22 Oktober 2020 | Leserpost

Ein Brief auf erschreckendem Niveau

Betr.: An open letter to the Secretary-General of the UN

Gondwana ist (war) zweifellos eines der erfolgreichsten und bestgeführten Tourismusunternehmen in Namibia. Wenn ich den Brief des Managing Directors lese, wundere ich mich, wie es unter seiner Führung dazu kommen konnte. Herr Joubert beklagt, dass die COVID-19-Todesfallzahlen gerade auch im Vergleich zu Tuberkulose und anderen Krankheiten gering ausfallen. Nur ist das eine Verdrehung von Ursache und Wirkung. Dieses (gängige) Argumentationsschema fällt unter das Präventionsparadox. In Deutschland könnten wir z.B. fragen, warum wir gegen Masern impfen. Laut offiziellen Statistiken stirbt nur alle 2 Jahre mal jemand an Masern und wir haben nachweisbar hundert andere Krankheiten, an denen mehr Menschen sterben. Aber es sterben so wenige an Masern, weil wir eben Maßnahmen ergriffen haben, konkret: weil wir eben impfen. Genau so ist es bei COVID-19. Es sterben so wenige daran, weil eben strikte Maßnahmen gegen die Verbreitung ergriffen wurden. Bedauerlich, dass Herr Joubert das offenkundig nicht begriffen hat. Sinngemäß fragt Herr Joubert: „Es können doch fast alle lesen und schreiben. Warum wird das immer noch an den Schulen vermittelt?“ Ja, weil es sonst eben nicht alle könnten. Genau so ist eine Argumentation, das COVID-19-Maßnahmen unnötig seien, weil doch kaum jemand dran sterben würde. Selbst mit diesem Wissen kann man natürlich Maßnahmen hinterfragen, aber dann muss man klar sagen, dass man es besser findet, wenn schätzungsweise 5 000 bis 10 000 Namibier an COVID-19 sterben, statt bisher rund 110 – Hauptsache, die Wirtschaft läuft. Letztlich läuft das auf die schon immer hoch-philosophische Frage hinaus: Was ist ein Menschenleben in Euro, Dollar oder Namibia-Dollar wert? Wieviele Härten, Einkommens- und Gewinnverluste sind gerechtfertigt, um ein Menschenleben zu retten? Ich habe keine Antwort darauf. Ich weiß nur, dass sich diese Frage in der ersten und der dritten Welt gleichermaßen stellt. Völlig inkonsistent ist auch die Argumentation Jouberts in einem anderen Punkt. Er beklagt, dass bezüglich COVID-19 ein „one-size-fits-all approach“ verfolgt wird, d.h. alle Länder ähnliche Maßnahmen gemäß WHO-Empfehlungen ergreifen. Herr Joubert möchte, dass jedes Land eigene, maßgeschneiderte Maßnahmen ergreift. Das kann man durchaus so sehen. Aber wenige Sätze später schreibt Joubert dann bezüglich COVID-19 und Tourismus „The complete lack of leadership on an international level is rather shocking. [...] The same virus in every country, yet everyone decides for themselves at the detriment of the other.” Joubert möchte, dass es einheitliche Regeln für alle Länder gibt und widerspricht sich somit selbst. Insgesamt ein Brief auf erschreckendem Niveau.

Gernot Hoffmann

Berlin

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