30 November 2018 | Leserpost

Ein Rohr ist kein Rohr

Betr.: Leserbrief: Eigenes Engagement (AZ, 23.11.2018)

Wie den Medien zu entnehmen ist, wurden unlängst wieder Stimmen laut, den in Namibia lebenden Deutschsprachigen ein „einheitliches Sprachrohr zu verschaffen“. Kenner der südwest-deutschen Geschichte horchen bei dieser Forderung auf: Alles schon dagewesen. Nach dem 1.WK konstituierte sich hierzulande der „Deutsche Bund“. Er verhandelte zwischen der Mandatsregierung und den von der Repatriierung nach 1919 verschonten und in den zwanziger Jahren neu eingewanderten Deutschen im alten SWA in Fragen der Schulpolitik, Sprachenpolitik, Staatsbürgerfragen - bis zu Anfang der dreißiger Jahre. Da wurde das Sprachrohr der Südwest-Deutschen (Dt. Bund) gestopft und es gaben nun die neuen linientreuen NS‘ler aus dem neuen Deutschland nach 1933, den Ton durch das (gleichgeschaltete) Sprachrohr an. Leider spielten sie damit ultimativ der Politik des Deutschenhassers Jan Smuts (Premierminister Südafrikas) in die Hände und sahen sich bei Ausbruch des 2. Weltkriegs in südafrikanischen Konzentrationslagern interniert.

Was ist eigentlich aus der IG geworden? Sie war damals vor der Unabhängigkeit das „Sprachrohr für hier lebende Deutschsprachige“. Sie hatte sogar eine eigene Zeitung (NN). Alles bereits vergessen. Vor der Forderung nach einem „singulären Sprachrohr für hier lebende Deutschsprachige“ ist daher zu warnen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass aus einem singulären Sprachrohr Geräusche kommen werden, die vorgeben werden im Namen der, bzw. aller hier lebenden Deutschsprachigen zu tönen. Medienfreiheit, Meinungsfreiheit, Sprachfreiheit und Pluralismus ade - Willkommen Zensur, ideologische Monokultur, Zwang! Außerdem besteht die Gefahr, dass ein singuläres Sprachrohr umgehend gekapert werden kann. Ein willensschwacher Sprachrohrhalter, und schon kommen Geräusche aus dem Sprachrohr, die gar nicht dem Urheber, sprich den nicht hier lebenden Deutschsprachigen entsprechen. Es ist verständlich, wenn es Außenstehenden schwerfällt, die vielfältigen deutschen Geräusche in Namibia richtig zu verstehen und einzuschätzen. Das ist auch gut so. Dafür muss man nämlich das Ohr am Boden haben und, wie der Stimmenvielfalt im Busch, den vielfältigen deutschen Geräuschen hierzulande aufmerksam lauschen (es sind ungefähr ebenso viele verschiedene Stimmen wie hier lebende Deutschsprachige (es macht hier nämlich jeder so sein Ding).

Was wir nicht brauchen, ist eine sprachliche, sprich kulturelle, sprich ideologische, sprich politische Gleichschaltung zu dem ganz neuen Deutschland sprich Europa. Ich möchte daher also den nach einem singulären Sprachrohr fordernden bereits auf diesem Wege mitteilen, dass ich mein eigenes kleines persönliches Sprachrohr, sei es als Buchautor, Artikelschreiber, Journalist, Dichter, Leserbriefschreiber, Graffiti-Kritzelnder, usw. und (auch) Deutschsprechender unbedingt erhalten möchte.

Interessenten, die sich mit dieser Frage eingehender beschäftigen wollen, denen sei diese Studie empfohlen: Bertelsmann, W.: Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915. NWG, Windhoek 1979. Neu herausgegeben von Andreas Vogt, Windhoek, Namibia, 2015. Reihe Südwester Texte VIII ISBN: 978-99916-891-5-9 (Namibia). Sie ist im hiesigen Buchhandel erhältlich. Sie könnte denen als Pflichtlektüre empfohlen werden, die sich zum Thema „singuläre Sprachrohre“ informieren und deren historische Werdegänge resp. implizierter Gefahren und Schlaglöcher informieren möchten.

Dr. Andreas Vogt

Windhoek

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