16 Dezember 2002 | Freizeit

Einmal Erongo kreuz und quer

Es knirscht und quietscht und rumpelt ein paarmal. Und dann ein Plätschern - Wasser. In kleinen Schüben schießt es aus dem leicht angerosteten Rohr. Richtiges klares, kühles wunderbares Wasser.
Wir sitzen an der alten Handpumpe von Horbabis mitten im Erongo. Füllen die Feldflaschen, richten uns für den Abmarsch.
Die Nacht haben wir auf dem Farmhaus von Omandumba Ost verbracht. Ein herrlicher Sonnenuntergang, jetzt am Morgen, ein leicht verhangener Himmel. Nicht gut für Fotos, dafür gut für uns; es wird nicht so heiß werden.

Gut für uns also, zumindest heute. Drei Tage werden wir unterwegs sein, eine Runde durch das Gebirge, das aus der Erde kommt: Feuer und Lava eines Vulkans haben es geformt - oder besser das, was von ihm übrig geblieben ist. Drei Tage marschieren in goldgelbem Erongo-Gras, über tiefbraune, hellgraue und rötliche Granitfelsen und zwischen riesigen Kugeln und Klötzen und Brocken aus Stein; keine alltägliche Wanderung.


Auch sonst nicht alltäglich. Nur ab und zu mal ein Stück Farmweg oder eine Fahrspur. Sonst geht es meistens querfeldein; bestenfalls ein Stück weit ein Wildwechsel. Dafür geht es jeden Tag ordentlich bergauf und bergab. Aber jeder Tag hat auch seine Highlights.


Das erste liegt gleich um die Ecke: drei Elefanten, Elefanten im Erongo? Elefanten im Erongo! Riesig groß und grau liegen sie mit ausgestreckten Rüsseln auf dem Boden. Drei nebeneinander liegende Felsformationen, Elefanten täuschend ähnlich.


Ein paar Meter weiter die ersten Felszeichnungen. Rote Farbe auf braunem Granit, tanzende Frauen, eine Schwangere, Nashörner, Giraffen, Elefanten und und und. Eine andere Zeichnung erzählt die Geschichte "Die Rache der Bienen", drei Männer auf der Flucht vor zwei Bienenschwärmen.


Ein Stück danach plötzlich leuchtendes Grün: frisches Gras an einem Rinnsal, das aus einer kleinen Quelle kommt - nach 300 m ist das Grün wieder dahin, das Wasser versickert. Die Quelle war sechs Wochen vorher plötzlich da - sieben Monate nach dem letzten Regen! Irgendwo in oder unter den Felsen scheint sich das Wasser gesammelt zu haben.


Jetzt wird"s ernst. Wir schnaufen bergauf, müssen einen Kamm überqueren. Ein Glück, dass die Sonne sich immer noch halbwegs versteckt. Marschieren über glatte Platten, weichen heimtückischen Dornenbüschen und einer Schlucht aus, klettern einen Felsriegel hinauf und zuletzt über einen Grashang. Da waren nicht lange vor uns schon andere da: Bergzebras; immer wieder die Spuren ihrer Hufe und das, was sie gelegentlich fallen lassen.


Unter einem überhängenden Felsen genehmigen wir uns eine ausgiebige Mittagsrast. Dann noch ein paar Meter bergauf - geschafft! Der jenseitige Talkkessel liegt direkt unter uns. Am Rand eines Reviers glänzt ein Wellblechdach in der Sonne - die Farm Otjimisauna, unser Tagesziel.


Jetzt geht"s nur noch leicht bergab. Aber so ganz leicht auch nicht. Ein paarmal müssen wir unwegsame Stücke umgehen, Sträuchern mit tausend Dornen ausweichen, einen Steig durch eine Miniatur-Schlucht finden. Und jetzt kommt auch noch die Sonne richtig durch!


Schließlich liegt nur noch ein ebenes Wiesenstück vor uns und dann sind wir da. Peter Hinterholzer begrüßt uns mit einem kalten Getränk. Und dann erst mal ab ins Schwimmbad - wunderbar! Es folgt ein langer Abend und eine Nacht in hübschen Ferienhäusern aus Natursteinen unter dem unvergleichlichen namibischen Sternenhimmel mit einer Milchstraße. Straße? Das ist ja schon fast eine Autobahn!


Sonne pur am nächsten Morgen; das kann ja heiter werden. Heute geht"s gleich zweimal bergauf. Der erste Anstieg sozusagen als Nachtisch zum Frühstück:Durch ein Rivier und dann nur noch bergauf. Zwischen Büschen einen Hang hinauf, ein paarmal Felsriegeln ausweichen, dann wieder um hausgroße Blöcke herum - schnaufen, schwitzen und den Rucksack verfluchen.


Endlich oben geht"s durch hüfthohes Gras einen flachen Rücken entlang etwas bergab. Die Ausblicke versöhnen mit der Plagerei: Gipfel an Gipfel, mal senkrecht abfallend, mal sanft gegliedert, kleine Zacken und flache Kuppen, Pyramiden, Höcker, Kugel-Gipfel. Und davor das weite flache Becken des ehemaligen.


Irgendwann gibt"s tatsächlich einen richtigen Weg! Wie nicht anders zu erwarten - natürlich bergauf. Steil aber nicht sonderlich weit. Und dann sind wir am Ziel: Farm Ombuwa, das Domizil von Hubert Schlatter. Typisch Alpenländler: Der gebürtige Tiroler hat sein Haus genau auf einen Gipfel gesetzt! Entsprechend ist die Aussicht. Auf der einen Seite der Tiefblick bis Omaruru und die Bergketten dahinter, links und rechts davon Gipfel, Täler, Kämme. Phantastisch!


Nach einer Nacht unter dem Leoparden im gemütlichen Gästezimmer gehen wir die letzte Etappe an.Bald flimmert über den Millionen-Dornensträuchern die Hitze. Wenigstens geht"s heute nur bergab. Aber dann doch noch über einen Kamm hinweg und ein Tal mit Steinbrocken und Klippen bergauf. Und dann stehen wir plötzlich vor den grauen Platten mit den erst vor Monaten entdeckten Fels-Gravuren. Auf zwei Platten, die wie ein aufgeschlagenes Buch wirken, links Tierspuren, rechts die Abdrücke von Menschen. Nackte Füße in Originalgröße. Mit vier Zehen, mit fünf, und einer sogar mit sechs!


Von da ist"s dann nur noch ein Katzensprung. Das Ziel: die große Getränkekiste von Omandumba Ost, unserem Ausgangspunkt. Und bei den herrlich kalten Getränken schon eine kleine Rückschau. Die Einsamkeit, das Wandern weitab von ausgelatschten Wegen, die Ursprünglichkeit der Landschaft - das ist der Walking Trail Erongo.

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