28 September 2018 | Landwirtschaft

Ein Konzept, das Natur und Menschlichkeit pflegt

Tun was man liebt und damit die eigene Vision vorantreiben – das ist das Lebensziel vieler Menschen. Christiane Ahlenstorf hat ihre Wertevorstellungen zur Realität gemacht, indem sie mit ihrem Ehemann und einem weiteren Paar die Krumhuk-Farm umgestaltete.

Die Krumhuk-Farm liegt nur wenige Kilometer außerhalb Windhoeks und ist eine kleine Oase. Ein altes Farmhaus mit sattgrünem Rasen und zahlreichen Beeten bereichert die sonst so trockene Khomas-Region. Früher bewirtschaftete die Farm nur Rinder – 1995 krempelten Christiane Ahlenstorf, ihr Mann Ralph und das Ehepaar Ulf Dieter und Christine Voigts das Farmleben dann komplett um. Biodynamisch sollte Krumhuk werden. Heute – rund 23 Jahre später – ist das Konzept vollständig umgesetzt. Damit bildet der Hof laut Betreibern ein namibisches Unikat.


Biodynamisches Denken

Um ein solches Unikat zu werden, musste einiges verändert werden. Nennt sich eine Farm biodynamisch, verpflichtet sie sich vielen Vorschriften: biodynamische Farmen folgen einem expliziten Regelkatalog, der auf das Jahr 1924 zurückgeht und sich auf die Anthroposophie nach Rudolf Steiner bezieht. Diese Lehre sieht die dualistische Trennung zwischen dem Ich und der Welt als veraltet an – sie möchte die beiden Elemente im Einklang betrachten und deren gegenseitige Wechselwirkung in den Fokus stellen. Nach Steiner spielen zudem kosmische Gegebenheiten während der Prozesse eine Rolle, also beispielsweise der Stand des Mondes. Die Anthroposophie bezieht sich dabei jedoch nicht ausschließlich auf Landwirtschaft, sondern platziert sich in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens – so zum Beispiel in Architektur, Kunst und Pädagogik.
Die Landwirtschaft wurde verhältnismäßig spät miteinbezogen. Da Steiner nur ein Jahr nach der Veröffentlichung dieses Verständnisses der Anthroposophie verstarb, verblieb die „Steinerische Herangehensweise“ an das Agrarwesen unvollendet. So wurde die noch in Kinderschuhen steckende Perspektive der Theorie über die Jahre hinweg weiterentwickelt, bis sie 1930 als biologisch-dynamische, kurz als biodynamische, Landwirtschaft betitelt wurde.


Praktische Komponenten

Doch was bedeutet es, biodynamisch zu arbeiten? Bauern, die sich an diesem Konzept orientieren, folgen einem verstärkten Nachhaltigkeitsprinzip. „Der Hof wird als ein eigener Organismus betrachtet“, erklärt Christiane Ahlenstorf. Auf Krumhuk ernähre man sich weitestgehend von selbst produzierten Lebensmitteln, zudem dünge man mit dem kompostierten Kot des eigenen Nutzviehs. Um den kosmischen Aspekt der Lehre nach Steiner umzusetzen, bündele man beispielsweise diverse Kräfte in Form bestimmter Kräuter, die dem Kompost beigefügt werden. Außerdem setze man Steiners Idee um, Kot in Hörnern des eigenen Viehs zu kompostieren. Im Kern gehe es darum, mit dem Handeln einen Kreislauf zu schaffen: nur so viele Tiere zu halten, wie man bewirtschaften kann, deren Exkremente wieder zu verwenden und damit einen fruchtbaren Boden zu schaffen, der wiederum nahrhafte Lebensmittel hervorbringt, so Ahlenstorf.
Die gebürtige Norddeutsche kam vor 23 Jahren nach Namibia. Gemeinsam mit ihrem Mann, der Bauer ist und schon zuvor gemäß des biodynamischen Prinzips arbeitete, ergriff sie die Initiative Krumhuk zu transformieren, als Ulf Dieter Voigts sie dazu eingeladen hatte. Voigts erbte die Farm, die erstmals 1889 von Richard Voigts erworben und durch Brunnen- und Dammbau bewirtschaftbar gemacht wurde. Die Ahlenstorfs und Voigts sahen großes Potenzial darin, biodynamisch zu wirtschaften. Die Idee eines geschlossenen Kreislaufs innerhalb des Hofes sollte jedoch über die landwirtschaftliche Perspektive hinausgehen, erinnert sich Ahlenstorf. Denn ein anderer Aspekt der biodynamischen Theorie ist es, ein ebenbürtiges Sozialleben zu entwickeln. Während Besitzer und Arbeiter vieler Farmen oftmals aneinander vorbei leben und an strenge Hierarchien gefesselt sind, etablierte sich auf Krumhuk ein harmonisches Zusammenleben. Geprägt sei die Gemeinschaft dadurch, dass gemeinsam angepackt, aber auch gefeiert werde, meint Ahlenstorf. So gebe es jeden Montag einen Morgenkreis, in dem man sich ausgetauscht und zusammen betet. Außerdem gebe es mindestens drei Mal im Jahr große Feste, durch die die Gruppe gestärkt werde, so Ahlendorf.


