01 Juni 2018 | Natur & Umwelt

Ein Haufen Müll und eine rote Schleife

Von Astrid Probst

„Da drüben liegt eine Plastikfalsche, Eure Exzellenz!“, wird dem Präsidenten ins Ohr geraunt. Aber nicht leise genug. Die Reporter blicken sich um. Dort, etwa fünf Meter entfernt, liegt die kleine, zusammengetretene Plastikflasche am Boden. Die Reporter hetzen los, rennen, positionieren sich vor der Flasche, die Kamera bereit. Langsam nähert sich der Präsident, geht in die Knie und hebt die Flasche auf. Es wird gedrängelt, die Kameras klicken - ein gutes Foto. Da drauf ist der Präsident, wie er sich bückt, die Flasche aufhebt und in den schwarzen Müllbeutel wirft.

Geschehen ist dies am vergangenen Freitag, bei der landesweiten Müllsammelaktion. Namibias Präsident, Hage Geingob, hat selbst dazu aufgerufen oder der Rapper EES - das weiß niemand mehr so genau. Letzen Endes geht es ums Müllsammeln. Denn Windhoek wird immer dreckiger, Müll liegt an den Straßen und wird auf Gelände geworfen. Lange galt Windhoek als die sauberste Stadt Afrikas, diesen Titel hat nun Kigali übernommen - zum Ärger des Präsidenten. „Es ist inakzeptabel, dass wir es erlauben, dass Windhoek seinen Titel als sauberste Stadt Afrikas verliert, weil so viel weggeworfen wird“, sagte er im April.

Ärger um das Datum

Ursprünglich sollte der Müllsammeltag am Unabhängigkeitstag, dem 21. März, stattfinden, dazu hatte EES aufgerufen. Dafür wurde der Sänger stark kritisiert, viele Namibier empfanden es als Versuch den Feiertag stehlen zu wollen. Dann übernahm Geingob. Er schlug den 1. Mai, den Tag der Arbeit, als Datum vor. Daraufhin folgte eine Protestwelle verschiedener Verbände und Arbeiterbewegungen. Der Tag der Arbeit, der aus einer Zeit stammt, als es noch Zwangsarbeit gab und die Menschen deswegen an diesem Tag von der Arbeit befreit werden sollten, erschien vielen Verbänden schon allein aufgrund dieser historischen Bedeutung unpassend, um die Menschen Namibias dazu aufzufordern zu putzen. Deswegen fand die Aktion am 25. Mai, dem Afrikatag, statt.

Im SUV zum Aufräumen

Die Hauptveranstaltung in Windhoek war in Katutura, inmitten der Blechhütten-Siedlung. Früh am Morgen, um 7 Uhr, sollte es losgehen, auf dem Weg zum Treffpunkt in Goreangab stauten sich die Autos. Hupen, drängeln, ungeduldiges Überholen und dann ging nichts mehr weiter. Die Straße wurde gesperrt. Die Polizei stoppte den Verkehr. Nachdem der Präsident durchgefahren war, der in einem der fünf schwarzen, mit abgedunkelten Scheiben …. (welches Auto) saß, wurde die Straße wieder freigegeben. Am Sammelpunkt warteten bereits Vertreter der Stadt, das Militär, einige Organisationen, die Polizei, Mithelfer, die Presse und viele mehr.

Ein roter Teppich in Katutura

Dort, mitten auf dem staubigem Fußballplatz steht ein Zelt. Über einen roten Teppich geht der Präsident zu seinem Platz. Die Cap tief ins Gesicht, die Lederjacke bis obenhin geschlossen sitzt er dort auf seinem schwarzen Lederstuhl. Hört den vielen Reden zu, nickt gelegentlich und neigt den Kopf, als die Erzbischöfin Miriam Omonigbehim das Eröffnungsgebet spricht. Es geht ums Aufräumen, das wird deutlich. Im Gebet werden die Helfer, der Präsident und alle gesegnet, die mit der Aktion zu tun haben. Und auch im Auftritt von Kindern, die in pinken Röcken einen Ovambo-Tanz vorführen, geht es ums Aufräumen, während sie mit einem Rechen und einer Schaufel singen und klatschen.

„Eine Patriotische Pflicht“

Langsam erhebt sich der Präsident, seine Lederjacke hat er abgelegt. Er trägt einen blau-grünen Overall mit eingesticktem Namen und eine Cap, auf der „National Clean-up Campaign“ steht. „Wir müssen die Ärmel hochkrempeln“, ruft er und blickt in die Menge. „Es ist unsere patriotische Pflicht und gesellschaftliche Verantwortung, unsere Umwelt sauber zu halten. Es ist die Pflicht jedes einzelnen Namibiers, für eine hygienische Umgebung zu sorgen“, ruft Geingob. Während er spricht laufen im Hintergrund die Motoren der Lastwägen und Traktoren, nun schon seit zwei Stunden. Hinter dem Steuer sitzt niemand. Heute sei der Tag um zu beginnen, sagt er. Die Menschen klatschen, viele sind gekommen, um mitzuhelfen.

Zurück über den roten Teppich geht Geingob auf einen grünen Container zu, ein mobiles Recyclingcenter. Mit ein paar Eröffnungsworten durchschneidet der Präsident das Band mit der roten Schleife. Es wird gejubelt und Fotos werden gemacht, bevor Geingob einen Mundschutz angelegt bekommt, Handschuhe überzieht und selbst eine kleine Runde durch Katutura dreht. Er bückt sich, hebt Plastiktüten, Flaschen und Kanister auf. Das muss er selbst tun, der Müllbeutel wird ihm getragen. Eine Schar an Soldaten, Stadtangestellten und Helfern folgt ihm und zieht durch Katutura.

Namibias Wegwerfmentalität

Aber auch fernab der großen Veranstaltung sammeln Leute Müll. In Teilen Katuturas, in denen man gar nichts von der Anwesenheit des Präsidenten mitbekommen hat, in Klein-Windhoek, in Eros und vielen anderen Teilen der Stadt haben die Menschen begonnen die Gegenden aufzuräumen, um das Müllproblem Namibias zu bekämpfen. Um die Wegwerfmentalität zu verändern wird es noch dauern und viele Aufräumaktionen brauchen, um nachhaltig etwas gegen den Plastikverbrauch zu tun.

Zurück am Sammelplatz in Goreangab laufen immer noch die Motoren der Lastwagen, Traktoren und auch die der fünf (Automarke). Der Präsident steigt ein, seine Arbeit ist getan. Vor dem mobilen Recyclingcenter liegt die rote Schleife auf dem Boden, mittlerweile fast so platt und braun vor Staub wie die Plastikflasche.

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