02 Juli 2010 | Lokales

Eine Frage der Zeit

Windhoek - Der Energieversorger NamPower verlange für die Stromlieferung ab sofort 20,7% mehr von der Stadt, diese habe ihre Tarife aber nur um durchschnittlich 16,7% erhöht. Also werde der Strompreis subventioniert, erklärte Roger Gertze, Leiter der Finanzabteilung der Stadtverwaltung, gestern in Windhoek.

Allerdings kann die Kommune ihren Bürgern den höheren Tarif noch nicht berechnen, weil die Zustimmung vom Elektrizitäts-Kontrollrat (ECB) fehlt. "Wir haben eine Erhöhung von 16,7% beantragt, aber bis heute noch keine Antwort bekommen", so Gertze gestern Vormittag. Stadtsprecherin Liz Sibindi bestätigte am späten Nachmittag, dass noch kein entsprechendes Schreiben vom ECB vorliege. Sobald die Preiserhöhung von der Aufsichtsbehörde genehmigt sei, müsse diese an den Verkaufsstellen für Pre-Paid-Strom sowie in den Zeitungen bekannt gemacht werden, erst dann dürfe die Stadt mehr berechnen.

Um Tarife gerechter zu gestalten und Nutzern auch eine Sparmöglichkeit einzuräumen, will die Stadt in diesem Finanzjahr gestaffelte Preise je nach Verbrauchszeit (time of use tariffs) einführen. Man habe bereits "mit großen Kunden begonnen", so Gertze. Viel schwieriger als bei Unternehmen bzw. Großverbrauchern sei die Umstellung bei Haushalten. Schließlich benötigte man neue Zähler, um eine andere Abrechnungsweise zu gewährleisten. In jedem Fall solle kein Strom verschwendet werden, sagte Gertze und richtete einen Appell an die Bürger. Man solle zur Spitzenlastzeit (peak time) Strom sparen, "dann wird's für alle billiger". Ferdinand Diener, Leiter der Elektrizitätsabteilung der Stadt, ergänzte: "Zur Spitzenlastzeit bezahlt die Stadt für Strom an NamPower mehr als sie ihren Bürgern berechnet." In den Wintermonaten Juni, Juli und August, in denen der Energieverbrauch am höchsten ist, müsse die Stadt "40 bis 50 Millionen Namibia-Dollar pro Monat" an den Versorger zahlen, fügte er hinzu.

Die Stromversorgung bedarf auch großer Investitionen. So müssten 50 Mio. N$ in eine neue Umspannstation sowie neue Sicherungssysteme beim Van-Eck-Kraftwerk investiert werden, beginnend in diesem Haushaltsjahr. Diener begründete dies mit dem gestiegenen Energieverbrauch.

Trotz all dieser Ausgaben ist die Stromversorgung für die Stadt noch ein gutes Geschäft: Im jetzt begonnenen Haushaltsjahr wird mit einem Gewinn von 196,5 Mio. N$ gerechnet, im Jahr zuvor waren es noch ca. 107,5 Millionen. Das Geld fließe auch in die Finanzierung von Projekten, die nichts mit Stromversorgung zu tun hätten, sagte Gertze.

Haushalt 2010/11: Zahlen & Fakten
Ausgaben aus Vermögenshaushalt (Capital Budget): 344,8 Millionen N$
Die wichtigsten Ausgabeposten: Infrastruktur bzw. Wasser- und Abwassermanagement: 111,4 Mio. N$ (32,3%), Straßenbau und -sanierung: 57,7 Mio. N$ (16,7%), Stromversorgung: 49,5 Mio. N$ (14,3%), Stadtteil-Entwicklung: 40,9 Mio. N$ (11,8%), Stadtpolizei und Rettungsdienst: 36,2 Mio. N$ (10,5%) sowie Wirtschaftsförderung und Bürgerdienste: 29,1 Mio. N$ (8,4%).
Ausgaben aus Verwaltungshaushalt (Operational Budget): 1,682 Milliarden N$
Die wichtigsten Ausgabeposten: allgemeine Kosten (Strom von NamPower, Wasser von NamWater, Treibstoff, Fahrzeugwartung, Büromaterial): 979,3 Mio. N$ (58,2%), Löhne und Gehälter: 502,7 Mio. N$ (29,8%), Administrations-Gebühren: 181,8 Mio. N$ (10,8%), Kapitaldienste (Zinsen/Rückzahlungen): 138,8 Mio. N$ (8,2%) sowie Reparaturen und Instandhaltung: 120,9 Mio. N$ (7,1%).
Einnahmen: 1,676 Milliarden N$; das heißt im Finanzjahr 2010/11 (1.7. bis 30.6.) verzeichnet die Stadt Windhoek laut dem Entwurf einen Verlust in Höhe von 6 Mio. N$

Das wird teurer
Mit dem Haushalt 2010/11 steigen die Tarife für kommunale Dienste: Abwasser: +7%; Wasser-Grundbetrag: +8%; Wasserverbrauch: +8%; Grundstückssteuer: +8%; Müllentsorgung: +5%; Abfallwirtschaft: +5%; "Availability Charge": +5%; Stromverbrauch: +16,7% (Durchschnitt). Nach Berechnungen der Stadt erhöhen sich dadurch die Kosten für Haushalte mit niedrigem Einkommen um 12% bzw. 67,14 N$, mit mittlerem Einkommen um 11% bzw. 113,58 N$ und mit hohem Einkommen um 13% bzw. 365,78 N$ (jeweils pro Monat).

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