03 Januar 2020 | Natur & Umwelt

Einkaufen mit allen Sinnen

Weltweit wird immer mehr Müll produziert. Sehr zu Lasten unserer Umwelt. In Windhoek gibt es nun seit einem halben Jahr einen Zero-Waste-Laden, gegründet von Brigitte Reissner, der zu mehr Nachhaltigkeit und vor allem weniger Müll beitragen soll.

Von Eva-Marie Born

Seit rund einem halben Jahr kann man nun schon bei Brigitte Reissner im Zero-Waste-Laden in Windhoek nachhaltig einkaufen. Von Tees über Gewürze bis hin zu Pflegeartikeln - in Reissners Laden gibt es alles, was das Herz begehrt. Das Besondere ist hier allerdings, dass kein Plastikmüll durch Verpackungen entsteht, da jeder Kunde seine eigenen Behälter und Taschen mitnehmen kann um das Gekaufte abzufüllen und mitzunehmen. „Wenn die Kunden den Laden das erste Mal betreten, sind sie oft erst einmal von dem großen Angebot überwältigt. Beim zweiten Besuch sind sie dann schon besser vorbereitet und bringen ihre eigenen Container und Behältnisse mit“, so Reissner. Wenn man den eigenen Müll reduzieren will, so Reissner, sei es wichtig, nach und nach Kleinigkeiten zu verändern und nicht von jetzt auf gleich zu versuchen, alles umzustellen.

„Das Konzept wurde erstaunlich gut angenommen, von Jung und Alt“, so die stolze Ladenbesitzerin. Sie freut sich, dass alle Altersklassen mittlerweile zu ihr ins Geschäft kommen: „Man merkt, dass in den Schulen viel gemacht wird, es findet ein Austausch über nachhaltiges Leben statt. Viele meiner Kunden sind noch Schüler, welche noch zu Hause wohnen. Dadurch bringen sie dann auch ihre Eltern dazu, ein wenig mehr auf Müllvermeidung zu achten.“

Außerdem - das war Reissner am Anfang noch nicht so bewusst - kommen oft Kunden mit begrenztem Budget in den Laden, weil es eben keine Mindestmenge gibt, die gekauft werden muss. So dürfen es anstatt einem Kilo Zucker aus dem Supermarkt hier auch gerne nur 100 Gramm oder weniger sein. So wandert für das gleiche Geld eine größere Vielfalt an Lebensmitteln in den Einkaufskorb als im konventionellen Laden möglich ist. Das Vorurteil, der Zero-Waste-Laden sei teuer, kann also nicht bestätigt werden. Da nicht alle Produkte unbedingt bio-grundiert sind, können die Kilopreise locker mit denen aus dem Supermarkt mithalten.

„Ich habe mich dagegen entschieden, ganz auf Bioprodukte zu setzen, da dies wirtschaftlich einfach nicht möglich gewesen wäre“, so Reissner. Die Artikel stammen aber wenn möglich aus Namibia oder werden aus Südafrika importiert. Verpackungen, die zwangsläufig von Zulieferern mitgeschickt werden, werden nicht ungenutzt weggeworfen. Tüten für Trockenfrüchte zum Beispiel werden zu robusten Einkaufstaschen umfunktioniert und kostenfrei an die Kundschaft abgegeben.

Zum Kaufen gibt es neben Lebensmitteln außerdem alles, was das plastik- und müllfreie Leben einfacher macht und auch zu Hause hilft, Müll zu reduzieren. So finden sich in den Regalen zum Beispiel wiederverwendbare Bambus- und Metallstrohhalme inklusive Reinigungs-Bürstchen oder ebenfalls wiederverwendbare Bienenwachspapiere, die man zum Abdecken von Nahrungsmitteln im Kühlschrank verwenden kann. Auch umweltverträgliche Putzmittel verkauft Reissner. „Nach dem Spülen oder Waschen kann man das Wasser zum Gießen wiederverwenden. Es ist ökologisch unbedenklich“, sagt sie.

Der verpackungs- und plastikfreie Laden bringt viel Planung und Logistik mit sich, Reissner arbeitet jetzt eine sechs-Tage Woche. „Es gibt mehr zu tun als anfangs gedacht“, sagt sie und betont, dass die Arbeit trotz des hohen Aufwands für sie positiv besetzt ist. Mittlerweile hat Brigitte Reissner drei Angestellte - Emilia arbeitet für sie in Vollzeit und zwei weitere Angestellte in Teilzeit.

Man spürt die Leidenschaft, die die Unternehmerin in ihren Laden und ihre Produkte steckt. Diese positive Energie bemerkt man auch beim Betreten des Ladens sofort: keine unnötige Werbung und strategisch aufgestellte Regale stören beim Einkaufen.

„Hier können die Sinne endlich wieder mit einkaufen gehen“, so Reissner. Texturen, Farben und Gerüche dürfen wahrgenommen werden und sind nicht mehr unter Schichten von Plastik und Papier versteckt. „Wir verkaufen hier 15 verschiedene Sorten Nüsse - vor allem für Kinder spannend und lehrreich, denn hier können sie sich alles genau ansehen“, sagt die Unternehmerin.

Im nächsten Jahr ist eine Website geplant, auf der sich die Kunden dann schon vor ihrem Besuch im Laden einen Überblick über das Sortiment machen können. Außerdem sollen in den Räumlichkeiten des Zero-Waste-Ladens in Zukunft weiterhin Themen-Abende stattfinden. Ein Tee-Abend im vergangenen Jahr war bereits ein voller Erfolg. Die Teilnehmer konnten unter der Anleitung einer Tee-Connaisseurin alle zum Verkauf stehenden Teesorten probieren und lernten einiges über das exotische Getränk und die verschiedenen Anbaugebiete.

Zwei Milliarden Tonnen Müll werden pro Jahr weltweit produziert - davon alleine 174 Millionen Tonnen in den Ländern der Subsahara, Tendenz steigend. Jeder kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Entwicklung aufgehalten wird. Reissner wünscht sich für die Zukunft, dass auch in den staatlichen Schulen mehr über Nachhaltigkeit und Müllvermeidung gesprochen wird. Denn Veränderung fängt ja bekanntlich bei den Kindern an.

Ab Montag, den 6. Januar ist der Zero-Waste-Laden Ecke Sam-Nujoma-Drive und Steinstraße nach den Feiertagen wieder geöffnet.

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