03 Februar 2003 | Lokales

"Ein bisschen verrückt muss man sein"

Rallye-Fahrern vom Kaliber eines Colin McRae, Carlos Sainz oder einer Jutta Kleinschmidt mag der Rallye-Sport ein lukratives finanzielles Einkommen sichern. Für die Hobby-Fahrer bei der Evo Kalahari Classic Rallye ist der Fall jedoch anders gelagert.




Die geben erst einen Haufen Geld aus, dann schwitzen sie zehn Tage lang wie ein Rennpferd, und am Ende gibt es allenfalls einen warmen Händedruck.


Am 25. Januar startete die Kalahari-Rallye in Windhoek. Für den britischen Eventmanagement-Konzern Evo ist es die erste Veranstaltung dieser Art auf namibischem Boden. Bei den elf Classic-Boliden (Baujahr 1979 oder früher) handelt es sich ausnahmslos um Fahrzeuge der Marken Ford und Porsche. Die Teilnehmer stammen aus den USA, Europa und Ozeanien.


Die Streckenplanung liest sich wie das Angebot eines Pauschalreisen-Anbieters: Von Windhoek über Solitaire und Walvis Bay nach Swakopmund, von dort aus in den Norden nach Tsumeb. Dann wieder zurück nach Windhoek, wo der Sieger heute gekrönt wird. Im Ziel wird jedes Auto, das das Rennen ohne Ausfall überstanden hat, 2900 Kilometer mehr auf dem ohnehin schon recht krummen Buckel haben. Allein 900 Kilometer der Gesamtstrecke bestehen aus Spezialetappen. Für ein Fahrzeug von 24 oder mehr Jahren keine leichte Aufgabe. Bislang führen Richard Martin-Hurst und Tony Devantier in einem Ford Capri Perana V8 die Evo Kalahari Classic an.


"Vor wenigen Jahren haben wir an der Shield-of-Africa-Rallye durch das südliche Afrika teilgenommen. Für uns war danach klar: Wir wollen noch einmal in Afrika an den Start gehen", sagte Mary-Ellen Kane, die gemeinsam mit ihrem Mann Paul in einem Shelby Mustang, einem modifizierten Ford Mustang, ins Rennen startete und am Donnerstag auf Rang sieben lag. "Wir haben einen irren Spaß." Ihr kostspieliges Hobby beschreibt die in Großbritannien lebende US-Amerikanerin so: "Man braucht eine Menge Geld, viel Mut. Und ein wenig verrückt sein muss man sowieso." Zu holen gibt es für den Sieger und die Platzierten kaum was. "Wir gewinnen nicht viel. Im Gegenteil: Die Teilnahme kostet uns viel Geld", beteuert Paul Kane.


Die Liebe zu alten Autos macht die Teilnehmer der Kalahari Classic zu einer verschworenen Gemeinschaft. "Unsere Gespräche sind von einem gemeinsamen Thema geprägt. Wenn jemand technische Probleme hat, helfen die anderen, wo sie können." Angetrieben werden die Teilnehmer auch von sozialem Engagement. Wie immer investiert der Veranstalter einen Teil der generierten Gelder in ein Entwicklungsprojekt des jeweiligen Gastgeberlandes, in diesem Fall Namibia.


Im Bereich Motorenleistung können die Classic-Boliden so manchem modernen Fahrzeug noch das Fürchten lehren. Im rauen Terrain sind die alten Autos nach wie vor extrem belastbar. Wenn"s richtig rasant und schnell zur Sache geht, blühen Piloten und Beifahrer auf. "The need for speed", wie Mary-Ellen Kane es poetisch nennt, zieht die Rallye-Sportler in seinen Bann.


Vor der Teilnahmegenehmigung bei der Evo Kalahari Classic durchleuchtete der Veranstalter jede Kandidatur aufs genaueste und hält sich dabei strikt an das Regelwerk des Internationalen Automobilverbandes (FIA). Fahrer und Beifahrer müssen eine internationale Lizenz für historische Autos vorweisen. Jedes Fahrzeug muss über die von der FIA in diesem Klassement vorgeschriebenen technischen Instrumente verfügen.


Voraussetzung für die Teilnahme an der Rallye ist ein lupenreines Gesundheitsattest. Alle Piloten und Navigatoren werden entsprechend untersucht. "Namibia ist ein heißes Land. Wir schwitzen extrem in unseren Autos. Da muss man topfit sein", erklärt Mary-Ellen Kane die strengen medizinischen Auflagen. Einziges Zugeständnis der FIA: Die Teilnehmer sind nicht zum Tragen von Schutzanzügen verpflichtet. Dennoch kleiden sich mehrere Teams mit den klassischen Motorsport-Overalls.


Bevor die Flagge zum Start der Rallye fiel, mussten die Kandidaten jede Menge Gebühren entrichten. Bei einer Teilnehmerzahl von 30 hätte die Registration 7000 Pfund je Auto betragen. Da sich nur knapp ein Dutzend Fahrzeuge meldeten, wurde die Teilnahmegebühr erhöht. Diese Summe schließt jedoch den Fahrzeugtransport per Schiff nach Namibia, die basische Wartung, Hotelunterkunft mit Halbpension für Fahrer und Beifahrer, Reifen, Vor- und Afterparty, Versicherung und Gepäcktransport ein. "Alles in allem kriegen wir also eine Menge geboten", weiß Paul Kane, der in seinem Leben schon viele Rennen bestritten hat.


Bei der Kalahari Classic geht es aber nicht nur um harten Konkurrenzsport. "Wir feiern alle gern und trinken auch mal über den Durst. Dazu gibt es am Rande eine Menge Freizeitangebote. Sobald wir aber hinters Steuer klettern, ist Nüchternheit das höchste Gebot", erzählt Harry Dodd. Der 65-jährige "Oldtimer" nimmt in seinem Porsche 911 erstmals an einer Rallye auf afrikanischem Boden teil. "Mir gefällt Namibia sehr gut. Wenn sich nochmal die Gelegenheit bietet, komme ich auf jeden Fall wieder."


Obwohl er der älteste Teilnehmer der Kalahari Classic ist, lässt der Brite Dodd noch so manchen Konkurrenten mit seiner Rasanz staunen. Sein Navigator Roy Campbell bekam die Folgen von Dodds" Ehrgeiz schmerzhaft zu spüren, als der Porsche auf dem Weg von Windhoek nach Solitaire via den Gamsberg-Pass eine Bodenwelle etwas zu schnell anging. Campbell prallte mit dem Kopf gegen das Dach des Autos und musste wegen eines leichten Schwindelanfalls behandelt werden.


Aber auch andere Fahrzeuge und Fahrer zollen Namibias hartem Terrain Tribut. Bei einem riskanten Kurvenmanöver verließ Paul Kanes Mustang die Straße. Die vordere Aufhängung und alle vier Reifen des Mustang waren völlig demoliert und mussten ersetzt werden. Bruno Jarry, Co-Fahrer von Paul-Eric Jarry in einem Porsche 911, musste Tag zwei mit einer Verletzung im unteren Rückenbereich aussetzen und Adrian Trikett, ebenfalls in einem Porsche 911, rasierte einen Farmtorpfosten und beschädigte seine Hinterradaufhängung.


Die Teilnahme von John Hills riecht förmlich nach Rekord: Wenn der Australier heute das Rennen beendet, wird sein Ford Escort mehr Rallye-Kilometer registriert haben als alle anderen teilnehmenden Fahrzeuge zusammen.

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