Multikulturelles Miteinander

Die Farmbewohner setzen sich aus einem bunten Haufen zusammen: insgesamt leben rund 85 Menschen mit acht verschiedenen Muttersprachen auf dem Gelände –30 davon seien Damara, die seit Generationen auf Krumhuk heimisch sind. Als Ahlenstorf und Co. das Projekt umsetzten, eröffneten sie als eine der ersten Maßnahmen einen hofeigenen Kindergarten, in dem alle Heranwachsenden gemeinsam spielen und aufwachsen. Ahlenstorf Kinder waren selbst Teil dieser ersten Generation – heute ist der beste Freund ihres Sohnes ein junger Damaramann, dessen Mutter auf Krumhuk lebt und arbeitet. Die teuren Schulgelder, die man in Namibia für gute Bildung bezahlen muss, trennen die heutige Gesellschaft nach wie vor, meint Ahlenstorf. In Krumhuk sei es normal, von Anfang an als Gemeinde aufzuwachsen – unabhängig von Herkunft und Kontostand, erklärt sie weiter.
Auch David, ein Owambo, wuchs auf der Farm auf – heute behält er den Überblick über den großen Gewächsgartens Krumhuks. Ahlenstorf schwärmt und lobt den jungen Mann, nennt ihn den künftigen Chef des Gartens. Krumhuk biete den Arbeiterkindern Aufstiegsmöglichkeiten und viel Verantwortung, wenn Engagement und Wissensdurst gegeben seien, erklärt Ahlenstorf. Auch David strebt danach, eines Tages die volle Verantwortung tragen zu dürfen. Die Arbeit mache ihm viel Spaß, er möchte jedoch noch mehr dazu lernen, erzählt der 21-Jährige. Gemeinsam mit Ahlenstorf präsentiert er selbstsicher die vor kurzem gesäten Tomatenpflanzen, deren grüne Zweige in die Höhe sprießen. Außer Tomaten baue er beispielsweise Kohl, Karotten, rote Beete und viele weitere Gemüsesorten an, die er alle stolz aufzählt. Ist das Gemüse reif, wird die Ernte jeden Samstag auf dem Biomarkt in Klein Windhoek verkauft, wo die Erzeugnisse des Hofes großen Anklang finden.
Bei dem Biomarkt wirkt die Krumhuk-Farm seit Beginn an mit. Laut Ahlenstorf sei dies eine tolle Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen und von der Geschichte und Philosophie Krumhuks zu erzählen. Besucher sind auf der Farm jedoch auch jederzeit willkommen. Neben Wanderungen kann man dort im Sommer schwimmen, jagen oder spazieren gehen. Jeden Sonntagnachmittag bietet die Farm zudem ein Kuchenbuffet an, über das man sich unter den grünen Baumkronen auf dem Hof hermachen kann.


Von Caroline Niebisch, Windhoek

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