04 März 2010 | Reiseberichte

Ein Märchen ohne Happy End - Schloss Duwisib bei Maltahöhe

Gut versteckt, abseits der C14 und 70 km südwestlich von Maltahöhe, liegt mitten im Nichts das sagenumwobene Schlösschen Duwisib. Vor gut 100 Jahren wollte sich ein Schutztruppenoffizier damit seinen Traum von Afrika erfüllen.
Exakt 111 km Teerstraße verbinden Mariental und Maltahöhe, dann ist staubige Fahrt auf der Schotterstraße Richtung Helmeringhausen angesagt. Dafür wird die Landschaft nach Westen jetzt abwechslungsreicher, viel schöner. Wir befinden uns nicht mehr auf weiter kahler Fläche in ausgedörrtem Graubraun, sondern mitten in den Bergen. Hansheinrich von Wolf hatte sich wahrlich ein hübsches Fleckchen Erde ausgesucht.

Und dann taucht es auf einer Anhöhe plötzlich rechts vor uns auf, das Schloss Duwisib. Man hat schon Bilder von dem roten Sandsteinbau gesehen, aber dennoch ist der Anblick völlig überraschend. Auch wenn es nun wirklich kein Schloss ist, sondern eher ein kleines Fort, ein burgartig befestigtes Farmhaus mit Zinnen und Schießscharten. Da beginnen auch schon die Spekulationen und Legenden: hat sich von Wolf aus Sicherheitsgründen eine kleine Festung bauen lassen, weil er wenige Jahre zuvor in den kolonialen Kriegen von 1904 gekämpft hatte, oder schwebte ihm ein Rittergut in der deutschen Kolonie vor?

Architekt Wilhelm Sander, dem Windhoek seine drei Burgen verdankt, wurde 1908 mit dem Entwurf des hochherrschaftlichen Hauses auf Duwisib beauftragt. Und so wuchs aus massivem roten Sandstein fernab aller Wege ein kleines Prachtexemplar wilhelmischischer Neo-Romantik mit Stilelementen der Gotik und Renaissance. Handwerker aus verschiedenen europäischen Ländern wurden angeheuert, fast alles wurde importiert und aus dem 600 km entfernten Lüderitzbucht auf kaum vorhandenen holprigen Pfaden herbeigeschafft. Die gesamte prunkvolle Inneneinrichtung für insgesamt 22 Zimmer: kostbare Möbel und Teppiche, Gemälde und andere Kunstgegenstände. 1909 war Duwisib bereits bezugsfertig.

Der Grundriss ist ein einfaches Rechteck. Durch die gotische Eingangspforte tritt man in den Rittersaal, eine schmale Treppe führt hoch zur Musiker-Galerie und zum Herrenzimmer im Erker am Turm. Ansonsten befindet sich alles auf ebener Erde. Im vorderen Hauptteil des Gebäudes gibt es noch ein großes getäfeltes Speisezimmer und ein Biedermeierzimmer, rechts neben dem Eingang befanden sich die Privatgemächer der von Wolfs. Nach hinten erstrecken sich rechts und links jeweils fünf größere und kleinere Zimmer, die teilweise miteinander verbunden sind. Die Rückseite des Quadrats ist reine Mauer. Der Innenhof ist groß genug für Palmen und die alten Jacaranden. Das Herzstück ist der Brunnen, der einst den gesamten Haushalt mit Wasser versorgte.
Besagter Hans-Heinrich von Wolf, 1873 in Dresden geboren, diente in der Königlich-Sächsischen Artillerie in Königsbruck. Nach Ausbruch des Herero-Aufstandes 1904 meldete er sich zur Kaiserlichen Schutztruppe und kam im Dezember des selben Jahres ins Land, übrigens an Bord der Gertrud Woermann, die nördlich von Wlotzkasbaken im Nebel auf Grund lief.
Gut ein Jahr später war von Wolf zurück in Deutschland und heiratete im April 1907 die begüterte Jayta Gumphries, Stieftochter des in Dresden amtierenden amerikanischen Konsuls. Bald darauf reiste das junge Paar mit großen Plänen gemeinsam in die Kolonie.

In Deutsch-Südwestafrika wollte sich von Wolf als Großgrundbesitzer etablieren und Pferde züchten. Im August 1907 beantragte er beim Bezirksamt Maltahöhe den Kauf von sieben Farmen, insgesamt 140 000 Hektar Land. Der Antrag wurde allerdings nur teilweise genehmigt: von Wolf mußte sich mit 55 000 Hektar begnügen.
Lange konnte er sich jedoch nicht an seinem Besitz erfreuen. 1914 trat das Ehepaar eine Reise nach Großbritannien an, um einen Vollblut-hengst zu kaufen. Unterwegs brach der Weltkrieg aus, und über abenteuerliche Umwege mit Zwischenstation in Südamerika gelangte der kaiserliche Hauptmann in einen neutralen Hafen. Zurück in Deutschland, meldete er sich sofort zum Dienst und fiel zwei Wochen später im September 1916 in der Schlacht an der Somme. Seine Frau Jayta kehrte nie wieder nach Duwisib zurück.
In nur fünf Jahren hatte Hans-Heinrich von Wolf tatsächlich ein stattliches Gestüt aufgebaut. Lange wurde gemutmaßt, dass die wilden Pferde der Namib, die in der Umgebung von Garub bei Aus heimisch geworden sind, trotz der großen Entfernung Nachkommen von Duwisib Pferden seien. Mittlerweile gilt jedoch als erwiesen, dass die Vorfahren der wilden Pferde dem Gestüt eines Bürgermeisters von Lüderitzbucht entstammten, die sich vor bald 100 Jahren mit versprengten südafrikanischen Truppenpferden vermischten.

Duwisib wurde nach der deutschen Kolonialzeit an eine schwedische Familie verkauft, die den Besitz ihrerseits an die Duwisib-Farmgesellschaft veräußerte. Bis Ende der 70er Jahre, als die damalige Abteilung Naturschutz das Anwesen übernahm, wohnte dort der Farmverwalter. Die Inneneinrichtung war größtenteils eingelagert worden.
1991 wurde Duwisib renoviert und kann seither als Museum besichtigt werden. Ein Teil der Möbel, Gemälde und von Wolfs Waffensammlung werden ausgestellt. Die Räume der Seitenflügel stehen allerdings leer.

Namibia Wildlife Resorts unterhält auf Duwisib ein Besucherbüro und einen Campingplatz. Campen kann man auch direkt nebenan bei Familie Frank-Schultz auf der Farm Duwisib; außerdem gibt es dort preiswerte Unterkunft für 14 Gäste.

Christina Rockstroh

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