29 April 2016 | Gesellschaft

Eine Reise um die Welt - aber ohne Flugzeug

Schon einige Menschen haben jedes einzelne Land der Welt bereist. Mit einem Flugzeug ist das zwar teuer, aber nicht unmöglich. Anders sieht die Sache ohne Flieger aus. Ein 37-jähriger Däne fasste vor etwa drei Jahren den Entschluss, sich auf das Abenteuer einzulassen. Und kam dabei auch nach Namibia.

Von Lucas Kesselhut, Windhoek


„Wenn ich reich wäre, wäre das ja alles kein Problem“, sagt Torbjørn Pedersen. „Dann könnte ich einfach in den Flieger steigen und los geht´s.“ Doch weder sei er reich, noch ein Fan der einfachen Dinge. Nein, Pedersen fasste im Oktober 2013 den Entschluss, eine Reise zu beginnen, die für die meisten nach Wahnsinn klingt. Er möchte jedes Land der Welt besuchen, mindestens 24 Stunden in jedem Land bleiben und dafür kein Flugzeug benutzen. Sich ein Auto zu kaufen oder zu leihen, verstoße auch gegen seine eigenen Richtlinien. Bevor er nicht jedes Land betreten hat, möchte er nicht nach Hause zurückkehren – so der Plan. Seit mehr als zweieinhalb Jahren zieht er den auch eisern durch. Mit einigen Höhen und Tiefen.


„Eigentlich habe ich einen furchtbaren Namen für einen Abenteurer“, sagt Torbjørn C. Pedersen scherzend über sich selbst. Der 37-Jährige wurde in Dänemark geboren, zog mit der Familie aber als Kleinkind nach Nordamerika. Ein paar Jahre später ging es wieder zurück nach Skandinavien. Und dann folgte eine Laufbahn, die eher nach Normalo als nach Abenteurer klingt. Pedersen beendete seine Schule, leistete seinen Militärdienst ab und zog ein Logistik-Unternehmen hoch. Dann aber fällt im Oktober 2013 die Entscheidung für das unglaubliche Vorhaben. „Noch keiner hat solch eine Reise je gemacht“, sagt der Däne. Etwas Neues auszuprobieren sei immer aufregend und gebe ihm und vielleicht auch anderen Leuten viel Inspiration, etwas derartiges vielleicht auch zu probieren. Mit der Begeisterung für sein Abenteuer konnte er aber nicht jeden anstecken. „Mein Vater meinte, das würde meine Karriere ruinieren, meine Freundin war natürlich auch nicht begeistert“, so Pedersen. Aber jetzt würden ihn alle tatkräftig unterstützen.


Dass die Reise des Dänen kein einfaches Unterfangen ist, wird bei einem Blick auf die Weltkugel klar. Nach der National Geographic Society werden etwa sieben Kontinente gezählt. Aufgeteilt sind die laut Definition in bestimmte Areale der Erde. Die britische Royal Geographical Society zählt hingegen nur die sechs Kontinente Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Antarktika und Europa. Im Gegensatz zur letzten Definition wird Australien hier nicht als eigener Kontinent geführt. Ähnlich unklar ist die Antwort auf die Frage, wie viele Länder es auf der Welt gibt. Bestimmte Länder, die sich selbst als Staat ansehen, werden zum Beispiel vom Rest der Welt nicht als eigenes Land angesehen, so zum Beispiel Taiwan. Derzeit werden in den meisten Quellen 194 Länder geführt. Hierzu gehören alle UNO-Mitglieder sowie der Vatikanstaat. Neben den anerkannten Nationen gibt es weitere Länder, die nicht von der UNO anerkannt werden. Hierzu gehört zum Beispiel die Republik Abchasien, die zu Georgien gehört, oder die Republik Somaliland. Bei einigen Nationen ist die Nationenlage zudem unklar. Die Cookinseln im Pazifik haben sich beispielsweise selbst als unabhängig erklärt, befinden sich allerdings in einer freien Assoziation mit Neuseeland.


Also eine lange Reise für den Dänen. Unterstützung bekommt er vom Roten Kreuz, für das er bei seiner Reise in den verschiedenen Ländern wirbt. Doch trotz Sponsor schläft er keinesfalls in Luxushotels. Er setzte sich schon zu Beginn des Abenteuers das Ziel, nie mehr als 20 US-Dollar am Tag für alle Ausgaben auszugeben. Dazu zählen Transport, Nahrung, Unterkunft und auch Visum. „Es ist hart, aber meistens reichen 20 Dollar. Auch wenn ich manchmal liebend gerne in einem guten Hotel schlafen oder ein teures Steak essen möchte“, so der Abenteurer. Oft schlafe er bei neu gefundenen Freunden oder in günstigen Hostels.


Auf seiner langen Reise erreichte er auch Namibia. „Ich war und bin immer noch von dem Land beeindruckt. Es hat mich wirklich an Australien erinnert.“ Die guten Straßen, unkomplizierte Visa-Bestimmungen und Englisch als Sprache, die jeder versteht: Torbjørn Pedersen genoss den Aufenthalt hier. Denn kurz zuvor erlebte er seine schlimmste Zeit in Zentralafrika. „Dort habe ich fast aufgegeben, war sogar schon auf dem Weg zum Flughafen“, resümiert er. Probleme mit der Polizei, mit Rassismus und mit seiner Gesundheit hätten ihn fast aufgeben lassen. „Doch irgendwie habe ich mich aufgerappelt und mich dazu entschieden, weiterzumachen“, so der Däne. Umso mehr habe er sich gefreut, als er die namibische Grenze ohne große Probleme passiert habe. „In Namibia gibt es noch so viel zu sehen. Ich werde sicher nach meiner Reise als Tourist noch einmal wieder hier her gekommen“, sagt er.


Für viele klingt die Reise des Torbjørn Pedersen atemberaubend, unschaffbar oder vielleicht auch etwas wahnsinnig. Doch der Däne möchte nicht nur seinen Horizont mit dem Abenteuer erweitern, sondern der Welt damit auch eine Nachricht übermitteln. „Die Welt ist nicht so, wie viele glauben.“ Die Medien würden nur den Horror der Welt zeigen, für die Schönheit und für das Menschliche bliebe kein Platz mehr. „Jedes Land der Erde hat das Recht zu behaupten, das Beste zu sein“, so der 37-Jährige. Natürlich wolle er nicht das Schlechte gut reden, doch neben dem Schlechten sei eben auch viel Gutes in jedem einzelnen Land zu finden. Und das sei seine Nachricht.


Mehr als zweieinhalb Jahre ist er nun schon unterwegs (siehe rote Linie im Titelbild). Alleine ein Jahr davon verbrachte er in Afrika. Noch bis 2019 wird seine Reise dauern. „Ob ich mir sicher bin, die Reise durchzuziehen? Keineswegs. Aber ich bin schon so weit gekommen und glaube, das Härteste hinter mir zu haben“, so der Däne. Er denke einfach gar nicht erst darüber nach, wie weit das Ziel noch entfernt ist. „Ich mache einfach weiter und weiter und weiter…“, so Pedersen zuversichtlich.

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