeigte sich erfreut über den Widerspruch, der ihm "eine andere Perspektive" gebe. Der Nachwuchsmangel in Vereinen und Organisationen sei dennoch nicht von der Hand zu weisen. Zur Sprache führte er aus: "Unsere Muttersprache darf nicht zu einer Nischensprache in der Gesellschaft und unserem persönlichen Leben werden. Vor allem sollten wir nicht zulassen, dass Deutsch in der Familie, im Freundeskreis, im Umgang mit unseren Kindern und in der Schule eine Nebenrolle spielt. Unsere Kinder und unsere Sprache sind wertvolle Güter, wir sollten sie bewahren und pflegen." Abschließend sagte Esslinger: "Die Pflege der deutschen Sprache fängt bei Jedem selber an."

Gleiche Nachricht

 

Fortschritt beim Wohnungsbau

vor 1 tag - 16 November 2018 | Lokales

Walvis Bay (er) - Der Bürgermeister von Walvis Bay, Immanuel Wilfred, ist vom Wohnungsbau in seiner Stadt beeindruckt. Während der Stadtratssitzung unlängst sprach er von...

Proteste gegen Gewalt

vor 5 tagen - 12 November 2018 | Lokales

Von Clemens von Alten und Erwin Leuschner, Swakopmund/WindhoekGenau eine Woche nachdem die Künstlerin Lindie Prinsloo ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wurde (AZ berichtete), setzten Bewohner...

Redakteursforum verurteilt Praxis

vor 5 tagen - 12 November 2018 | Lokales

Windhoek (ste) - Am vergangenen Freitag blickte das Namibische Redakteursforum EFN als Teil seiner Jahreshauptversammlung auf das Geschehen des vergangenen Jahres zurück. Dabei äußerte sich...

Behördengänge bleiben weiterhin eine Geduldsprobe

1 woche her - 09 November 2018 | Lokales

Obwohl sich die administrativen Abläufe beim Innenministerium deutlich beschleunigt haben und Pässe, Identitätskarten und andere Dokumente inzwischen mitunter bereits nach wenigen Tagen erhältlich sind, bleiben...

Bewohner „entlassen“ Stadtrat

1 woche her - 09 November 2018 | Lokales

Von Erwin LeuschnerSwakopmund/Henties Bay Etwa 30 Einwohner der Küstenortschaft Henties Bay sind mit dem Stadtrat alles andere als zufrieden. Deshalb marschierten sie am Mittwoch zum...

Stadtdirektor erneut suspendiert

1 woche her - 08 November 2018 | Lokales

Windhoek (nic) – Die Windhoeker Stadtverwaltung (CoW) hat ihren Stadtdirektor Robert Kahimise (Bild) erneut suspendiert. Wie heute Vormittag in einer von der stellvertretenden Bürgermeisterin Teckla...

Tabubruch empört Redakteursforum

1 woche her - 07 November 2018 | Lokales

Windhoek (ms) – In einer ungewöhnlich scharfen Erklärung hat das Redakteursforum (Editors´ Forum of Namibia - EFN) die Veröffentlichung eines Fotos verurteilt, das einen mutmaßlichen...

Geingos von Aids-Stiftung in Berlin ausgezeichnet

1 woche her - 06 November 2018 | Lokales

Die First Lady Monica Geingos (z.v.l.) ist am Samstag in Berlin zusammen mit dem Rockmusiker Bob Geldof (M.) im Rahmen der 25. Operngala der Deutschen...

Schwere Entscheidung: Oliwia macht am Ende das Rennen

1 woche her - 06 November 2018 | Lokales

„Bei Oliwia fühle ich Wärme und Geborgenheit.“ Damit hat Farmer Jörn seine Entscheidung für die 28-jährige Übersetzerin (Bild) getroffen – für die 29-jährige Konstrukteurin Ilona...

Keine AZ beim Straßenverkäufer

vor 2 wochen - 02 November 2018 | Lokales

Windhoek (AZ) • Wenngleich die Verkaufsprovisionen normalerweise nur am Anfang des Jahres mit den Zeitungsverkäufern auf den Windhoeker Straßenkreuzungen unterhandelt werden, weigerten sich diese...