25 Januar 2019 | Kultur & Unterhaltung

Eine Passion für die Musik

Moses Seibeb lebt für das, was er macht. Wenn er über seine Musikschule spricht, dann lässt sich eine tiefsitzende Passion spüren. Mit Freude zeigt er alte Zeitungsausschnitte über seine Schule, fein säuberlich in Folie laminiert. Er legt einen Artikel nach dem anderen auf den Tisch und deutet auf die wichtigsten Passagen. In ihnen steht, wie er vor fast neun Jahren mit seiner Musikschule BITI (Brass Instrument Training Institution) begann. Und was hinter der ganzen Idee steckt. Seibeb lächelt, als er einen ganz besonderen Satz entdeck, der das Ziel seiner Arbeit beschreibt: „Er möchte das Leben der Menschen etwas wertvoller machen.“ Seine Musikschule hat in den vergangenen Jahren vielen jungen Menschen eine Perspektive gegeben. Ohne Spender wäre dies aber nie möglich gewesen. Einen davon schätzt er bis heute sehr.

Eine Musikschule ohne Instrumente - das klingt zunächst kaum vorstellbar, doch genau so begann Seibeb 2010 sein Projekt. Für Instrumente reichte das Budget nicht, er konnte seinen Schülern daher zunächst nur Musiktheorie vermitteln. Auf Dauer war das aber keine Lösung. Umso erfreuter zeigte sich Seibeb, als er ein Jahr später eine Instrumenten-Spende von der deutschen Botschaft erhielt. „Der damalige Botschafter Egon Kochanke war mein erster Sponsor“, erzählt Seibeb auch heute noch mit großer Dankbarkeit. Mit den ersten Instrumenten konnte er seinen damals 20 Schüler endlich das zeigen, was sie ein ganzes Jahr lang nur auf dem Papier gelernt hatten.

„Ich bin kein Professor“

Seibeb selbst hatte bereits vor seiner Zeit als Lehrer viel mit Musik zu tun. Bis zu seiner Rente arbeitet er bei den namibischen Streitkräften (NDF) in der Blaskapelle. Deswegen lehrt er heute auch ausschließlich Blasinstrumenten - von Posaune über Tuba bis Trompete. Seine Unterrichtsmethoden seien dabei eher unkonventionell, aber dennoch effektiv, wie Seibeb sagt. „Ich bin zwar kein Professor, aber ich kann dafür sorgen, dass du ein einer wirst.“ Seibeb kombiniert Einzelstunden mit Gruppenübungen für eine optimale Ausbildung seiner Schüler. „Ich fahre praktisch durch das ganze Land, um ihnen persönlichen Unterricht zu geben“, erzählt Seibeb.

Ziel seiner Arbeit ist es, den Zugang für jungen Menschen zur Musik zu erleichtern und sie durch den Unterricht zu stärken. Er möchte somit die Gemeinschaft und das Land im Generellen näher zusammenbringen. „Musik gibt den Menschen eine Perspektiven“, sagt Seibeb. Seine Pläne klingen ambitioniert. Doch aus seinen Worten lässt sich heraushören, wie wichtig ihm diese Ziele sind und wie energisch er an seinem Projekt arbeitet. Und die Schülerzahlen zeigen, dass seine Musikschule gut ankommt: Knapp über 60 jungen Menschen gibt er mittlerweile Unterricht.

„Ich arbeite aus dem Auto heraus“

Für 2019 hat Seibeb zwei Konzerte geplant, um neue Sponsoren für seine Schule zu finden. Eins soll im April stattfinden, eins im Juni. Obwohl mittlerweile genug Instrumenten vorhanden sind, schränkt der geringe finanzielle Spielraum andere Investitionen ein. Gerne würde Seibeb neue T-Shirts für das Orchester anschaffen. Außerdem benötigt er dringend ein Büro. „Ich arbeite derzeit aus dem Auto heraus“, erzählt Seibeb.

Daher freut er sich über jeden Konzertbesucher und jeden Sponsor. Der Besuch einer Person wäre ihm dabei besonders wichtig: „Ich möchte gerne den ehemalige Botschafter Egon Kochanke einladen. Er hat mich damals auf besondere Weise ermutigt. Er könnte meine Schüler sicherlich in ähnliche Weise motivieren.“ Dass ein Besuch Kochankes eher unwahrscheinlich ist, ist sich Seibeb bewusst. Immerhin wohnt der damalige Botschafter nicht mehr in Namibia. Seibeb wäre stattdessen aber auch über einen Besuch des aktuellen Botschafters Christian Schlaga erfreut. Und wer weiß: Vielleicht spricht Seibeb in knapp neun Jahren dann voller Dankbarkeit von seinem Treffen mit Schlaga.

Marcel Nobis, Windhoek

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