06 Dezember 2012 | Freizeit

Eine Odyssee der Ausdauer auf dem Dach der Welt

Was treibt einen namibischen Jäger aus dem Erongo-Gebirge zweimal zur Pirschjagd auf das Dach der Welt in Asien, wo er dem sibirischen Steinbock und dem Marco Polo-Widder nachstellt? Kai-Uwe Denker geht dieser Frage auf entbehrungsreichen Wegen und bis an die extreme, persönliche Schmerzgrenze selbst nach. "Von einem großartigen Abenteuer und der Schwierigkeit es tatsächlich zu erleben", heißt es im Untertitel. Denker hat sich auf schwierigste Pfade der physischen und psychischen Selbstfindung begeben. Der Leser bleibt zwar von den klirrenden Temperaturen in Höhen bis knapp 5000 Meter verschont, die Denker mit kirgisischen Jagdführern und den Sattelpferden aushalten will und auszuhalten hat, aber wer dem Jäger bis ins asiatische Jagdrevier in den Hochgebirgen von Kasachstan, Kirgisien und Tadjikistan folgen will, muss tatsächlich auch ein Maß an Ausdauer mitbringen, denn der Autor verliert sich über viele Seiten hinweg in der reinen, wilden Landschaft und ringt angesichts des überwältigenden Panoramas wiederholt nach Worten, das gewaltige Antlitz Asiens angemessen zu schildern, über dem der Bartgeier kreist.
Denker freut sich an einer Stelle, in der grandiosen Gebirgswelt die "Machtkämpfe namibischer Jäger zu vergessen", aber dann holen ihn schnöde Realitäten unter asiatischen Jagdführern und lokalen Verhältnissen schnell wieder ein, "wo keiner meint, was er sagt", wenn es um das "perverse Geschäft mit dem letzten Abenteuer dieser Zeit geht. Nach weit ausholender Schilderung der Gebirgsstöcke, Täler, Hochebenen sowie seiner authentischen Bewunderung für die einzigartigen, exotisch anmutenden, den niedrigsten Frosttemperaturen trotzenden Gebirgsböcken und Widdern sind es triste Alltagsverhältnisse unter lokalen Jagdführern und Vermittlern, sind es auch korrumpierte Jagdpraktiken, die ihn enttäuscht wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Er muss erfahren, dass seine Jagdgefährten wenig Verständnis für den Jagdethos aufbringen, nach dem er verfährt und den er mühevoll auch von seinen Begleitern verlangen will. So muss er nach einem verfehlten Schuss zu seinem Entsetzen von ihnen erfahren, dass es kein Problem sei, ihm ein Gehörn zu beschaffen, das er als eigene Trophäe mit nach Hause nehmen könne. Woraus er denn leicht ableitet, wie häufig und üblich eine solch prostituierte Jagdpraxis üblich zu sein scheint. Ein Andermal verscharren die Jagdführer eine Moment nicht passende Beute im Schnee, um sie eventuell einen nächsten Jagdgast eventuell damit zu düpierend.Der Leser erfährt allerhand Waffenkunde und Überlegungen, welche Entfernung zwischen 300 und 500 Metern beim Anlegen noch vertretbar ist.
Die Frage, was einen Namibier in die Bergwildnis auf das Dach der Welt treibt, beantwortet Denker an verschiedenen Stellen selbst. Einmal will "gleichgültige innere Gelassenheit" finden, dann will er sich von den landschaftlichen Superlativen überwältigen und berauschen lassen, denn wenn er von der Entrückung auftaucht, kommt die Erkenntnis des Jagdalltags zurück: "Der technische Fortschritt in der Jagdausrüstung" bedeutet "den Untergang des ,fair chase' und das Ende der Jagd". Da fragt der Autor sich wieder, warum er sich das antut. Am Ende ist das Buch ein Dokument der Selbstfindung, in dem der Jäger noch einmal "Freud und Leid dieser faszinierenden, erhabenen Wildnisjagd bis zur Neige auskostet."
Ein Buch für Lese-Abenteurer, für Jäger und kritische Beobachter.

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