11 Mai 2017 | Glosse

Eiertanz und opportune Auftritte sind mos Alltag

Omupräsidente III, Comräd !Ghôahesab Hage Gottlieb Geingob, is ´n politischer Veteran. Er hat Scharf- und Überlebenssinn. Und übt politischen Opportunismus, versteht sich. Das musste man einfach mal lapidar sagen. Sonst hätt´ er´s mos nich so weit und mehrfach bis an die Spitze geschafft, nach einer Talfahrt bis knapp an die politische Wildnis. Freiwillig draußen vor der Tür der Partei, deren Führer zur vertrauten Wiedererkennung gern mit erhobener, verkrampfter Faust grüßen oder drohen so wie „Mannetjie“, der Mann, der den Wahlzettel markiert und bei etlichen Taxis hinten auf der Kofferhaube klebt, derweil vorn über den Armaturen gestrickte Parteifarben das Voraussignal angeben.

Am 27. April 2017 hat Omupräsidente III in Bulawayo bei seinem Amtskollegen Comräd Boppa Mugabe eine Landesausstellung eröffnet. Die Nachrichtenschreiberlinge haben bei Comräd Geingob mit rechtem Gespür für Medienwirkung das saftigste Stück aus dessen Eröffnungsrede nach Namibia, ins Land der Bravourösen, übertragen. Comräd !Ghôahesab Hage hat seinem Wirt Boppa, dem längst regierenden Häuptling aller Zeiten, Honig ums Maul geschmiert. Hage bewundert und preist ihn in aller Öffentlichkeit vor Ort und – durch die Medien – international nämlich zu dessen angeblichem Mut bei seiner vollzogenen Landreform. Omupräsidente III weiß natürlich besser, aber er wagt es net nich zu sagen, dasses wrachtach keinerlei Mut erfordert, Pogrombanden auf kommerzielle Farmen zu hetzen. Und die Polizei greift bei der Vertreibung der Farmer und oft auch ihrer Angestellten nich ein, weil sie weiß, dass ihr Präsident schon längst aus dem Rechtstaat ausgestiegen is.

Denn der schert sich ´nen Dreck um die Rechtsprechung des SADC-Regionalgerichts in Ovenduka, das ihn, Comräd Boppa, an die zwingenden Menschenrechte hinweisen wollte, die in seiner, ja in der Verfassung von Simbabwe festgeschrieben sind.

Und seither hängt das Regionalgericht, auch SADC-Tribunal in der alten Turnhalle genannt, in der Schwebe. Draußen wird etwas geflaggt, aber net nich mehr so farbenfroh wie früher. Auf der Rechtsbank saßen – für die kurze Dauer – nur schwarze Richter. Pardon, es war auch ein Richter indischer Herkunft dabei. Und als diese das erste Urteil zu Ungunsten von Comräd Boppa gefällt hatten, is der Gesetzes- und Rechtswille der SADC-Helden zerbröckelt. Die anderen SADC-Chefs haben daraufhin gekuscht. Öffentlich hat keiner den Boppa gerügt. Eine Krähe hackt der anderen nich das Auge aus. Im Gegenteil, sie haben sich unter anderem in Swakopmund beraten, wie sie das SADC-Tribunal entkräften und kastrieren können, so dass keine Einzelbürger sich im Falle einer Menschenrechtsverletzung an eine höhere Instanz richten können. Genau das hatten Simbabwe-Farmer getan, weil in ihrem Land eine Rechtsprechung oberhalb des Apartheidsdenkens des Staatschefs überhaupt nich möglich is. Die Richter in dem Land wurden schon mehrfach ausgetauscht oder mit einer Raubfarm belohnt.

Nach wie vor genießt Comräd Boppa mit ganz wenigen Ausnahmen die Bewunderung einer Fähngemeinde unter seinen benachbarten Amtskollegen und manchem Fußvolk. Unantastbar. Omupräsidente III wird sich hüten, ´nen kritischen Ton anzustimmen, obwohl er genau weiß, wie Mugabe sein Land zuschanden geschunden hat. Davon zeugen allein schon die knapp vier Millionen Exilanten, die mit den Füßen über die Landesgrenzen hinweg ihre Wahl getroffen haben.

Omupräsidente III hat in Simbabwe mit seiner Aussage nich überrascht, aber irritiert hat er. !Ghôahesab Geingob hat sich nich entlarvt sondern offenbart. Denn er schlägt vor verschiedenem Publikum verschiedene Töne an. Er hat zu Hause bei uns im Lande der Braven zu großem Applaus öffentlich gesagt, Namibia brauche seine weißen Farmer. Und in Simbabwe hat er eben die katastrophale Landreform seines betagten Amtsbruders bis über den grünen Klee gelobt, was genau das Gegenteil bedeutet.

Comräd Boppa hat am Ende des ersten Jahrzehnts der Amtszeit Hages als Premier – das muss so ca 2002 gewesen sein – einmal Ondangwa besucht, um eine neue Lodge einzuweihen. Da war offensichtlich Geld von Simbabwe angelegt, das es damals noch mit weniger Nullen gab. Premier Comräd Hage war zur Einweihung auch nach Ondangwa eingeflogen. Beim Einweihungszeremoniell hat Mugabe damals uns Namibier ermutigt, seine „fast track land reform“, sprich Pogrom-Enteignung, nachzuahmen. Die Zwangsvertreibung hatte unter ihm gerade angefangen. Unser Hage saß daneben und hat gegrient, wortlos und schon gar nich mit Widerspruch oder Gegenrede.

Die Unterwürfigkeit gegenüber dem Altkämpen Boppa und Schreck der Bleichgesichter kommt mos ´ne lange Pad.

Am Ende werden Geingob wie auch die Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, an ihrer bisher eher pragmatischen Politik gemessen und nich am opportunistischen Tagesgeschwätz ihrer Politiker. Möge es weiterhin so zutreffen.

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